H. Kolba Judit szerk.: Führer durch die historische Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums 2 - Von der Staatsgründung bis zur Vertreibung der Türken - Die Geschichte Ungarns im 11.-17. Jahrhundert (Budapest, 1997)
SAAL 7 - Siebenbürgen und das königliche Ungarn (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) (Judit H. Kolba)
SAAL 7 Siebenbürgen und das königliche Ungarn (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) Im Frieden von Adrianopel 1568 und von Speyer 1570 hatten Maximilian I. und Johann Sigismund die Grenzen des dreigeteilten Landes und das Verhältnis der Landesteile zueinander bestimmt. Der unter türkischer Oberhoheit stehende mittlere Landesteil, das unter Lenkung der Habsburger befindliche westliche und nördliche Gebiet das königliche Ungarn - sowie das zum Symbol des unabhängigen Ungartums gewordene Fürstentum Siebenbürgen waren unterschiedlich eingerichtet. Von diesen drei Teilen machten die Herrscher Siebenbürgens mehrfach Versuche, zumindest Siebenbürgen und das königliche Ungarn zu vereinigen. Bei der Neuordnung des Schicksals der Ungarn erzielten die Fürsten Siebenbürgens mehrere Erfolge im 17. Jahrhundert, besonders dann, als sie auf der Seite der Habsburg-Gegner in den Dreißigjährigen Krieg eingriffen. DIE REFORMATION IM 17. JAHRHUNDERT Eine der stärksten Klammem zwischen den drei Landesteilen war die Religion: In der Mitte des 16. Jahrhunderts eroberten die drei Richtungen der Reformation (lutherisch, kalvinistisch, unitarisch) einen großen Teil der Bevölkerung. Siebenbürgen stand bei der Verwirklichung der religiösen Toleranz in Europa an der Spitze: Schon auf dem Landtag von Torda (Turda) 1557 wurde deklariert, „jeder soll in dem Glauben leben, in dem er will". 1571 wurde ein Gesetz über die freie Religionsausübung der vier rezipierten Konfessionen Katholiken, Lutheraner, Kalvinisten und Unitarier (Dreieinigkeitsverweigerer) verabschiedet. Die liturgischen Gegenstände der protestantischen Kirchen waren von puritanischer Einfachheit. Man verwendete unverzierte oder nur mit Bibelzitaten versehene Kelche und Brotverteilteller. Einzelne Gemeinden besaßen zahlreiche weltlich geformte, reich reliefierte oder gravierte Humpen und Pokale, die Geschenke reicher Hochadliger oder Bürger. Die schlanke Kanne aus der reformierten Kirche von Csenger an der Westgrenze Siebenbürgens, aus dem sog. Partium, ist ein typischer Vertreter der Kirchengefäße der Zeit. In den protestantischen Kirchen benutzte man auch viele Zinngefäße Kannen, Brotteller und Kelche. Reich verziert sind die bestickten Decken für den Altar oder Tisch des Herrn, welche die Spender mit der sog. Adelsstickerei, gestaltet aus Renaissanceblumen, versahen. Auf Batist oder Leinen wurden zwischen die Blumensträuße mit Ranken in den Ecken der Name des Herstellers, die Jahreszahl der Stickerei und Bibelzitate gestickt. Auf dem Kelchtuch (Abb. 57) mit Adelsstickerei verweisen die Wappen von Siebenbürgen und der Familie Lorántffy auf den Stifter. „SIEBENBÜRGEN BEGINNT ZU STRAHLEN UNTER DEN MÄCHTIGEN EUROPAS" Die Geschichte Siebenbürgens im 16.-17. Jahrhundert läßt sich durch die Geschichte seiner Fürsten zusammenfassen. Aufgrund der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beginnenden bewußten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Maßnahmen der Fürsten wurde Siebenbürgen zum wirksamen Wortführer und zur Stütze der ungarischen Interessen. Durch die vorteilhaften Beziehungen zum türkischen Sultan konnten sie eine fast vollständig unabhängige Innenpolitik treiben. István Bát höri (1571-1586) war der erste gewählte Fürst, der schon mit türkischer Genehmigung den Thron bestieg. Seine geschickte Politik gewann auch die Sympathie der Polen, so daß sie statt Kaiser Maximilian von Habsburg ihn zum polnischen König (1576-1586) wählten. ZsigmondBáthori (1581-1602) wählte im Fünfzehnjährigen Krieg das Habsburger-Bündnis gegen den Türken, war aber nur kurze Zeit ein nützlicher Bundesgenosse.