Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 46-47. (Budapest, 1968)
TANULMÁNYOK - Regöly-Mérei Gyula: Etikai és morális elemek Semmelweis életművében (Német nyelven)
Der am meisten Leidenende, der in der grössten Gefahr Schwebende hat den Vorrang vor allen übrigen, er sei übrigens wer er wolle". Das Verhältnis zwischen Arzt und Kranken ist etwas ganz Besonderes, es handelt sich nicht nur um den Erkrankten und um den Fachmann; nein!, der Hilfesuchender und der Hilfeleistender stehen nebeneinander. Die Forderung des Claude Bernards [7] lautet, der Kranke fühle bei jedem Krankenbesuch, dass sich der Arzt zu dieser Zeit nur seiner Persönlichkeit widmet, er bedeutet nicht im allgemeinen einen der Kranken, alles dient nur einem Ziel, seine aktuelle Erkrankung zu heilen. Das Erkennen des Krankhaften genügt natürlich meistens zur sicheren Diagnose. A. Korányi [8] betont jedoch mit Recht, dass die psychische Eigenschaften des Kranken auch zum Krankheitsbegriff gehören, alldas, was der Kranke über seine Erkrankung eben denkt oder befürchtet. Es handelt sich ja wahrhaft nicht über einem „schönen", „interessanten" oder nur „alltäglichen" Fall, es handelt sich um einen dem Arzt gleichgestellten Menschen, deren Tugenden und Fehler durch seine menschliche Natur bedingt sind, und der infolge seiner aktuellen psychischen Betroffenheit zwischen Hoffnung und Kleinmut schwebt. Grosser Arzt und geschuhlter Fachmann der Medizin sind nicht dieselben Begriffe. Ohne die erwähnten Eigenschaften konnte man ja auch ganz hervorragende Fachkenntnisse haben, und einen wohlklingenden Namen oder auch eine grosse Praxis sich erwerben. Es würde nur das zusammenhaltende Band, das Wesen und der innere Inhalt der ganzen Heilkunde fehlen, denn eben Ethos bindet Menschen und Medizinwissenschaft zur lebenden und untrennbaren Einheit. Ohne Ethos könnte man auch die moralische Höhe eines Semmelweis' nicht überblicken, denn nicht nur ärztliche Pflicht, sondern Menschenliebe und das Mitleid des Arztes motivieren seine Worte [9] : „man müsste manchmal herzzerreisende Scenen mitansehen, wenn Individuen knieend und die Hände ringend um ih e Wiederentlassung baten, welche auf die zweite Abteilung zur Aufnahme gehen wollten. .. Wöchmer innen mit unzählbar-en Pulsschlägen, meteor istisch aufgetriebenen Bauche, trockener Zunge, d. h. am Puerperalfieber schwer Erkrankte, betheuerten wenige Stunden vor dem Tode, vollkommen gesund zu sein. .." Ist Heilkunde auch Kunst, wie das Hippokrates [3] dachte, oder bloss ein Zweig der Wissenschaften? Eine Frage, über die schon viel diskutiert wurde. Jede Krankheit bringt mit sich Symptomen als Folgen des krankhaften Geschehens. Die Gestaltung dieser Erscheinungen steht aber auch mit der momentanen Reaktionsfähigkeit des Organismus im engen Zusammenhang. Nehmen wir als Beispiel das Krankheitsbild einer Pneumonie oder einer eiterigen Entzündung. Wie anders gestalten sich die Symptomen, oder der ganze Ablauf bei Fällen von Normergie, und wie anders wenn eine Hyperergie oder sogar eine Hypergie besteht. Anderweitige Erscheinungen können die charakteristischen Anzeichen einer Erkrankung unterdrücken, möge sich nur ein einziges Glied der logischen Kette lockern, und schon sind die Konsekvenzen in therapeutischer und prognostischer Hinsicht unüberbrückbar. Die Krankheit ist eine Erscheinung des lebendigen Stoffes, die Psyche ist aber auch ein Be-