Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 14. (Budapest, 1959)
Ákos Palla: Sibilla unguentaria im Lichte der neuesten Forschung
Die aus dem Muade Mommsens verklungen Meinung die Sibillentafcl sei eine Fälschung, war vor Korbuly niemand geneigt zur Kenntnis zu nehmen. Es mag sein, dass der C. I. L. nicht bekannt war, im Falle von Ernyei ist aber dies ausgeschlossen. Unseres Erachtens findet alldies seine Erklärung darin, dass die in der Bronzetafel enthaltene Mitteilung, eine Botschaft aus frühen Jahrhunderten, nunmehr auch fachlich hochgehalten wurde, oder dass man etwa nicht geneigt war der Ansicht Mommsens sich anzuschliessen. Darum wurde diesem Fund besondere Bedeutung zuerkannt und darum wagte man sich an Sibilla, die Urahne der Kräuterweiber und Apothekerinnen, die der Wissenschaft vom ungarischen Boden her bekannt geworden, nicht heran. Hierauf ist es dann zurückzuführen, dass József Révay 17 in seinem volkstümlich geschriebenen Werk folgendes schreibt: „Auch in den Provinzen gab es neben Ärzten auch Kurpfuscher, ebenso wie in Rom und überall auf der ganzen Welt. Der dem Aberglauben mehr ergebene Teil der Menschheit nahm den geheimnisvollen Hokuspokus, die Beschwörungen, Zaubereien und das Hexengemengsel lieber in Anspruch, als die Hilfe der Wissenschaft. Aus dem Donaugelände ist uns der Name einer Wahrsagerin bekannt, hier gilt fürwahr das Wort: „nomen est omen": sie hiess nämlich Sibilla. Eine Aufschrift berichtet darüber, sie habe ein Medikament, namens Crocomagma verkauft die Ärzte wissen noch nicht Bescheid darüber; dem Namen nach war es wohl irgendein Safrangebräu. Sieh da, schon im Altertum hatte man sich ungern der Hülfe von Ärzten bedient, man wandte sich eher an Kurpfuscher, man suchte die Kräuterfrau auf, benützte tausende von Hausmitteln; für alldas haben wir literarische Belege". In Berücksichtigung des bisher Gesagten darf festgestellt werden, dass die wissenschaftliche Autorität von Ernyei ihm vor allen Forschern der Medizin- und Pharmaziegeschichte einem unzerstörbaren Nimbus verlieh, man wagte nicht vorauszusetzen, er dürfte sich geirrt haben.