Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
GESUNDHEITLICHE BETREUUNG DER POLNISCHEN FLÜCHTLINGE AUF UNGARISCHEM BODEN Ein wichtiges Kapitel in der kurzvergangenen Geschichte der ungarisch —polnischen medizinischen Kontakte bildet der Prozeß, wie sich das Los der polnischen Flüchtlinge zur Zeit des zweiten Weltkrieges gestaltete. Die Tatsachen gehen oft in Vergessenheit, doch darf nicht vergessen werden, daß die Betreuung der polnischen Flüchtlinge nicht nur ein Teil der Freundschaft und des Kontaktes zwischen unseren beiden Völkern, sondern zugleich ein selbständiges Kapitel der polnischen und ungarischen Widerstandsbewegung war, das sich gegen das Hiltler-Deutschland entfaltete. 54 Seit dem September 1939 kamen polnische Flüchtlinge in größeren Scharen nach Ungarn. Die jahrhundertelange polnisch —ungarische Freundschaft, sowie die geographische Nähe rechtfertigten diese Flucht, nicht zuletzt aber trug auch das Benehmen der Teleki-Regierung dazu bei, daß aus der Flüchtlingsfrage eine Staatsangelegenheit wurde. Den gültigen Gesetzen gemäß sind die polnischen wehrpflichtigen Personen nicht als Kriegsgefangene angesehen worden, so konnte die 21. Abteilung des Ministeriums für Landesverteidigung die Fürsorge übernehmen; die Sache der zivilen Flüchtlinge wurde als eine soziale Frage erklärt. Für die letzteren sorgte die IX. Abteilung des Innenministeriums, zu deren Befugnis die Armenversorgung und die Sozialhilfe gehörte. Der ungarische Staat rechnete im September 1939 noch nicht damit, daß innerhalb eines halben Jahres für annähernd 100000 Flüchtlinge gesorgt werden muß. Deshalb gab es in den Anfangszeiten tatsächlich Probleme, die ihre Begründung darin hatten, daß polnische Flüchtlinge nicht nur aus Polen, sondern auch aus Rumänien zu uns kamen. Nach dem Zusammenbruch Polens suchten — auf Grund der geschlossenen polnisch-rumänischen Verträge der Zusammenwirkung — vielen Polen in Rumänien ihre Zuflucht, so auch die Regierung. Auf deutschen Druck wurden die Polen aber sogleich in strenge Internierungslager gebracht, wo die Rumäner nicht mal für ihre minimalen Bedürfnisse des Lebens sorgten. Die zivilen Flüchtlinge hätte der ungarische Staat als eine polizeiliche Sache auffassen müssen, das er aber nicht auf sich nahm, so ist die ganze Angelegenheit als „soziale Sache" erklärt worden, das im wesentlichen ein Kompromiß war. An der Spitze der IX. Abteilung des Innenministeriums stand zu jener Zeit Dr. József Antall (1896—1974) — der nach 1945 Minister für Wiederaufbau war — der von aufrichtigen menschlichen Gefühlen gesteuert, für die Verpflegung sorgte, und ließ auch eine Möglichkeit für die polnische Widerstandsbewegung gegen Hitler, für Bestrebungen und deren Ausübungen offen. Über den sozialen Versorgungen hinaus mußten bei der Organisation der Flüchtlings-angelegenheiten alle Probleme der Emigration in Acht gehalten werden, so z. B. Fragen der kulturellen, unterrichtlichen und gesundheitlichen Bedingungen, die erst geschafft werden mußten. Im Herbst 1939 konnte man den Ausgang des Krieges noch nicht voraussehen, so mußten dem entsprechend bürgerliche, wie militärische Flüchtlingsangelegenheiten auf längere Frist organisiert werden. Bei der Organisation der militärischen und zivilen Lager bedeutete es kein Problem, daß die größere Menge der Flüchtlinge Ungarn nicht für ihren endgültigen Aufenthalt betrachtete. In relativ kurzer Zeit verließen 60—70 000 Menschen durch Jugoslawien unser Land, und entfernten sich nach Frankreich oder in den Nahen Osten. Die verantwortlichen Ministerien bekamen erst im Mai 1940 eine endgültige Antwort, erst danach kristallisierte sich jenes Bild heraus, worüber die Fachliteratur spricht. Die bürgerlichen Lager waren keine Lager im wahren Sinne der Wortes, weil ihr Gebiet immer jenem Verwaltungsgebiet angeschlossen wurde, wo Flüchtlinge lebten. So hatten sie einen ständigen Kontakt mit den Dörfern und Städten der Nähe. Sie bekamen ein differenziertes Tagesgeld, hatten Papiere zur Aufnahme einer Arbeit, ihren Kindern wurden Schulen zur Verfügung gestellt, wo die polnische Kapronczay, Károly: The Affairs of the Polish Refugees in Hungary during World War II. Comm. de Hist. Artis Med. 1976. (77). S. 27—42 Kapronczay, Károly: Dzialalnosc Polskiego czerwonegb Krzyza na Wegrzech w latach II wojny swiatowej. AHM. 1984. 47. torn. S. 529—538 Csorba, Tibor: Sylwetki lekarzy polskich na Wegrzech (1939—1945). AHM, 1959. 22. torn. S. 585-592. Barátsága bajban. Budapest, 1986