Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 69-70. (Budapest, 1973)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK - Broglia, Valerio: Dr Némai M. József, egy magyar tudós és orvos (német nyelven)
ja zucker- und herzkrank. Der Unmensch schrie: „Aha, das ist also das Gift, womit ihr Juden das Trinkwasser vergiftet!" ein Absurdum, welches ihn aber nicht davon abhielt, schwer auf den Greis zu schlagen. Dieser brach sofort zusammen und musste in das Hilfslazarett in der Wesselényi-utca eingeliefert werden. Hier starb er im Alter von fast 83 Jahren, mit der offiziellen Diagnose von „endgültiger Erschöpfung" (végkimerülés). Ein bitteres Ende für den hochgelehrten Mann! 4 Und doch hatte er keine Feinde, nur Freunde und Schätzer. Sein Charakter war gerade, seine Güte allbekannt, sein Benehmen vornehm und leutselig zugleich. Vielleicht fehlte es ihm an Mut für waghalsige Unternehmen, die er nicht leiden konnte : er war ja auch körperlich nicht sehr stark, aber ein festes Vertrauen auf Gott stützte ihn im Leben. Öffentliche Ämter hat er nie bekleidet, umso weniger interessierte ihn die aktive Politik, denn dazu war er zu bescheiden; er verfolgte aber aufmerksam das Weltgeschehen über die Zeitungen. Selber ein geschickter Geiger, liebte er Musik und bildende Künste über alles und verfügte darin über einen verfeinerten Geschmack. Die Gesangstimme und die Stimmbildung beim Gesang studierte er mit besonderer Vorliebe. Er verfehlte nie, die Kehle von namhaften ungarischen und ausländischen Sängern und Sängerinnen, evtl. mit kleinen Ausreden zu untersuchen, soweit er sie nur erreichen konnte, auch als Theaterarzt beim Budapester Opernhaus. Er verkehrte, so oft er konnte, mit prominenten Kollegen im In- und Ausland, versäumte dabei aber weder Museen noch Konzerte bei seinen Auslandsreisen. Wien war ihm besonders lieb. 5 Somit war Dr. Némái ein Musterbeispiel des „gebildeten Europäers", wie man in seiner Zeit, in der heute so genannten „Belle époque" (etwa von Sedan bis Sarajewo) zu sagen pflegte. * Wenn wir nun die wissenschaftliche Tätigkeit von Dr. Josef Némái in Betracht ziehen, so überrascht uns deren Tragweite und Ausdehnung, aber auch die Tiefe ihrer Betrachtung. Diese Tätigkeit erstreckt sich, wenn man sich nur auf die gedruckten Schriften beschränkt, über 50 Jahre, von 1889 bis 1939; praktisch aber hatte sie schon früher, noch vor 1887 begonnen und wurde in der Form von Beobachtungen, Untersuchungen, historischen und populärwissenschaftlichen Arbeiten bis etwa 1941 fortgeführt. Die Themen Dr, Némais stammen ungefähr aus allen Gebieten der Laryngo-Rhinologie und gegen Ende seiner Karriere befasste er sich viel mit Ortophonie, Logopädie und Erziehung von taubstummen Kindern zum Reden. Er konstruierte auch ein chirurgisches 4 Dies geschah im Dezember 1944, während der Belagerung von Budapest, als die siegreichen russischen Truppen noch nicht ins Stadtinnere eingedrungen waren. Wer jene bewaffneten Männer gewesen sind, konnte der Verfasser nicht feststellen; aber wahrscheinlich waren es Schergen des damaligen Szálasi-Regimes in Ungarn; vielleicht auch Deserteure und gemeine Verbrecher verkleidet in Uniform, wie dies auch anderswo geschehen ist. 5 Die schönsten Jahre seiner Jugend verbrachte er als Student der Medizin in Wien, wo er u. a. unter Hyrtl Anatomie studierte.