Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)

FORUM - Semmelweis kórtörténetének nyomában — Bécs és Budapest levelezése (magyar, angol és német nyelven)

Darvas behauptet übrigens auch, daß nicht nur die Krankengeschichte existierte, sondern auch das Protokoll des ärztlichen Konsiliums, das Balassa, Wagner und Bókai im Juli 1865 am Krankenbett von Semmelweis gehalten haben. Dies wäre eine Schrift von außerordentlicher Wichtigkeit, denn aus ihr würde hervorgehen, wofür die drei Wissenschaftler die Krankheit Semmelweis' hielten, warum sie seine Überführung nach Wien beschlossen und ob sie die auf der Hand liegende Verletzung bemerkt hatten. Bedauerlicherweise ist es auch nicht gelungen, dieses angeblich vorhandene Dokument zu beschaffen, und selbst das wissen wir nicht, wo Darvas auf seine Spur gestoßen ist — wenn er auf dessen Spur gestoßen ist. Er fand jedoch eine interessante Angabe, deren Fundort er zwar nicht verriet, deren Inhalt er jedoch wenigstens mündlich mitteilte. Es handelt sich um einen Zeitungsartikel, der kurz nach dem Tode von Semmelweis in einer Pester Tageszeitung erschienen ist und, rundheraus gesagt, vom „Wahnsinn" Semmel­weis' spricht. In Pester Kreisen — so der Artikel — flüstere man sich zu, das Professor Semmelweis wahnsinnig geworden sei. Die Nachricht ist leider wahr. Wenige Wochen vor seinem Tod geschah es — fährt der Verfasser des Artikels fort — daß der Professor zu einem Universitätsrigorosum erwartet wurde, indes nicht erschien. Endlich schickte man nach ihm. Als der zerstreute Professor erschien, begann man zu prüfen, doch Semmelweis stellte so unverständliche Fragen und legte ein so konfuses Verhalten an den Tag, daß die Prüfung ab­gebrochen werden mußte. Semmelweis verließ dann fluchtartig das Univer­sitätsgebäude; seine Freunde fanden ihn im Tunnel, beruhigten ihn und be­gleiteten ihn nach Hause. Dann erfolgte seine Überführung in die Wiener Irrenanstalt. Soweit der Zeitungsartikel. Wir haben nichts hinzuzufügen; die zweifelhafte Mitteilung ist nicht dafür geeignet, daß wir ihr Tatsachenmaterial zum Gegen­stand der Kritik machen, dafür indes, daß wir ein Bild von der zeitgenössischen öffentlichen Meinung bekommen. Hier sei noch von einer besonderen Rückerinnerung berichtet. Im 1890er Jahrgang von „Gyógyászat" (Heilkunde) teilt ein „früherer Medikus" seine Erin­nerungen aus der Zeit mit, als er an der Universität Semmelweis hörte, und Zwar in der letzten Zeit des Wirkens von Semmelweis. Er schreibt, daß die Studenten die Wissenschaft unter sehr primitiven Verhältnissen in sich einsogen und sehr gern im gegenüberliegenden Kaffeehaus „Goldener Adler" weilten, anstelle die Vorlesungen zu besuchen. Auf Semmelweis warteteten sie jedoch mit Begeisterung, da sich die Nachricht verbreitet hatte, daß „er einer der Lehrer der neuesten Schule werde, der verstehen wird, wie die Wissenschaft grundlegend reformiert werden muß — obwohl die Studenten zu jener Zeit noch nicht wußten, was das sei, was zur Reform drängte. "

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