Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK - ELŐADÁSOK - Münchow, Wolfgang: Albrecht von Graefe (1828—1870) emlékére (német nyelven)
„Die neuen standen in einer Phalanx von 3 Mann Breite, jeder hatte ein Zettelchen mit seinem Namen, Alter, seiner Wohnung in der Hand. Sowie der Professor mit seinem Stabe Assistenten in den Saal getreten war und an der rechten Seite des riesigen Tisches mit dem Rücken gegen ein Fenster Platz genommen, wurden die Pforten aufgethan, und einer nach dem anderen setzte sich vor den Meister, der ihn gütig und eingehend ausfragte, in den einfachen Fällen die kleinen Hand- und Eingriffe sofort vornahm, danach die Kranken zur weiteren Belehrung und zur Empfangnahme der Vorschriften an einen der älteren Assistenten verwies, während die schwierigen Fälle von innerer Augenkrankheit erst genau auf Sehkraft usw. und mit dem Augenspiegel geprüft wurden, ehe sie ihm zur schließlichen Beurtheilung wieder vorgestellt wurden "[7b]. In der Poliklinik wurde grundsätzlich kein Honorar gefordert, auf dem Behandlungstisch stand lediglich ein Holzkästchen, in das dankbare Patienten einen Obulus legen konnten, aus dem Albrecht von Graefe aber oft genug Geld entnahm, um der armen Mutter eines skrofulösen Kindes etwas Geld für Milch oder einem abgemagerten Alten die Mittel für warmes Essen zu geben. Daneben hielt er aber abends eine Privatsprechstunde ab, in der er von reichen Patienten durchaus ein ansehnliches Honorar forderte. Es wäre ja sonst auch nicht zu verstehen, wie er aus eigenen Mitteln eine Poliklinik durchführen konnte. Gelegentlich ist es vorgekommen, daß sich Patienten unter die Wartenden mischten, die eigentlich in die Privatsprechstunde gehörten. Der Berliner praktische Arzt Otto Braus hat uns hierüber eine Szene überliefert: „Eines Tages erlebte ich, wie ein Graf X., der mit seinem Töchterchen in den sehr überfüllten Räumen der Poliklinik wartete, plötzlich an den in die Warteräume hineinsehenden Professor herantrat und ungeduldig und barsch fragte: »Wie lange soll ich noch hier warten ? Ich habe meine Karte bereits vor längerer Zeit zu Ihnen hineingeschickt /« Graefe sah ihn erstaunt an und erwiderte dann mit sehr ernster Miene: »Sie sehen hier meine Arbeit und da wollen Sie mir zu dieser Arbeit, die ich der Menschheit zu Liebe thue, noch Grobheiten sagen ? Andreas — wollen Sie dem Herrn den Ausgang zeigen!«" [IL Albrecht von Graefe empfand seinen Beruf als Augenarzt als Verpflichtung, ohne Unterschied für jedermann jederzeit bereit zu sein. Das nahmen besonders seine armen Patienten mit Dankbarkeit hin, die Vertreter des jenerzeit im Frühkapitalismus entstehenden Proletariates. Eine andere Szene mit einem der frühesten deutschen Arbeiterführer, dem revolutionären Demokraten von 1848 und Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Jahre 1863, Ferdinand Lassalle (1825 bis 1864) hat uns der Schriftsteller Felix Philippi (1851—1921) überliefert. Im „Salon" seiner Mutter in Berlin verkehrten neben Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern auch drei Ärzte, der bekannte Neuropathologe Moritz Heinrich Romberg (1795—1873) und der berühmte Kinderarzt Eduard Henoch (1820—1910): „Und der Dritte, der seinen ständigen Platz am Kamin hatte, der schlanke Mann mit dem wundervollen, edlen und leidenden Christuskopf, hieß Albrecht v. Graefe. Tausenden hat dieses bahnbrechende Genie Licht und Sonne und Glück und Lebensfreude wiedergegeben, Tausende hat er mit seiner nie versagenden Güte, seiner unerschöpflichen Milde erquickt: ein Himmelsbote, dessen irdische Laufbahn nur vier Jahrzehnte zählte. Er war der einzige in jenem Kreise, an den sich Lassalle in seiner draufgängerischen Art nicht