Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)

FORUM - Semmelweis kórtörténetének nyomában — Bécs és Budapest levelezése (magyar, angol és német nyelven)

Schriftstücke befinden, die die Existenz der Krankengeschichte ohne jeden Zweifel beweisen, doch selbst durch die Einschaltung hoher Foren sei es ihm nicht gelungen, in den Besitz des Originaltextes zu gelangen, ja selbst Einblick in den Text der Krankengeschichte zu gelangen, sei ihm nicht gelungen. Und da er selbst bei ungarischen Historikern hinsichtlich dieser wichtigen Nach­forschung kein Verständnis fand (bzw. sie ihm einfach keinen Glauben schenk­ten), ist Darvas nicht gewillt, den Fundort des Dokumentes preiszugeben.* So nimmt das Semmelweis-Geheimnis immer kompliziertere Formen an. Wenn also eine Krankengeschichte existiert, warum wird sie im Geheimen aufbewahrt, von wem und wo ? Cui prodest ? — fragt in solchem Falle der Jurist. In wessem Interesse liegt es, die Krankengeschichte zu verbergen? Angesichts soviel Unsicherheit — es ist nicht sicher, ob es sie gibt, doch wenn es sie gibt, warum gibt es sie dennoch nicht? — erfordert es auch einigen Mut, Hypothesen aufzustellen. Dennoch will ich dieses Risiko eingehen. Wenn eine Krankengeschichte existiert, die man jedoch nicht an die Öffentlich­keit bringen will, kann ich hierfür nur einen Grund annehmen: daß man sich des Inhalts schämt. Doch welchen Inhalts? Der Geisteskrankeit Semmelweis' haben sich die ausländischen Ärzte seit hundert Jahren nicht geschämt, warum sollten sie es heute tun? Sie könnten sich nur ihres eigenen Verhaltens schämen bzw. dessen, daß aus der Krankengeschichte ersichtlich wird, wie schlecht man Semmelweis behandelt hat und wie wenig man sich überhaupt um ihn geküm­mert hat. Doch hätten sie überhaupt etwas tun können? Sie hätten es ganz gewiß. Selbst wenn wir die ganz und gar unwahrscheinliche Hypothese glauben würden, daß der Brustkorbabszeß und die zahlreichen über den ganzen Körper verteilten Wunden tatsächlich eine Übertragung waren und nicht eine Folge der brutalen Behandlungsweise, selbst dann hätte der Versuch unternommen werden müssen, die Abszesse durch chirurgische Eingriffe zu öffnen. Gyula Regöly-Mérei weist darauf hin, daß dies das zu jener Zeit in solchen Fällen angewandte ärztliche Verfahren war, und fährt dann fort: „Im Fall von Semmelweis ist dies nicht geschehen. Es ist beinahe unverständlich, warum an dem von Professor Mildner geleiteten Wiener Institut für Geisteskrank­heiten die notwendige Operation an dem ihrer Sorge anvertrauten Kranken nicht durchgeführt worden ist — der dazu noch ein Kollege war, ja selbst Professor einer anderen Universität —, während sich vor den Augen der dortigen Ärzte die tödliche Sepsis bildete. Durch das Versäumnis der Operation wurde jede Möglichkeit hinfällig, daß Semmelweis hätte geheilt werden können."** Aus diesem Grunde haben die Wiener Grund, sich zu schämen; und wenn sich die ganze Krankengeschichte als wahr erweist, erhält Darvas aus diesem Grunde von denen, die die Krankengeschichte in ihren Geheimarchiven auf­bewahren, keine Antwort. * Persönliche Mitteilung. ** Gy. Regöly-Mérei S. 75.

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