Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Schmuck

in Mode gewesene nordbalkanische Schmuckform dar. 766 Die ältesten Kaurischneckenfunde im Karpaten­becken kamen aus den Bestattungen der Siebenbür­gen-Gruppe zum Vorschein. 767 Diese können auf Grund des im Grab 6 von Budesti - Fînate gefundenen sternförmigen Bronzeknopfes, sowie der im Grab 3 von Märiselu gefundenen Bronzefibel mit schildför­miger Fußplatte in die erste Hälfte des 7. Jh. v. Chr. datiert werden. 768 In den Gräberfeldern der Alföld­Gruppe kommen Kaurischnecken in sehr unter­schiedlichen Mengen vor. Die meisten Exemplare be­fanden sich im Grab 71 von Szentes-Vekerzug, in einem Grabfund von Mezőtúr, und in einem von Medgyesháza (40, 50 bzw. 14 Stück). Aber im Allge­meinen kamen eine bis sechs, sieben Kaurischnecken in je einem Grab vor. Unter den Gräberfeldern mit re­lativ großer Gräberzahl wurden im Gräberfeld von Szentes - Vekerzug viele Kaurischnecken gefunden, während im Gräberfeld von Chotin insgesamt 12, im von Tápiószele nur ein Stück (Grab 340), im Gräber­feld von Sanisläu keins zum Vorschein kamen. Die Ursache dafür liegt vermutlich darin, dass die Kaur­ischnecken in der ersten Hälfte der Skythenzeit in die Tiefebene gebracht wurden. Und in der zweiten Hälfte der Periode waren die als Grabbeigaben verwendbaren Stücke an bestimmten Orten, bei einzelnen Gemein­schaften schon aus. Eine so schnelle Veränderung in der Glaubenswelt der Bevölkerung, die zum Verlieren der mit den Kaurischnecken verknüpften Vorstellun­gen geführt hätte, scheint unwahrscheinlich zu sein. Wie die Fundorte im Karpatenbecken bezeugen, schafften das Volk der Siebenbürgen-Gruppe und das der Alföld-Gruppe die Kaurischnecken an. In Trans­danubien gibt es Kaurischnecken auch im Fundgut einiger Bestattungen der Hallstattkultur. Aus dem Grab 29 im eisenzeitlichen Gräberfeld von Sopron ­Krautacker kamen 28 Stück Kaurischnecken zum Vorschein, die mit einem Bronzespiegel mit Eisengriff und mit Haarringen vergesellschaftet waren. 769 In die­sem Gräberfeld gibt es noch Kaurischnecken auch un­ter den Beigaben der Gräber 1.13.18. 770 Die in kelti­schen Gräbern im Karpatenbecken 771 und in Mit­teleuropa 772 gefundenen Kaurischnecken zeugen von früheren - späthallstattzeitlichen - Kontakten dieser Gebiete mit der Tiefebene. Kaurischnecken wurden zu verschiedenen Zeiten, in riesengroßen Gebieten, in den verschiedenen Teilen 766 SÎRBIU / NICULTÄ / VANCIUGOV 2000, 89. 767 Blaj, Budesti-Fînate, Märiselu, Ozd, Simeris: VASILIEV 1980, Taf. 16, 6. 768 MARINESCU 1984, 56. Abb. 5, 61. Abb. 10.. 769 JEREM 1981b. 115. Abb. 7. 770 JEREM 1981a, 217. Taf. 3. des Fernen Ostens, von Indien, von Afrika als Zah­lungsmittel, Schmuck, Amulette verwendet. In der Vorskythen-, Skythenzeit kann von den letzten zwei Funktionen die Rede sein. Wenn man vor Augen hält, dass sie nur durch die Vermittlung des Fernhandels angeschafft werden konnten, können sie nicht für gewöhnliche Warenartikel gehalten werden. Sie waren lieber deshalb begehrt und wertvoll, weil man ihnen die besonderen Eigenschaften der Unheil vorbeugen­den Mittel, der Talismane zuschrieb. Die meisten Kaurischnecken kamen aus jenen skythenzeitlichen Bestattungen im Karpatenbecken zum Vorschein, in denen sich die Skelette in gestreck­ter Rückenlage befanden. Die Kaurischnecken waren in neun Gräbern die Beigaben von Skeletten in Hok­kerlage, in vier Fällen die Beigaben von Pferdebestat­tungen. Sie kamen in Brandgräbern nur sehr selten vor. In Männergräbern wurden Funde dieser Art nur in vier Fällen gefunden. Die meisten kamen als Beigaben von Frauenbestattungen oder Kindergräbern vor. Als typisches Beispiel dafür kann hier das Gräberfeld Szentes - Vekerzug angeführt werden, wo Kauri­schnecken in den meisten Fällen neben Frauenskelet­ten in gestreckter Lage vorkamen (11 Bestattungen). Auf Funde dieser Art stieß man noch in einem Grab neben einem Frauenskelett in Hockerlage, sowie in zwei Brandbestattungen von Frauen. Es gab je eine Kaurischnecke auch in zwei Pferdebestattungen (Grab 139 und Grab 146). Im Kaipatenbecken befinden sich Kaurischnecken aus historischen Zeiten nur unter den Denkmälern der Völker östlichen Ursprungs. Nach der Zeit der Alföld­Gruppe wurden Kaurischnecken in den Bestattungen der Völker der Sarmaten, Awaren, dann im 10. Jh. der landnehmenden Ungarn, im 13. Jh. der Jassen unter­gebracht. 773 Es weist darauf hin, dass es solche Vor­stellungen in der uralten Glaubenswelt der Völker des Steppengebietes gab, die eine magische Kraft diesem Schneckengehäuse besonderer Form zuschrieben. Lößschneckenperlen Ihre Fundorte sind: Algyö Grab 45 (Taf. 1, 13), Tiszavasvári - Csárdapart Grab 48 (Taf. 124, 30), Békéscsaba - Fényes Grab 5, 774 Törökszentmiklós ­Surján Grab 100 (Taf. 129, 12), Piliny (Taf. 172, 10). Glazialzeitliche Schneckengehäuse, oder -schalen, die im Lößboden zu finden sind, verwendete man 771 Muhi, Radostyán: HELLEBRANDT 1999, Taf. 78, 16, Taf. 85, 3^1. 772 Aspcrg, Dürrnberg: PAULI 1978, 138. 773 KOVÁCS 1999/2001, 473. 774 PÁRDUCZ 1943, Taf. 8, 1.

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