Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
Veranstaltungen zum Ausdruck. Der besondere Höhepunkt der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen war doch die Übersetzung und Herausgabe in ungarischer Sprache der Arbeit „Geschichte der Medizinwissenschaft" von Wladyslaw Szumowski (1857—1954). Dieses Werk ist nicht nur eine Tradition, die sich in den vergangenen Jahrhunderten anbahnte und jetzt fortgesetzt werden konnte, sondern vielmehr eine Anerkennung jener Wirkung, die die polnische Medizingeschichte auf die ungarische Medizingeschichte ausübte. In Ungarn hatte die Forschung und der Unterricht der Medizingeschichte nicht jenes hohe Niveau wie in Polen — obzwar die Tradition auf mehrere Jahrzehnte zurückblichen konnte. An der Pester Universität wurde der Unterricht der Medizingeschichte im Jahre 1836 als außerordentliches Fach eingeführt, aber noch zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts haben Privatdozente dieses Fach vorgetragen. Eine gewisse Änderung bedeutete, daß in den 1920er Jahren Tibor Győry öffentlicher und außenordentlicher Professor der Medizingeschichte an der Pester Universität wurde und wegen seiner ausgedehnten medizinischen und Staatsverwaltungs-Verpflichtungen Privatdozente zu seiner Verfügung standen. So konnte z. B. Medizingeschichte an der medizinischen Fakultät der Pester Universität durch den namhaften Dermatologen und ausgezeichneten Medizinhistoriker Árpád Herczeg (1890—1957) vorgelesen werden. Er las seit dem Jahre 1931 dieses Fach vor, und verfaßte ausgezeichnete Werke über die Geschichte der ungarischen Epidemiologie. Er redigierte Jahre hindurch die Medizingeschichte, eine Beilage des Orvosi Hetilap (Medizinisches Wochenblatt), als er sich zum Übersetzen des im Jahre 1934 in Krakau erschienenen Szumowskischen Werkes entschloß. Sein Kontakt mit Szumowski war eng zu bezeichnen, da beide zur Zeit des ersten Weltkrieges in demselben Krankenhaus in Galizien dienten. Hier hat Herczeg die polnische Sprache auf hoher Stufe angeeignet. Ihr Kontakt war auch nachher reg, und kann als permanent bezeichnet werden. In den späteren Jahren vertiefte er sich sogar noch. Der ungarische Medizinhistoriker war öfters in Krakau. Die beiden Fachexperten trafen einander auch öfters an internationalen Veranstaltungen der Medizingeschichte. Diese Begegnungen ermutigten schließlich Herczeg dazu, daß er nach der Erscheinung des III. Bandes der Geschichte der Medizinwissenscha.fi (1935) Szumowski um die Erlaubnis der Übersetzung des Werkes bat und zugleich die ungarische Ausgabe vorbereitete. Diese Ausgabe war umsomehr wichtig für Ungarn, weil der Unterricht der Medizingeschichte keine geeigneten Hilfswerke in ungarischer Sprache besaß. Die Synthesen der ungarischen Medizingeschichtsschreibung ließen Wünschenswertes übrig, deshalb war von hoher Wichtigkeit, daß Werke von hohem Niveau ins Ungarische übersetzt werden. Szumowski nahm die Vorschläge von Herczeg dankbar an, und schickte die fertig gewordenen Handschriftenseiten nach Budapest. Die Anmerkungen wurden von Herczeg vorgenommen, die während der Übersetzung aufgetauchten Bemerkungen wurden nach Krakau geschickt und von Szumowski dankbar angenommen. Die ungarische Ausgabe des Werkes ist also nicht eine einfache Übersetzung, weil Herczeg dieses Werk mit wertvollen Bemerkungen versah, und besondere Hinweise auf die ungarische Medizingeschichte gab. Zu der ungarischen Ausgabe des Werkes verfaßte Szumowski ein Vorwort, worin er mit rührenden Worten über die solidarische Wissenschaft und geistige Zusammenwirkung der Völker — in diesem Fall der Ungarn und Polen — schrieb, in einer Zeit, wo der Rassenhaß und die Rassenpropaganda die Völker Europas heimsuchten. Er schreibt: „Ich bin unendlich glücklich, wenn meine bescheidenen medizinhistorischen Studien zu der Befestigung und Beharrung der bisherigen geistigen Zusammenarbeit Ungarns und Polens, dieser auf Jahrhunderte zurückblickenden Zusammenwirkung und Freundschaft beitragen werden." Die ungarische Ausgabe des Werkes erschien in jenen Jahren, als die deutschen Truppen ihre Manöver zur Aufhebung der polnischen Unabhängigkeit in Gang setzten und die Besten der polnischen Intelligenz in Konzentrationslager gebracht wurden. Viele flüchteten auf ungarischen Boden und suchten hier Obdach. Árpád Herczeg spielte eine bedeutungsvolle Rolle darin, daß die hierher geflüchteten Studenten ihr Studium auch in Budapest und an anderen ungarischen Hochschulen fortsetzen gönnten. An den für sie gehaltenen Konsultationen gab er seine Erklärungen in polnischer Sprache wieder. Er nam auch an jener Bewegung und Sammlung teil, die innerhalb des Internationalen Roten Kreuzes den verfolgten Flüchtlingen und Professoren der Krakauer Universität hilfreich beistanden 53 . 53 Kapronczay, Károly: Wladyslaw Szumowski. Comm. de Hist. Artis Med. Bde 60/61. 1971. S. 287—294