Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 43. (Budapest, 1967)

Tanulmányok — Közlemények - Erna Lesky: Ignaz Philipp -Semmelweis und die Wiener medizinische Schule

spezifisch österreichischer Form, dass er sich nicht ohneweiteres erschliesst. Nur so ist es erklärlich, dass bisher die Beziehung des Falles Semmelweis zur gleichzeitig sich abspielenden Unterrichts­reform noch nicht hergestellt wurde. Um diese zu verstehen, müs­sen wir in erster Linie wissen, was diese Reform weggeräumt hat: um es mit einem Worte zu sagen — die seit der absolutistischen Ära bestehende, völlig veraltete Fakultätsverfassung. In ihr spielte der Vizedirektor des medizinischen Studienwesens die Hauptrolle. Ihm war alle Amtsgewalt, alles Bevormundungsrecht über die Professoren übertragen. Nun war freilich bereits in der Märzrevolution des Jahres 1848 die Abschaffung dieses Amtes verkündet und das Recht auf Selbstverwaltung grundsätzlich den Professoren zugesprochen worden. Aber diese Unterrichtsreform wurde erst im Gesetze des Ministers Leo Grafen Thun-Hohenstein vom 30. September 1849 rechtskräftig. Semmelweis hatte das Unglück, dass die Verhandlung seiner Angelegenheit gerade in diese Uebergangszeit fiel, in der das mit allen Bevormundungsrechten ausgestattete Amt eines Vize­direktors noch provisorisch weiter bestand. So kam in dieser Situa­tion zwischen Gestern und Morgen alles darauf an, wer dieses Amt zu verwalten hatte. Als es der Okulist Anton von Rosas am 30. Dezember übernahm, kam mit ihm noch einmal ein Träger absolu­tistisch-reaktionärer Gesinnung zur Macht. Gegen diesen Mann hatten Skoda und die fortschrittlich gesinnten Professoren das ihnen bereits zugesprochene Recht auf Selbstverwaltung zu vertei­digen, ein Recht, mit dem die Angelegenheit Semmelweis seit Jänner 1849 sich in untrennbarer Weise verband. Es ist eine selt­same Fügung der Geschichte, dass dieser Mann des Gestern, der sich eindringender Betrachtung als der eigentliche Träger des Wi­derstandes gegen Semmelweis enthüllt, der in Pécs in Ungarn gebo­rene Rosas, ein Landsmann von Semmelweis, gewesen ist. Schon im Jänner 1849 hatte er es verstanden, das Kollegium in zwei Gruppen zu spalten: in seine eigene, der auch Klein, der Chef Semmelweis', angehörte, und in die Reformergruppe um Skoda, die gegen jene den Kampf um die Verwirklichung der Hochschulautono­mie begann. In dieser von Spannungen geladenen Atmosphäre kam die Angelegenheit Semmelweis von zwei Seiten her zu Debatte: einmal stellte Skoda einen Antrag auf Einsetzung einer Unter-

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