Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 69-70. (Budapest, 1973)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK - Broglia, Valerio: Dr Némai M. József, egy magyar tudós és orvos (német nyelven)

infolge ihrer Meinungsverschiedenheit sein Vertrauen zu ihnen verloren. Dann habe ich ihn intern untersucht. Die geringmässige LungenerWeiterung, der ein bisschen zu steife Brustkorb und die massig geschwollene Leber gaben an sich keine genügende Erklärung für seine Heiserkeit. Er hat meinen Vorschlag, zusammen den Laryngolo­gen Dozent Joseph Némái aufzusuchen, willig angenommen. Ich selbst habe seine Beschwerden sowie meine interne Diagnose dem Dozenten vorgetragen, und ihn um Meinungsäusserung und Rat gebeten. Nach einer gründlichen Fachuntersuchung, ohne etwas weiter gefragt zu haben, sagte er : ,Sie haben bisher zwei Spezialisten besucht. Der eine hat sich so, der andere wieder anders geäussert, und jetzt sind Sie neugierig, was ich Ihnen sagen werde.' ,So ist es' — antwortete ich. ,Nun — setzte er fort —, über diesen schweren Kehlkopfkatarrh kann ich aufgrund einer einmaligen Untersuchung keine endgültige Meinung sagen. Ich muss jetzt verreisen, um an einem Kongress teilzunehmen, aber in drei Wochen kehre ich wieder zurück. Bis dahin sollen Sie diese Kur durchmachen, die ich Ihnen jetzt vorschreibe, und dann suchen Sie mich bitte wieder auf. Da setzte er sich an seinen Schreibtisch und begann zu schreiben, während der Patient ihm gegenüber Platz nahm. Bald ergriff der Kranke das Wort : ,Bitte, Herr Dozent, darf ich jeden Abend ein Glas Wein trinken ?' Dr. Némái blickte überrascht auf ihn ; ,Niemand in der Welt darf das tun. Warum würden Sie eine Ausnahme bilden ? Vielleicht weil Sie heiser sind ? Nun weiss ich schon alles. Sie sind ein Alko­holist ! I ! Wenn Sie mit dem Trinken nicht aufhören, so werden Sie Ihre Stimme vollkommen verlieren, gleich, auf welche Art Sie auch behandelt werden.' Nach unserem Abschied hat der Kranke mir im Treppenhaus indigniert Vorwürfe gemacht, weil er von Dr. Némái als ein Alkoholist bezeichnet worden ist. Der Fall beendete auf eine unvergessliche Weise : der Kranke wurde nach drei Wochen von seiner Frau totgeschossen, weil er durch seinen Alkoholismus das Fa­milienleben, sowie den finanziellen und sozialen Zustand der Familie zugrunde gerichtet hatte," Im Budapester Universitätsalmanach wird er noch 1941, also 79 Jahre alt, als Privatdozent erwähnt, jedoch wird für ihn kein Praktikum mehr ausgeschrie­ben. 1937 hatte Dr. Némái sein fünfzigstes Doktorjubiläum gefeiert, immitten von Freunden, Kollegen, Schülern usw., die dem ältesten Dozenten der Universität Budapest ihre Verehrung bekundeten. Bald kamen schlimme Zeiten, Dr. Némái und seine Tochter Elsa, nach ihrer Ehescheidung immer neben dem alten Vater geblieben, mussten etwa 1942 aus finanziellen Gründen ihr Heim in der Jókai-utca verlassen und in eine sehr bescheidene Wohnung übersiedeln, wo sich dem alten Arzt keine Möglichkeit mehr bot, die Praxis auszuüben, sodass er als Gast eines befreundeten Arztes in dessen Ambulatorium weiter praktizierte, bis dann die Judenverfolgung ein­brach. Vater und Tochter mussten auch die bescheidene Wohnung räumen und in einer noch bescheideneren, in der Izabella-utca, im unterdessen eingerichte­ten Ghetto leben. An einem Morgen kamen einige bewaffnete Männer ins Haus und befahlen allen Männern im Hause, im Hof in Reihe und Glied anzutreten. Die Bewohner wurden körperlich durchgesucht und einer jener Unwürdigen fand in Dr. Némais Tasche Arzneien, die er selber zu nehmen pflegte, er war

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