Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK, ELŐADÁSOK - STUDIES, LECTURES - Kaiser, Wolfram: Der Arzt Franz Ernst Brückmann (1697-1753) und seine ungarische Reise von 1724
Enzyklopädie 15 galt als „lehrreich, wenn auch theilweise nicht recht zuverlässig und gründlich"'. 1S Ahnliche Kritik wurde auch zu seinen Ungarnberichten geäußert, wenn er z.B. über in den Höhlen der Tatra gefundenen „Drachenknochen" berichtete: das waren Skelettreste von Höhlenbären, deren spätere Zuordnung durch die bildlichen Darstellungen Brückmanns aber zumindest erleichtert wurde. Selbst die Fehlinterpretation diente somit der Anregung zur Diskussion im Sinne einer VorläuferBeschäftigung mit Disziplinen, aus denen sich die Spéléologie und die Paläozoologie herauskristallisieren sollten. 17 Umgekehrt gibt es genügend Beispiele, wo Brückmann sich skeptisch verhielt, wenn ihm ein Histörchen als Wahrheit unterschoben werden sollte: an den Tokayer Wein als Aurum potabile, an den Goldgehalt des Rebensaftes hat er jedenfalls nicht geglaubt. Brückmann war, als er Ungarn bereiste, ein noch junger und in manchem unerfahrener Arzt; auf seinem späteren Lebensweg wurde er zum anerkannten Wissenschaftspartner z.B. von Carl von Linné (1707—1778). 18 Die Mitgliedschaften in der Academia Naturae Curiosorum und in der Königlich-preußichen Sozietät der Wissenschaften zu Berlin unterstreichen das wissenschaftliche Engagement dieses Arztes, der offenbar eine Hochschulkarriere nicht anstrebte, immerhin aber zum Leibarzt am Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel avancierte. Seine Sachberichte waren durchaus ernst zu nehmen. Seine zuweilen eingeflochtene Fabulierneigung hat ihm gemäß einer Beurteilung jüngeren Datums das Attribut eines „Gelehrten Schriftstellers und Schalk" eingebracht 19 ; diese Bewertung basierte auf der Lektüre eines Brückmannschen Büchleins von 1727 (,Js~eu erfundene curieuse Flohfalle zur gäntzlichen Ausrottung der Flöhe"), in dem sich Sachliches mit Albernheiten mischte, in dßn Brückmann Ernstes und Parodistisches mixte. Der Wolffenbütteler Rezensent bemerkte: „Wer dieses Büchlein in der Herzog August Bibliothek einsieht, muß in Begeisterung darüber geraten, wie hier profunde Kenntnisse der gesamten Floh-Literatur vom Altertum bis Lessing und zu der 'unanständiger' Folklore mit ernster Miene parodistisch vorgetragen wird." Die letztere Konstatierung führt zugleich zum Ausgangspunkt der auf Ungarn zentrierten Nachbetrachtung zurück. Die Brückmannschen Schilderungen von Land und Leuten waren ernst zu nehmen, Histörchen und Fabeln schnell zu erkennen. Es blieb die Zeitzeugenschaft; diese aber war für Weszprémi wichtig, wenn er formulierte: Jranc. Em. Brückmannus, Medicus practicus Wolfenbüttelensis, homo peregrinus, ob id unice hic a nobis commerorandus , quod rem Hungáriáé litterariam singularibus illustraverit speciminibus, dum maiorem Hungáriáé partem an. 1724. perambulasset ." Es ist sicher kein Zufall, daß Brückmanns Schwiegersohn Börner auf die Hungarophilie des Schwiegervater einscherte und in seinem bio- und bibliographischen Engagement — Börner edierte ein diesbezügliches Naschschlagewerk — u. a. das Studium ungarischer Absolventen in seine medizinhistorische Arbeitsthematik aufnahm. Im Börnerschen Ärztelexikon von 1749 findet sich z.B. eine Biographie von Andreas Hermann (1693—1764), einem aus Neusohl gebürtigen und 1719 in Halle graduiertem Arzt, der nach Rückkehr in die ungarische Heimat eine beachtliche Karriere machte. 3 " Dabei weiss Börner — vielleicht mit Hilfe von Brückmann — über Andreas Hermann mehr zu berichten als Weszprémi selbst: er hält fest, daß Hermann zwischen 1719 und 1722 seinen aus Pozsony stam15 Brückmann, F.E.: Magnolia Dei in Locis subterraneis oder Unterirdische Schatz-Cammer etc.; Braunschweig 1727. 16 Jacobs, E.: Peter der Große am Harz und die gräflichen Hüttenwerke zu Ilsenburg. Z. Harz-Verein 13 (1880), S. 243—264. 17 Duka Zólyomi, N.: Die Leopoldinische Akademie und die ungarländische Medizin und Naturwissenschaft bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Acta hist. Leopoldina 13 (1980), S. 51—101. 18 Stoever, H.D.: Collectio Epistolarum quae ad viros illustres et clarissimos scripsit Carolus a Linne. Hamburg 1792. " Barnstorf, F.: Dr. med. Franz Emst Brückmann (1697—1753), Herzoglicher Leibarzt, gelehrter Schriftsteller und Arzt. Das Moosholzmännchen Nr. 92/1972, Beiblatt zu „Der Stadtbüttel" , Mitteilungsblatt der Stadt Königslutteram Elm 13 (1972), Nr. 5. 20 Boemer, F.: Nachrichten von den vornehmsten Lebensumständen und Schriften jeztlebender Arzte und Naturforscher, Fünftes Zehend, S. 810—826; Wolffenbüttel 1749.