Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Schmuck

Der bronzene Haarring mit Scheibenenden von Dolny Kubin wurde durch die mit ihm zusammen aufgefundene bronzene Zierscheibe und den rosetten­förmigen Bronzeknopf datiert, die in Mitteleuropa bzw. im Nordbalkan im 7. Jh. v. Chr. im Gebrauch waren. 687 Auch das Fundgut der Hügelgräber von Ferigile in Oltenien enthält bronzene Ringe mit Scheibenkopf. Das aus dem Hügel 20 zum Vorschein gekommene Exemplar wurde in die zweite Hälfte des 7. Jhs., das aus dem Hügel 80 in die zweite Hälfte des 6. Jh. v. Chr. datiert. 688 Die Mode von Haarringen mit Scheibenenden war nördlich, nordöstlich der Kaipaten verbreitet, wo Exemplare in großer Anzahl bekannt sind. 689 Die Brandschüttungsbestattungen-, die Urnen-, und Skelettgräber enthalten gleicherweise Haarringe. Die Mehrzahl der Exemplare mit Elektron-, Gold­blechüberzug ist aus Brandbestattungen zum Vor­schein gekommen, so bekommt man daraus keine An­gaben zur Tragart der Haarringe. Es wurden aber auch Gräber freigelegt, in denen entweder an der einen, oder an beiden Seiten des Schädels solche Schmuck­stücke sich befanden, die also vermutlich als Haarring, Lockenring getragen wurden. Es gibt mehrere anthro­pologische Angaben, die belegen, dass die Haarringe die Beigaben von Frauengräbern gewesen sind. Auch die mit den Haarringen zusammen zum Vorschein ge­kommenen Gegenstände zeigen, dass diese Schmuck­stücke zur Tracht von Frauen gehörten. Diese Bei­funde waren am häufigsten Tonstempel, Armringe: (Csanytelek-Tömörkényí Str. Grab 1: Taf. 13, 6-10, Gáva-Szincsepart: Taf. 18, 4-7, Orosháza-Gyopáros Grab 2: Taf. 58, 12-19, Törökszentmiklós - Surján Grab 90: Taf. 127, 1-10), Spinnwirtel. Aber es gibt auch Bestattungen, wo die Haarringe mit Waffen zusammen gefunden wurden. So Pfeilspitzen (Csany­telek-Tömörkényí Str. Grab 7: Taf. 14, 1-2, Szentes­Vekerzug Grab 30: Taf. 70, 3-6, Tiszavasvári - Csár­dapart Grab 32: Taf. 120, 4-10, Grab 48: Taf. 124, 31, Taf. 125, 3-4), eiserne Streitaxt (Tiszakeszi - Fáy­kert: Taf. 81, 13-14, Tiszavasvári - Csárdapart Grab 32: Taf 120, 1)), Köcherverzierang (Törökszentmik­lós-Surján Grab 90: Taf. 127, 1.4-5) befanden sich in der Bestattung mit Haarring zusammen. Aber in zwei als Frauenbestattungen bestimmten Gräbern gab es aber auch Waffen (Szentes-Vekerzug Grab 30: Taf. 70, 3-6, Vámosmikola Grab 48: Taf. 181,4-5). Die Mehrheit der Angaben zeugt davon, dass die Haarringe nicht nur wertvolle Schmuckstücke waren, sondern auch die gesellschaftliche Position ihres Trä­688 VULPE 1967, Taf. 26, 1^1; Ders. 1977, 84. 689 BUKOWSKI 1977, 208-210. 690 Sopron - Krautacker Grab 29: Grube 168: JEREM 1981a, 115-116, Dies. 1984, 160-161; Szentlörinc: Grab 29: gers zeigten. Beweise für diese Behauptung sind die­jenigen Stücke, die als Beigaben von Kindergräbern (Nógrádkövesd Grab 5: Taf. 166, 2-3. Sándorfalva Grab 154) den Rang, die Bedeutung der Familien zeigten, deren Angehörige die verstorbenen Kinder waren. Diese Schmuckstücke brachten die Zugehörigkeit ihrer Träger zur Alföld-Gruppe zum Ausdruck. Auch die Verbreitung der Haarringe zeigt diese Funktion, diese Bedeutung: sie wurden von dem allgemeinen Modeschmuck, den Armringen, Perlen abweichend in Transdanubien, im Gebiet der Hallstattkultur getra­gen. An ihren dortigen Fundorten kamen meistens auch andere Gegenstände zum Vorschein, die ur­sprünglich von der Tiefebene gestammt hatten. 690 E. Jerem nahm an, dass im Grab 29 von Sopron - Kraut­acker vermutlich eine von der Tiefebene gekommene Frau bestattet wurde. 691 In der großen Handwerker­siedlung von Velem-Szentvid konnten der Meinung von M. Párducz nach auch Kaufleute von der Tief­ebene anwesend gewesen sein. 692 Auf Grund der hier angeführten Angaben steht fest, dass die spiralförmigen Haarringe mit Kegelkopf aus Blech, oder mit Nagelkopf bei der Alföld-Gruppe skythischer Prägung von der zweiten Hälfte des 7. Jhs. v. Chr. bis zum letzten Jahrzehnt des 4. Jhs. v. Chr. getragen, bzw. bei der Bestattung den Verstorbenen beigegeben wurden. Sie dürften nicht einfach Schmuckstücke gewesen sein, sondern sie bezeich­neten in den einzelnen Gemeinschaften die Zuge­hörigkeit der Personen zu ranghabenden Familien. Armringe Die Armringe im Fundstoff der Alföld-Gruppe ha­ben verschiedene Varianten, so verzierte Varianten aus Bronze und unverzierte Varianten aus Bronze, Eisen. Die zuerst erwähnten können auf Grund der Verzierung in die folgenden Gruppen unterteilt wer­den. Fundorte siehe auf der Liste 8. Bronzene Armringe mit rundem oder halbrundem Querschnitt An den Enden mit senkrechten Strichgruppen­verzierung, dazwischen oft mit X-, keilförmigen Stri­chen, oder mit Zickzacklinienmuster abgeschlossen. Bronzene Armringe mit senkrecht gekerben Enden Bronzene Armringe mit senkrechten Strichgruppen Senkrecht gerippte Armringe aus Bronze Tordierte Armringe aus Bronze Aus Silberdraht tordierte Ringe Dies. 1968, 201. Abb. 23, Velem - Szentvid: MISKE 1907, Taf. 31. 691 JEREM 1981a, 114. 692 PARDUCZ 1965b, 298.

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