Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)

KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn

liegenden Werk dies der Fall ist, kann Überblicke und Einblicke vermitteln, die auch einem breiteren Leserkreis zugänglich ist. In jüngerer Zeit sind etliche Arbeiten, auch grössere Monographien, Bildbände, gemäss des vermehrten Interesses, das das grosse Gebiet Kunst und Medizin wieder findet, erschie­nen, die die Medizin in der Kunst beleuchten (Putscher: Geschichte der medizinischen Ab­bildung, 1972.; Schadewaldt: Kunst und Medizin, 1991.; Kádár Z.: Zu den kunstgeschicht­lichen Vorbildern der klassizistischen Anatómia Plastica, 1976.; Ders. Bizánci művészet (Byzantinische Kunst), 1987. u.a.m.). In Ungarn war diese Literatur eher spärlich. Jetzt hat die Autorin ein Band vorgelegt, das die Geschichte der medizinischen Kultur Ungarns aus kunsthistorischer Sicht erörtert. Zugleich ist das Werk ein Überblick der Problemgeschichte des medizinisch- künstlerischen Denkens, Wissens und nicht zuletzt der Praxis in alten Zei­ten. Medizinische Theorien und Kunsthistorische Erscheinungen finden darin jeweils die gleiche Berücksichtigung, wie das Feld der Praxis. Was den Aufbau anbelangt, sind es praktisch-didaktische Erwägungen, die sowohl die chronologische Einteilung beibehalten Hessen, als auch die klassischen Strukturen, Konzep­tionen, die damit ganz bewusst paradigmatischen Karakter tragen, gerade damit aber von exemplarischer Bedeutung sind. Aus dem Titel ergibt sich Programm und Disposition des Buches. Die Fülle des kunst-historisch- medizinhistorisch durchgearbeiteten Materials kann hier nur angedeutet werden, der Bogen ist weitgespannt. Es geht aus vom lateinischen Mittelalter Ungarns — damals von ganz bedeutender Grös­se — findet seine Schwerpunkte in der Renaissance und im Barockzeitalter, endet stilvoll mit einem Semmelweis-Porträt und dem Titelblatt des epochemachenden Werkes ,,Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers" (Pest, Wien und Leipzig 1861). Es geht nicht einfach um die Beschreibung nationaler Tradition, dieses Werk wieder­spiegelt die medizinhistorisch relevante Kunst vergangener Jahrhunderte eines bedeutenden europäischen Kulturgebietes. Eine beachtliche Materialiensammlung und deren kompetente, sachgerechte Bearbeitung erfüllt beispielhaft ein seit langem bestehendes Bedürfnis auf diesem, auch in Ungarn expan­dierenden Fachgebiet. Dem Leser wird höchst anschaulich ein Stück zeitgenössischer Kultur der Heilkunde Ungarns vermittelt, wie auch Interdependenzen von Medizin und Gesellschaft klar vor uns stehen. Es war keine leichte Aufgabe die künstlerische und medizinhistorische Inhomogenität bildhafter Darstellungen verschiedener künstlerischer Qualität im geschrie­benen Wort einzufangen, Die Autorin geht natürlich auch den Wandlungen im Krankheits­und Todesursachenspektrum nach und der damit verbundenen veränderten Ausdrucksformen — nicht selten karakteristisch für das beschriebene Kulturgebiet. Neben dem direkten Zusammenspiel von Kunstobjekt und Beschreibung steht ergänzend der detailkundige Rückbezug auf übergeordnete Zusammenhänge medizin- und kunsthistori­scher Entwicklungen. Das grosszügig illustrierte und äusserst ansprechend gestaltete Werk gliedert sich in ins­gesamt acht Kapitel, behandelt, was Text und Abbildungen anbelangt, ebenso systematisch als ausgewogen, folgende Gebiete: Ärztliche Kunst, Anatomie; die grossen Seuchen Euro­pas; Krankheits-Bilder, Krankheits-Fälle, Wunder; Pharmazie; die Kunst der Wundarznei, Zahnheilkunde; Ophthalmologie und Brille; Geburtshilfe. Wenn es auch kaum möglich ist auf alle Kapitel detailliert einzugehen, so sei es mir doch

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