Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)

TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin

Es muß noch bemerkt werden, daß der größere Teil der Ärzte der Gruppe Polnischer Arzte keine besondere ärztliche Fachausbildung besaß, die meisten von ihnen versahen vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges eine kreisärztliche Tätigkeit. Die Gruppe organisierte vom Sommer 1940 an die zur Verfügung stehenden ärztlichen Kräfte auf solche Art und Weise, daß die Fachärzte ins Győrer Polnische Krankenhaus bzw. in Abteilungen, die unter das Krankenhaus gehörten, oder in die Budapester Zentrale Ambulanz delegiert wurden, — bzw. die sprachlichen Möglichkeiten vor Augen gehalten — in ungarische Kranken­häuser, die Betten für polnische Kranken hatten. Ärzte, die eine besondere Praxis aufweisen konnten, wurden auf selbständige Arbeit abkommandiert. Den jüngeren Ärzten organisierte man im Győrer Krankenhaus fachliche Schulungen zu ihrer Weiterbildung. Von den Ärzten der Gruppe Polnischer Arzte konnten 10 ihre angefangene wissenschaftliche Arbeit hier fortsetzen. In den ungarischen wissenschaftlichen Fachblättern erschienen innerhalb der Kriegsjahrc 23 Arbeiten, die eine selbständige Forschung voraussetzen und zwar in ungarischer Sprache. Von diesen soll der Name des Professors Rudolf Arend hervorgehoben werden, der mit Tibor Simon zusammen im Jahre 1943 in einer grösseren Studie die Augenbewegungs-Störungen analysierte 68 . Zur Geschichte der polnischen Emigration in Ungarn zur Zeit des zweiten Weltkrieges gehört noch, daß an der medizinischen Fakultät der Budapester Universität 18 Polen medizinwissenschaft und Pharmazie studierten, und ihr Diplom auch bei uns erwarben. Die vorher skizzierten Formen funktionierten bis zum 19. März 1944 störungsfrei. Am ersten Tag der deutschen Besetzung Ungarns wurde in der Polnischen Ambulanz zu Budapest, Fő Str. der General Dr. med. Jan Srzednicki-Kollataj, der Oberarzt Kadaffer und eine Rotkreuz-Schwester erschossen. Im April ist die Tätigkeit der Gruppe Polnischer Arzte, genauso wie die Tätigkeit anderer polnischer Organisationen eingestellt worden. Mitglieder des polnischen Ärztekorps' wurden verhaftet. Die materiellen Quellen verstopften sich, obzwar das Internationale Rote Kreuz die polnischen Heilanstalten und die Ambulanz in ihre Obhut nahm. Am Mai 1944 gerieten die polnischen Emigrationseinrichtungen in eine schwere materielle und politische Lage. Es sind ergebnislose Experimente zur Neuorganisation des Polnischen Zivilen Komitees unternommen worden, bis schließlich das Internationale Rote Kreuz — auf ungarische Fürbitte und polnische Anregung — die ganze polnische Emigration in ihren Schutz nahm und für die Verpflegung sorgte. Es organisierte innerhalb seines Rahmens eine Polnische Unterabteilung, und übernahm das Aufgabenbereich sämtlicher eingestellter polnischer Institutionen. An die Spitze des medizinischen Dienstes wurde der Oberst Dr. Chelmicki als Oberarzt und Stanislaw Wawrzyniak Oberarzt gestellt. Diese Organi­sation konnte trotz jeder Kraftaufwände keine Ergebnisse mehr aufweisen — auf keinen Fall solche, wozu die Gruppe Polnischer Ärzte imstande war. Das größte Problem bestand in der strengen Überwachung der einzelnen Lager, Aufhebung der freien Bewegung der polnischen Ärzte und im Krieg selbst, der jetzt schon auf ungarischem Boden geführt wurde. Die Tätigkeit des Győrer Polnischen Krankenhauses wurde auch stark eingeschränkt, neue Kranken durften nicht mehr aufgenommen werden. Es mußten schwere Probleme der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten gelöst werden. Die Deutschen und ihre ungarischen Anhänger — die Pfeilkreuzler — verschleppten oft polnische Kranken aus dem Krankenhaus, und nahmen die Anordnungen des Internationalen Roten Kreuzes überhaupt nicht in Acht 69 . Die polnische Emigration in Ungarn — darinnen ihr gesundheitlicher Dienst bildet ein besonderes, selbständiges Kapitel in der Geschichte des zweiten Weltkrieges, und war ein organischer Teil der polnischen Widerstandsbewegung. Die eigenartigen Widersätze ergaben sich aus den veränderten Umständen der Emigration. Abgesehen davon hat die Emigration wichtige Aufgaben gelöst, ihre gesundheitlichen Ein­richtungen sind einmalig zu bezeichnen, genauso wie z. B. der Unterricht. Die polnische Emigration hat in Kapronczay, K.: a. a. O. Kapronczay, K.: a. a. O.

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