Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)

TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin

Leitung des Győrer Polnischen Krankenhauses wirkten und arbeiteten sämtliche außenstehende Abteilun­gen, die auch die Arbeit des Mutterkrankenhauses unterstützten, wo sogar eine zielgerichtete, fachlich betreute Nachbehandlung Zustandekommen konnte 64 . In dem oben geschilderten System bildeten die Zivil- und Militärärzte eine selbständige Gruppe innerhalb der Gruppe Polnischer Arzte, da die erstere eine lockere, die letztere eine geschlossene Formation war. In den Militärlagern, wo das medizinische und ärztliche Aufgabenbereich ebenfalls von polnischem Personal besetzt wurde, war die ärztliche Betreuung genauso wie in dem Zivilbereich organisiert. Es muß zugegeben werden, daß das ärztliche Personal neben dem rein Fachlichen, auch geheime Aufträge und Aufgaben zu erfüllen hatte, denn vom Herbst 1939 an ging im Interesse der Sicherstellung des Nachschubes der polnischen Kampftruppen an die westliche Front und nach Afrika, eine großangelegte Werbe- und Ausbildungsarbeit vor sich. Die Lagerärzte haben also auch in diesem Interesse Aufträge bekommen. Sie hielten z. B. Schulungen für Ersthilfe, bildeten Soldaten für den Sanitätsdienst und Rotkreuz-Schwestern für den Frontdienst aus, usw. 65 Mitglieder der Gruppe Polnischer Arzte haben nicht nur ihre unmittelbaren ärztlichen Aufgaben erfüllt, sondern nahmen auch an der Lösung von Problemen teil, die das Emigrationsleben mit sich brachten. Bei den heimatlosen Menschen meldeten sich bald Depressionen, Krankheiten, die die Unischerheit begründeten, in den Militärlagern meldeten sich schwere Formen des Alkoholismus. Die Tuberkulose bedeutete auch schwere Probleme, die besonders in den Militärlagern ihre Opfer forderte und die Leiter vor große Schwierigkeiten stellte. Die Gruppe Polnischer Arzte proponierte schon im Frühjahr 1940 eine gesund­heitliche Aufnahme der ganzen polnischen Bevölkerung in Ungarn, damit die ärztliche Betreuung einen hohen Wirkungsgrad erreichen, und die Zusammenwirkung der ungarischen und polnischen medizinischen Behörden verwirklicht werden kann. Die ersten Aufnahmen sind bereits gemacht, aber nur zum Teil gelun­gen, weil der bedeutende Teil der polnischen Flüchtlinge evakuiert war. Ab 1941 besitzen wir vollkommene Meldungen über die gesundheitlichen Reihenuntersuchungen. So wissen wir über die Einwohner der Militärlager das meiste, weil neben der 21. Abteilung des Ministeriums für Landesverteidigung die Organisation der Vertretung der Internierten Soldaten im Ungarischen Königreiche durch die Gruppe Polnischer Arzte zahlreiche solche Vermessungen verfertigen ließ. Nach der Vermessung des Jahres 1941 litt 75% der in Ungarn sich aufhaltenden polnischen Reihensoldaten an irgend einer Krankheit. (Hier soll erwähnt werden, daß der taugliche Bestand bis zum Frühjahr 1940 Ungarn schon verlassen hatte.) Es waren 66 Fälle bekannt, die schwer krank zu bezeichnen waren, und eine dauerhafte hospitale Betreuung beanspruchten; 71,3% wurden für den Waffendienst als untauglich erklärt. Von diesen Personen litten 1,75% an Lungen- und atemorganischen Krankheiten, 0,6% waren geschlechtskrank, 33% hatten Magen- und Verdauungskrankheiten, 29%- Rheuma, die anderen waren Nervenkrank. Im Offizierskorps wurden solche Vermessungen nicht vorgenommen, weil die Mehrheit der Offiziere unter 40 Jahren war, und ernste Krankheiten noch nicht besaß. Diese Vermessungen wurden vom Győrer Polnischen Krankenhaus auf zahnärztlichem Gebiet ergänzt, dem entsprechend 33% der im Krankenhaus liegenden Kranken einen ernsteren zahnärztlichen Eingriff zu erleiden hatten 66 . Die Gruppe Polnischer Arzte verfertigte auch Statistiken über die Geburten und Todesfälle. Nach diesen sind bis zum 19. März 1944 in Ungarn 139 Polen verstorben (davon 131 Männer, 6 Frauen, 5 Kinder); die Todesursache war in 24 Fällen Tuberkulose, in 10 Fällen Lungenentzündung, 24 Menschen hatten Herzkrankheiten, 9 tumorotische Krankheiten, 3 Personen verübten einen Selbstmord. Von den Verstorbe­nen waren 2,5% Soldaten, die anderen gehörtem zu dem Zivilbestand. Die Zahl der Geburten auf unga­rischem Boden war 204, Fehlgeburten 610 (es sind aber nur jene Personen verzeichnet, die einen ständigen Aufenthaltsort in Ungarn hatten). 67 64 Ungarisches landes Archiv, P. 1614. Siehe Anm. 61 65 Kapronczay: a. a. O. 66 Ungarisches Landes Archiv, P. 1614 67 Siehe Anm. 66

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