Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 13. (Budapest, 1959)
Dr. RAFFY ÁDÁM: Vesalius és kora
sehen Zeit. Welch grosser Reichtum des schöpferischen Geistes, welch verschwenderische Fülle des Olymps! Wieviel Kühnheit, wieviel beschwingter Heroismus, wieviel himmlische Heiterkeit, Schönheit und wieviel — Blut!... Die Entdeckung neuer Welten, die Adoptierung neuer Menschenrassen, das Bestaunen uralter Kulturen, und dann die Bauernaufstände, des Duldens überdrüssige Forderungen nach den von altersher eingefleischten Menschenrechten des Individuums melden sich. Schon aus einigen Namen, flüchtig hingeworfen, ergiesst sich eine Lichtflut über dieses mit Wundern schwangere Zeitalter: Raffael, Lionardo, Michelangelo, Tizian; und sodann die welterschütternde lutherische Revolution, das anglikanische Skizma, der lichtspendende Hugenottismus, die Feder eines Eramus, deren Tintenstrom zum Meer des Humanismus herangeschwollen war. Kopernikus, der mit einem einzigen Geelanken die bereits erwähnte Theorie des Aristarchos zu neuem Leben zu erwecken, abzurunden und wissenschaftlich nachzuweisen vermochte. Diese unendliche Welt fand ihren Genius in Giordano Bruno, und die von ihm entdeckten Gesetze hat dann sein Schüler: Galilei kodifiziert. Inmitten dieser Wunder erblickte Vesalius das Licht der Welt! Wie seinen Zeitgenossen war auch ihm der ungeheuere Widerspruch zwischen spekulativer Wissenschaft und Wirklichkeit jäh bewusst gew r orelen. Ich wage die Behauptung, dass seine Grösse nicht in seinen Entdeckungen zu suchen sei. Den gleichsam hellseherischen Blick des Entdeckers lenkt die aufflammende Intuition zur Erkenntnis der Wahrheit hin. Nicht Zielbewusstheit, nicht geistige Grösse beziehungsweise Bildung sind es, vielmehr nicht selten der Zufall oder die Erleuchtung eines Cartesius weisen ihm den richtigen Weg. Meine geistesgeschichtlichen Ausführungen erschienen mir darum für notwendig, um diesen umfassenden Masstab an das Lebenswerk von Vesalius und seine Bedeutung anlegen und aus dieser höheren Warte über seine Teilerfolge wie etwa die Entdeckung der Vena azygos oder des Corpus luteum hinausgreifen zu können. Die menschliche Grösse Vesalius äussert sich in seinen Enteleckungen nur in zweiter Linie. Seine wirk-