Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK - ELŐADÁSOK - Münchow, Wolfgang: Albrecht von Graefe (1828—1870) emlékére (német nyelven)

später München, das „Journal der Chirurgie und Augenheilkunde" herausgegeben hatte. Bis zu seinem Tode, also über etwa 16 Jahre, hat Albrecht von Graefe auf mehr als 2500 Druckseiten im „Archiv" sein geistiges Erbe hinterlassen. Seine Arbeiten sind noch heute anregend und lesenswert, sie bestechen durch seinen Stil sowie durch Gründlichkeit und Scharfsinnigkeit der Abhandlung praktisch jedes derzeitigen wis­senschaftlichen Problems der Augenheilkunde. Doch weder die Familie und Erziehung, noch die wissenschaftlichen Leistungen haben das ungewöhnlich hohe Ansehen begründet; die deutschen Mediziner Rudolf Virchow (1821—1902) und Robert Koch (1843—1910) waren z.B. gleichfalls im ver­gangenen Jahrhundert bekannt und weltberühmt, in ihrer Popularität wurden sie aber von Albrecht von Graefe weit übertroffen : Die dritte und wichtigste Grundlage war die ärztliche Tätigkeit, die unermüdliche und immer gleichbleibende Hinwendung zum kranken Menschen, ohne Ansehen der Herkunft und des Standes, was bereits in der Einleitung zum Ausdruck gekommen ist. Mit Beginn seiner ärztlichen Tätigkeit im November 1851 hatte Albrecht von Graefe in Berlin nach französischem Vorbild — in Paris sind um die Mitte des 17. Jahrhunderts erste Einrichtungen zur unentgelt­lichen Untersuchung und Behandlung mittelloser Kranker in Form einer „Poliklinik" bekannt geworden — eine augenärztliche öffentliche Sprechstunde geschaffen, die er zusammen mit seinen Jugend- und Studienfreunden Julius Arendt (1825—1870), Eduard Michaelis (1824—1891) und Adolf Schuft-Waldau (1822—1895) ausübte. Noch war für eine derartige Institution die Bezeichnung „Klinik" üblich, da sie um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts als ambulante Behandlungsstelle ganz in der Regel ein Bestandteil der Universitätskliniken war: die Patienten wurden kostenlos behandelt, mußten sich aber zur Ausbildung und für Übungen den jungen Studenten und Ärzten zur Verfügung stellen. Das altgriechische Wort „polis" hat mehrfache Bedeutung und kann sowohl „Stadt", als auch „Allgemeinheit" und „Vielzahl" bedeuten. Erst nach der Jahrhundertmitte wurde die Verbindung mit dem Wort Klinik als ..Poliklinik" üblich, womit die Aufgabe einer Ambulanz recht gut definiert war. Daß eine derartige Einrichtung für Augenkranke in Paris von Desmarres, aber auch von seinem aus Frankfurt/M. stammenden Lehrer Julius Sichel (1802—1868) auf privater Basis aufrecht erhalten wurde (es gab in Paris weder eine Universitäts­Augenklinik, noch eine städtische oder staatliche Augenpoliklinik), war allgemein bekannt; für Deutschland blieb vorerst eine derartige private Ambulanz einzigartig. Albrecht von Graefe eröffnete auch eine „Augenklinik", zunächst nur mit 2 Betten, der steigende Zustrom machten aber bald eine Vergrößerung und einen Ortswechsel erforderlich, und im Jahre 1865 umfaßte seine Privatklinik in der Carlstraße in Berlin (heute „Max-Reinhardt-Straße") insgesamt 120 Betten und stand damit in Deutsch­land an weitaus erster Stelle. Der Bettenzahl nach folgten Düsseldorf (80), Heidelberg (64), Wiesbaden (54), Dresden und Halle/S. (je 50); als einzige Universitäts-Augen­klinik in Deutschland nahm sich Leipzig mit 31 Betten recht bescheiden aus [8]. Die Augenpoliklinik war im gleichen Hause in der Carlstraße untergebracht und wurde wochentags von 13 bis 15 Uhr und sogar sonntags von 13 bis 14 Uhr abgehal­ten. Albrecht von Graefe ließ es sich nicht nehmen, die Sprechstunde täglich selbst abzuhalten, es sei denn, er war von Berlin abwesend. Im Durchschnitt kamen 100 bis 200 Patienten :

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