Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK, ELŐADÁSOK - STUDIES, LECTURES - Kaiser, Wolfram: Der Arzt Franz Ernst Brückmann (1697-1753) und seine ungarische Reise von 1724

die „Cynosura peregrinantium" von 1644 gekannt haben." Frölich hatte damit Viatorien für die reisende Jugend seines Landes erstellen wollen; Viatorien wurden nun aber auch die Brückmannschen Epistolae itinerariae, eine Art Hinweis-Literatur auf das, was man bei Reisen nach nah und fern besichti­gen müsse. Es ist daher wohl sicherlich nicht zu weit hergeholt, wenn man von einer gewissen Vorbildwirkung Frölichs spricht. Der Verfasser der „Epistolae itinerariae" ging noch ein wenig weiter: den mit Exkursen in die Geschichte verbundenen Regionalschilderungen folgten im allgemeinen Angaben über ansässige Mediziner, die dem Leser vielleicht von früher her bekannt waren und die er aufsuchen konnte, wenn er den von Brückmann vorgezeichneten Spuren folgte. Für einen halleschen Nachbeüachter unserer Tage ist diese letztere Komponente zusätzlich interessant, begegnen ihm doch auf Brückmanns Ungarn-Reise die Namen von nicht wenigen Medizinern, die auch in den Doktorandenlisten der 1694 feierlich eröffneten Universität Halle zu finden sind. 12 Bis zum ungarischen Besuchsjahr Brückmanns hatte bereits 15 Ungarn und Transilvanier den halleschen Doktorgrad erwor­ben; in Sopron, Pozsony und in den oberungarischen Montanstädten ist Brückmann mit mehreren von ihnen und auch mit einigen Absolventen der Wittenberger Leucorea zusammengetroffen. 13 ZUM BRÜCKMANNSCHEN GESAMTWERK Zu Leben und Werk von Franz Ernst Brückmann sei an dieser Stelle lediglich festgehalten, daß der am 27. September 1697 in Marienthal im Braunschweigischen geborene Amtmannssohn sich 1716 an der Universität Jena inskribierte, nach Ausbildungsende als Lizentiat in Weferlingen im Halberstädtischen praktizierte und dann 1721 in Helmstedt den Doktorgrad erwarb. Während einer sich anschließenden Arzttätigkeit in Braunschweig erhielt er die Nachricht von einer ungarischen Erbschaft, die ihn 1724 veranlaßte, die Reise dorthin anzutreten. Literarische Aktivitäten hatte er bereits als Studiosus und als junger Arzt dokumentiert, und so darf angenommen werden, daß er von Anfang an die Absicht hatte, die Reise nicht auf die Regelung seiner Erbschaftsangelegenheiten zu beschränken. Vom Studium her war Brückmann mit einer Reihe von Ungarn bekannt, sa daß er auf deren Gastfreundschaft rechnen konnte, wenn er das Land kennenlernen wollte. Eine Reiseberichterstattung wird also eingeplant gewesen sein; Art und Umfang werden das Resultat dessen gewesen sein, was dann vor Ort auf ihn zukam. Denn es zeigte sich, daß seine jeweiligen Gastgeber bemüht waren, ihm so viel wie möglich nicht nur von den Denkwürdigkeiten und Besonderheiten („Memorabilia" und „Curiositates") zu zeigen, 14 sondern ihn auch mit der Historie des Landes — Kultur- und Wissenschaftsgeschichte im weitesten Sinne des Wortes — vertraut zu machen. Das ist ihnen gelungen. Freilich reichte die Aufenthaltszeit Brückmanns nicht aus, um sich von allem, was ihm gesagt wurde, persönlich zu überzeugen. So setzt sich sein späterer Ungarn-Bericht aus mehreren Komponenten zusammen: dem, was man ihm zeigte, dem, was man ihm (im eigenen guten Glauben) berichtete und schließlich dem, was man ihm als Regionallektüre in die Hand gab. Das erbrachte im Resultat ein Mixtum compositum, das nicht in jedem Falle einer exakten Nachprüfung hätte standhalten können. Man hat Brückmann daher später — und das nicht nur im Hinblick auf Ungarn — der allzu großen Gutgläubigkeit bezichtigt und ihn sogar einen Polyscriptor genannt, dem die Einsicht gefehlt habe, Historie von Histörchen und Fabel unterscheiden zu können. Eine Brückmannsche Bergwerks­11 Kaiser, W., u. A. Völker: Ungarländische Absolventen der Leucorea und der Academia Fridericiana als Initiatoren einer landessprachlichen Fachliteratur. Wiss. B. Univ. Halle 1982/7 (T45), S. 323—339. 12 Kaiser, W., u. A. Völker: Hungarica medica des 18. Jahrhunderts in den Beständen des halleschen Universitätsarchivs. Wiss. B. Univ. Halle 1981/38 (T 40); Halle 1981. 13 Kaiser, W., u. W. Piechocki: Wechselbeziehungen zwischen der östlichen Slowakei und Halle-Wittenberg in medizinhistorischer Sicht. ATM, H. 12 (1968), S. 49—69. 14 Brückmann, E.E.: Epistola itineraria XCIC sistens Memorabilia Hungáriáé. Wolffenbüttel 1741.

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