Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 43. (Budapest, 1967)
Tanulmányok — Közlemények - D. Tutzke: Die Auswirkungen der Lehre von Semmelweis auf die öffentliche Gesundheitspflege
fieber der wenig bezeichnende Name für eine Gruppe von Krankheiten, deren Wesen noch dunkel ist. Die Anschauung von Semmelweis über den Zusammenhang von Kindbettfieber und kadaveröser Infektion hat sich nach Pappenheims Meinung als unhaltbar erwiesen. Trotzdem gesteht er Semmelweis das Verdienst zu, als erster auf diese mögliche Krankheitsursache aufmerksam gemacht zu haben, er erklärt jedoch in gleichem Atemzuge das Waschen mit Chlorlösung für unzureichend und glaubt, daß einfaches Waschen aund Kleiderwechseln die einzigen Maßnahmen seien, die Berücksichtigung verdienten [14]. Im Jahre 1901 schrieb dagegen der Medizinalbeamte Paul Schenk: ,,In der Erkenntnis des Kindbettfiebers ist in dem halben Jahrhundert seit 1847, wo der geniale Semmelweis die Natur desselben ergründete, ein wesentlicher Fortschritt kaum zu verzeichnen. Dennoch haben sich die Erkrankungs- und Sterbefälle an Kindbettfieber ganz wesentlich vermindert und sinken noch immer dort, wo aus den grundlegenden Anschauungen von Semmelweis die richtigen Folgerungen gezogen werden". [16] Was hatte sich also in der Zeit zwischen dem Erscheinen von Pappenheims Handbuch und der Veröffentlichung von Schenks Artikel geändert? Die Lehre von Semmelweis hatte ihren Niederschlag in der öffentlichen Gesundheitspflege gefunden, was ich an Hand von vier Kriterien darlegen möchte. Als erstes Kriterium sei die Statistik des Puerperalfiebers herausgestellt; denn im Gesundheitswesen bilden statistische Analysen die unerläßliche Grundlage sowohl für den Erlaß von Maßnahmen, als auch für die Kontrolle ihrer Durchführung, Statistische Angaben über gehäuftes Auftreten von Kindbettfieber sind so alt, wie es Gebäranstalten gibt. Die ersten Daten über puerperale Mortalität, stammen daher schon aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Gros derartiger Statistiken geht jedoch auf das späte 18. und auf das 19. Jahrhundert zurück. August Hirsch hat aus der Literatur nicht weniger als 288 Kindbettfieber-Epidemien zusammengetragen, die sich zwischen 1664 und 1879 in den verschiedensten Städten bzw. Ortschaften Europas und Amerikas ereigneten. Darunter findet sich auch eine kleinere Zahl von Epidemien, von denen teils vereinzelt, teils überwiegend, teils ausschließlich Hausentbundene betroffen wurden [6].