Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)

FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)

PROF. DR. PÁL JUHÁSZ, PSYCHIATER J. Die Krankheit, die zum Tod Semmelweis' führte, hatte — nach Bókais „hi­storischer Mitteilung" — um 5 Wochen vor Semmelweis' Aufnahme ins Spital ange­fangen. Der klinische Ablauf des ganzen Krankheitsprozesses nahm also sieben Wochen in Anspruch. Von diagnostischem Gesichtspunkt aus können die folgenden Daten eine Auswertung erhalten: a) stufenweise sich herausbildender und verstärkender Erregungszustand mit Abnormität im Benehmen und mit vegetativen Symptomen; b) manisches Symptomenbild progressiver Art: Verlockerung der Familienbande, Alkoholgenuß, sinnloser Geldaufwand, gesteigerte Sexualität, Verwahrlosung der äußeren Erscheinung; c) bei Aufnahme ins Krankenhaus und danachfolgend bis zum Tode: fieberhafter Zustand, Pulsfrequenz 100—140, Schwitzen, Dahinleben an der Grenze des Kollapses, Exsikkose, viel Wassertrinken; d) an einem Finger der rechten Hand gangränöser Abszess, der — aufgrund der auf der Konferenz Gesagten — mit großer Wahrscheinlichkeit einer Verletzung bei einer Operation entstammt, und auf den im Krankenhaus kalte Umschläge, Ver­bindungen gelegt werden ; e) bei der Sektion: mehrfache, eitrige Metastasen, an denen auch die Niere teil­nimmt, feststellbare Pyämie, wo noch Leptomeningitis und Ventriculitis zukommen; f) der Gehirnschwund (atrophia cerebri) wird nur in der Diagnose erwähnt, im Obduktionsbefund gibt's keine eigentliche Beschreibung davon. Aus dem Krankheitsverlauf kann aufgrund der aufgezeichneten Daten festgestellt werden, daß sich der Kranke während der Zeit seiner Behandlung in der Anstalt manchmal verwirrt, unruhig, vorlaut, andersmal aber adäquat benimmt, seine Ori­entierung aushält. Seine Erinnerungsbilder sind aufbewahrt, am 5. August erkennt er Prof. Skoda und führt ein Gespräch mit ihm. Seine Äußerung, nach der er Mitglied der Ungarischen Akademie werden wolle und der beste Gynäkologe sei — worauf in der Krankengeschichte hingedeutet wird — ist nicht wortgetreu direkt zitiert, weshalb sie nicht als Doxasma bewertet sein kann. Die Pupillen reagieren gut, sind regelmäßig. Die Eintragung in der Krankengeschichte, nach der er zu einem Mal den rechten Fuß nachschleppt, läßt nicht darauf folgern, daß diese Bewegungs­störung nervensystematischen Ursprungs sein könnte. Bei der Obduktion gibt es keine Angabe, die sich auf eine pathologische Veränderung der Genitalien bezieht. Die Beschreibung des Rückenmarks gibt keine Möglichkeit, irgendwelchen Krank­heitsprozess festzustellen oder auf einen solchen zu folgern. Aufgrund all dessen ist feststellbar, daß Semmelweis' zum Tod führende Krank­heit eine Pyämie mit mehreren eitrigen Metastasen darstellt, in der auch die Nie­renschädigung und die leptomeningeale Reaktion offenbar sind. Aufgrund des Sektionsbefundes muß der Krankheitsprozess zwei Wochen unbedingt übertroffen haben und es scheint real, die Länge des Krankheitsprozesses in sieben Wochen zu bestimmen. Der Ursprung der eitrigen Infektion ist die Verletzung des Fingers, die annehmbar während einer Operation erfolgt war. Das psychopathologische progres­sive Symptomenbild kann als ein organisches Psychosyndrom, d. h. als eine in der

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