Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 3. (Budapest, 1956)
Prof. FRANZ KISS: Stephan von Apáthy als Neurolog
Apáthy verdient auch auf dem Gebiete der Entwicklungsgeschichte entprechend gewürdigt zu werden. Er stellte Untersuchungen über die Gesetze der Entwicklungsgeschichte nicht nun in der Entwicklung des Individuums und der Rasse an. sondern übertrug die Grundgesetze der Entwicklung auch auf das Gebiet des sozialen Lebens. Heutzutags steht das Thema der sozialen Entwicklung auf der ganzen Welt im Vordergrund des Interesses, damals gehörte aber ein grosser Mut dazu, gerade unter unseren zurückgebliebenen sozialen Verhältnissen ein solches Problem zu erörtern. Schon während seiner Studentenjahre veröffentlichte Apáthy ein kleines Heft („Weg zu dem Hafen". Klinische Bilder, 1884), in dem er sich mit dem damaligen sozialen Verhältnissen und mit dem Problem der Armut befasste. So ist es zu verstehen, das er sich parallel seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch als grosser Soziologe entpuppt hat. Mit einigen Freunden von ähnlicher humaner Gesinnung stellte er für die armen Studenten zu Kolozsvár eine billige Mensa auf; später stiftete er ein modernes Kollegium, das auch heute noch den dortigen Studenten grosse Dienste leistet. Apáthy sah die vielen Mängel und Fehler der politischen Führung in Wien und Budapest und da er deren gefährliche Folgen mit Recht befürchtete, versuchte er, als Patriot, auch auf politischem Gebiet seinem Vaterlande zur Hilfe zu kommen. Wie in seiner Fachwissenschaft, der Neurologie, so war er auch auf politischem Gebiete mit seherischer Kraft begabt, da er behauptete, dass in der politischen Leitung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und von Ungarn Reformen eingeführt werden müssen. Deshalb war er sein Leben lang stets oppositionell gesinnt gegenüber der politischen Leitung in Budapest und Wien. Sein Grundsatz war, dass sowohl in dem individuellen, wie auch im sozialen Leben die Entwicklung mit der Existenz untrennbar verflochten ist. Vor dem ersten Weltkrieg lebte in vielen von uns die Ahnung, dass eine noch unbekannte Umwälzung vor der Tür stehe, doch keine der leitenden Persönlichkeiten ahnte weder die Auf-