Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)
KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn
vorliegenden Fall. Besonders aufschlussreich sind kunsthistorische Ausführungen, die es gestatten Kunstwerk und Medizin in den Gesamtzusammenhang der Medizingeschichte einzuordnen. Die, leider nur massige Abkehr vom blossen Fortschrittsglauben hat der Medizin wieder historische Perspektiven eröffnet. Der Mensch in seiner geschichtlichen Veränderlichkeit rückt in den Blickpunkt des nicht mehr ausschliesslich naturwissenschaftlich orientierten Arztes. Es entsteht wieder ein ,,menschliches Bild vom Menschen" (Putscher). Vielleicht ist auch dem zu verdanken, dass das grosse Gebiet Kunst und Medizin in letzter Zeit wieder vermehrtes Interesse findet. Die Medizin umfasst ebenso medizinische Wissenschaft, wie ärztliches Handeln: Heilkunde und Heilkunst, sie ist scientia und ars, hat aber auch — besonders historisch gesehen — Beziehungen zur schönen Künste und erscheint mithin in verschiedenen Darstellungen der Kunst durch ihre besondere Wesensart. Die medizinische Abbildung ist Teil der Kunstgeschichte, die wiederum ein Teil der Geistesgeschichte ist. Das der Heilkunde dienstbare Bild Knüpft Beziehungen zwischen Medizin- und Kunstgeschichte. So ist die medizinische Abbildung sowohl Teil der Medizin — wie der Kunstgeschichte. Die Berührungspunkte zwischen Kunst- und Wissenschaftsgeschichte sind in typischen Fällen leicht zu erkennen, in anderen Fällen sind diese durch spezielle Untersuchungen zu bestimmen. Sachkunde und Bildkunde werden auch als Erschliessung neuer Quellen zur Medizin früherer Zeiten deutlich. Die Erforschung von Kunstwerken ist zwar ein selbständiges Forschungsgebiet, gleichzeitig aber dienen Kunstwerke als Hilfsquellen zur Ergänzung manchmal spärlicher schriftlichen Quellen. So ist die Kasuistik der medizinischen Ikonographie eines Landes oder eines Kulturgebietes oft auch von internationalem Interesse, von allgemeiner Bedeutung. In der Einleitung gibt die Verfasserin einen Überblick über das ,,Bild als Quelle der Heilkunde" wobei auch die Methodik nicht zu kurz kommt. Dem möchte ich hinzufügen, dass die Untersuchung der medizinischen Abbildungen bzw. Gemälde über medizinische Geschehnisse geradezu zu einem neuen Verständnis älterer Medizingeschichte geführt hat. Wurde Medizingeschichte bis vor wenigen Jahrzehnten fast ausschliesslich von Ärzten geschrieben, so sind heute zunehmend Geisteswissenschaftler, nicht zuletzt Kunsthistoriker, die — entsprechend ihrer anderen Qualifikation — durch die Bearbeitung philologischer, kultur- und kunsthistorischer Aspekte dieses Faches das Interesse der Forschung an sich ziehen. Bei einer dominierenden Medikalisierung tut eine, in den Humaniora verankerete Betrachtungsweise recht wohl. In diesem Sinne ist das vorliegende Werk auch zu betrachten, ohne dass das par excellence Medizinhistorische zu kurz käme. 1992 brachte die Autorin ein schönes Buch unter dem Titel ,,Spas in Hungary in ancient times and today" heraus. Schon in diesem Buch unternahm sie den Versuch, die kulturellen Grenzen des heutigen Ungarn zu überschreiten, mit Erfolg. Das vorliegende Band öffnet die Türen noch weiter indem fast alles, was in diesem Kulturgebiet medizinhistorisch relevant ist sub aegide artis eingefangen wird. Werke der Wissenschaftsgeschichte erregen in der Regel das Interesse der Fachhistoriker und in zunehmendem Masse die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler. Das trifft auch auf die Kunstgeschichte zu und in besonderem Masse auf Arbeiten interdisziplinären Inhalts. Die mangelnde Effizienz verstreuter Einzelpublikationen in Fachzeitschriften geben Veranlassung für zusammenfassende Monographien um spezifische Themen zu breiterem Bekanntheitsgrad zu verhelfen. Solch eine Monographie, ist sie sorgfältig gestaltet, wie im vor-