Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 13. (Budapest, 1959)

Dr. RAFFY ÁDÁM: Vesalius és kora

in theoretische Einseitigkeit versunken. Diese Erscheinung ist für das Mittelalter bezeichnend. Nach einer letzten, globalen Glückseligkeit oder Ursache forschend wandte man sich von der Erde ab, es wurde die Unendlichkeit gesucht, und was man hier auf der Erde nicht gefunden, das wurde ausserhalb ihrer und in die Zukunft verlegt, somit dem Gedanken Raum und Zeit, d. h. die irdische Unterlage der Wirklichkeit entzogen. Zur Zeit dieses wissenschaftlichen Nihilismus wurde der Licht­strahl Alexandriens und mit diesem die Anatomie verschüttet. Der Gedanke verbarg sich in den Schlupfwinkeln der Schädel­knochen, die Schönheit schämte sich ihrer selbst, wie eines Las­ters, und in diesem von Wortfetischen wirregewordenen Zeit­alter heult der Mensch seine Mitmenschen — in Namen jen­seitiger Ideale, der Nächstenliebe, — mit den Wölfen an — homo homini lupus ... Aber die un vers wüstliche Fülle des Lebens schreibt die Ge­setze der Dialektik nicht nur vor, sie befolgt sie auch. Unter dem starren, unbeugsamen, bewegungs- und veränderungs­feindlichen Druck des Mittelalters legt die Lebenskraft Breschen in seine Mauern, erweitert sie und öffnet die Tore dem Licht und der Schönheit. Dem Gesetz des ,,sub pondere ereseit..." gehorchend tat sich die Renaissance vor ihnen auf. Zunächst nur in der Gestalt tastender Versuche der schönen Literatur, der ritterlichen Liebesromantik. Sodann in der Architektur, im spielerisch Erfinderischen, im himmelanstrebenden Frei­heitsdrang, im sehnsüchtigen Schwung des menschlichen Geis­tes, im Drange nach Reinheit und Luft, in der Gotik. Während das Mittelalter eine Vorbereitung ist auf das jen­seitige, in himmlische Höhen verlegte Leben, somit die Miss­achtung irdischer Wirklichkeit und Individualität, eine Schat­tenwelt-Philosophie, tyrannische Oberherrschaft der Seele über den sterblichen und verwesenden Körper, des Vorrechts spiri­tualer Schwärmerei und der Bedrohung mit der Hölle körper­licher Freuden, •— wendet die Renaissance, vom Pulsschlag des Lebens durchglüht, den Blick auf die Erde. Und als ob es nur ein beim Erwachen in nichts zerstobener Alpdruck gewe­sen wäre, reckt sich der Geist hoch und wendet sein Antlitz

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