Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)
FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)
noch der Inhalt der neulich bekanntgewordenen Schriften. Semmelweis kam wegen seiner Geistesstörung nach Wien, sein Tod erfolgte aber wegen der inzwischen vereiterten Verletzung am Finger. All das weist dahin: es gibt keinen Grund, eine von Sepsis herrührende Geistesstörung anzunehmen, d. h. man hat keine gründliche Ursache für die Annahme eines septischen Deliriums. DR. GYŐZŐ BIRTALAN, CHEFARZT Wie es der uns bekanntgewordenen Krankengeschichte bzw. den daraus hervorgehobenen Angaben zu entnehmen ist, wurde die ärztliche Beurteilung von Semmelweis' Zustand — von der Aufnahme im Krankenhaus zu Wien an — entscheidenderweise von dem im Vordergrund stehenden psychiatrischen Krankheitsbild bestimmt. Seine Krankheit dürfte für einen unbeeinflußbaren Prozeß im Nervensystem gehalten worden sein (man kann in erster Linie auf Paralysis progressiva folgern). Dementsprechend ist für seine ärztliche Betreuung eine abwartende Beobachtung am meisten charakteristisch. Zugleich ist aber diese Beobachtung nicht so umsichtig, streng und kontinuierlich, wie dem ausgezeichneten Stand des Kranken gebührte. Das bezieht sich in erster Linie auf die somatischen Daten des Kranken. Man soll hier daran denken, wie die Gestaltung der Handverletzung und des Lungenstatus verfolgt wurde. In diesen Bereichen sind nämlich später auffallende pathologische Abänderungen beobachtet worden. Hier wird der Geist des therapeutischen Nihilismus besonders spürbar, der eben für Semmelweis so unerträglich war. In der Krankengeschichte fällt kaum ein Wort über Heilung. Es wäre selbstverständlich sinnlos, irgendjemand dafür verantwortlich machen zu wollen, warum nicht bis zu den Ursachen dringende, wirkungsvolle Eingriffe vorgenommen wurden. Warum war aber eine auch damals mögliche symptomatische Therapie nicht versucht? Eine entsprechende Beruhigung mittels Medikamente wäre doch möglich gewesen, wodurch eventuell gelungen wäre, die Widerstandsfähigkeit des Organismus zu steigern, die infizierte Wunde besser zu versehen (z. B. mit Inanspruchnahme eines chirurgischen Konsiliums) und die Entfaltung der allgemeinen Sepsis zu verschieben. Es ist nicht erwähnt, wie der Kranke ernährt und überhaupt betreut wurde. Es scheint also, daß er vom Anfang an für einen hoffnungslosen, verlorenen Fall gehalten wurde, und — wie wir wissen — eine solche Auffassung trägt immer dazu bei, daß das Ende wirklich schnell erfolgt. Natürlich haben wir keinen Grund zu bezweifeln, daß die Handverletzung, die er vielleicht doch bei jener „auf eine skandalöse Weise vorgenommenen Entbindung" bekommen hat, — mit Hinsicht auf die verfügbaren Möglichkeiten jener Zeit und Semmelweis' sehr verzehrten und übertriebenen Organismus — notwendigerweise eine tödliche Gefahr für ihn bedeutete.