Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Denkmäler der skythischen Tierstilkunst

Siebenbürgen, sowie im Nordpontus-Gebiet befan­den. 546 Mihály Párducz hielt diese Meinung nur soweit für richtig, dass die Spiegel von der Tiefebene, von Siebenbürgen nur nach den aus dem skythischen Kulturkreis stammenden Vorbildern östlichen Ur­sprungs konnten hergestellt worden sein. 547 Die neueren Funde belegen diese Behauptung eindeutig. Funde mit den Spiegeln vom Karpatenbecken iden­tischen Typs kamen im einem riesigen Raum, der sich östlich der Stadt Olbia vom Wolga-Don-Gebiet, über das Kubangebiet bis zur Kama-Gegend erstreckte, westlich von Olbia wurden Spiegel ähnlicher Form bis zum Karpatenbecken in Gräbern untergebracht. T.M. Kuznecova meinte von den Spiegeln mit Randleisten, dass sie eigentlich Phialen gewesen sind. Ihrer Meinung nach wurden diese Spiegel nach der Rückkehr der Skythen aus Vorderasien in die nord­pontischen Steppen im ersten Viertel des 6. Jh. v. Chr., antike griechische Werke nachahmend in der zweiten Hälfte des 6. Jh. v. Chr. hergestellt. 548 L.K. Galanina hielt diese Hypothese nicht für zutreffend. Sie argu­mentierte überzeugend dafür, dass die Spiegel mit Mittelgriff aus Mittelsiberien stammen, und der Brauch sie in die Gräber zu legen, aufgrund mehrerer sicher datierbarer Kurganfunde (z.B. Kelermes, Ma­tusov - Repjachovataja Mogila) schon in der 2. Hälfte der 7. Jahrhunderts auch im Raum der nordpontischen Steppen verbreitet war. Die im Tierstil gefertigten Spiegel hatten entsprechend der Glaubenswelt der oberen, militärischen religiösen Schicht der skythi­schen Gesellschaft eine magische Bedeutung. ^ 49 Die Werkstätte, in denen die skythischen Bron­zespiegel hergestellt wurden, befanden sich in der Stadt Olbia im Pontusgebiet, sowie in der griechischen Siedlung auf der Elalbinsel Berezan beim Mün­dungsbereich des Dnjepr. Von 74 Exemplaren stam­men 16 aus Olbia und 4 aus Berezan. Deshalb nannte V. SkrZinskaja diese Stücke Spiegel vom Typ Olbia ­Berezan. Sie bemerkte, dass in anderen griechischen Städten keine derartigen Spiegel gefunden wurden. Sie datierte diese Spiegel in die zweite Hälfte des 6. Jh. v. Chr., auf den Anfang des 5. Jh. v. Chr. 550 In der östlichen Hälfte des Karpatenbeckens gibt es 13 Fund­orte. Im Gegensatz zu der oben angeführten Behauptung meinte S.Ja. Ol'govskij, dass die Spiegel skythischen 546 SKUDOVA 1962, 5. 347 PÁRDUCZ 1973, 36. 348 KUZNECOVA 1991, 93; Dies. 2002. 349 GALANINA 1997, 143. 550 SKIRIZINSKAJA 1984, 1 16. 551 OL'GOVSKIJ 1992, 21. Typs im Waldsteppengebiet entlang des Dnjepr her­gestellt wurden. 551 Was die Datierung der frühskythischen Denkmäler des Steppengebietes betrifft, gibt es in der russischen, ukrainischen Forschung zwei sehr unterschiedliche Meinungen. Zwischen der langen und der kurzen Chronologie zeigt sich ein Unterschied von 50 bis 100 Jahren. Die Forscher, die die erörterten Spiegel in die zweite Hälfte des 6. - auf den Anfang des 5. Jh. v. Chr. datieren, halten die kurze Chronologie für richtig. Aber auf Grund der Gegenstände vorderasiatischen Ursprungs im Fundmaterial der frühen Skythenzeit bewiesen G. Kossack, I.N. Medveskaja, L.K. Galanina überzeugend, dass die skythische Kultur schon in der ersten Hälfte des 7. Jh. v. Chr. zustande gekommen ist. 552 Diese Ergebnis ändert an der früheren Datie­rung der skythischen Spiegel. Nur vier Exemplare der Spiegelfunde der Alföld­Gruppe wurden zusammen mit anderen Beigaben im Grab gefunden." 153 Außerdem kamen Spiegel im Kar­patenbecken in Transdanubien, im Gebiet der Hall­stattkultur aus dem Grab 29 von Sopron - Krautacker, sowie in Siebenbürgen aus der Bestattung von Com­lod zum Vorschein. 554 Zu den Beigaben der Bestat­tung von Tápiószele gehören auch ein Streitmesser mit Griffplatten, zwei scheibengedrehte Krüge, und ein handgemachtes Töpfchen mit kannelierter Ver­zierung. Keiner dieser Gegenstände kann genauer datiert werden. Die Funde des Kurgans Gulja-Gorod im Waldsteppengebiet, welches sich entlang des Beckens vom Fluss Tjasmin erstreckt, liefern Anga­ben zur Datierung dieser Bestattung. Aus diesem Kur­gan kamen mit dem Spiegel mit Widderkopf am Griffende vergesellschaftet u. a. Schuppenpanzer, zwei-, dreiflügelige Tüllenpfeilspitzen mit Dorn, Wid­derkopf, Geweihknebel mit Pferdehufenenden, wid­derkopfförmige bronzene Riemenverteiler zum Vor­schein. 555 Derartige Gegenstände waren in der An­fangsperiode der skythischen Kultur im 7. Jh. v. Chr. vorhanden, zwar wurden sie auch in der ersten Hälfte des 6. Jh. v. Chr. noch im Gebrauch. In dem in Szerencs freigelegten Grab lag neben dem Spiegelgriff auch ein goldener Haarring mit Blechende (Taf. 177, 3). Ähnliche Haarringe findet man auch unter den Beigaben mehrerer frühskythi­schen Bestattungen im Waldsteppengebiet. Es werden hier die Grabbeigaben der Repjachovataja Mogila von 552 KOSSACK 1987, 67; MEDVESKAJA 1992, 66; GALANINA 1997, 187. 533 Szerencs (Taf. 177, 4), Tápiószele Grab 462 (Taf. 87, 12), Chotin Grab A/76, B/8: DUSEK 1966, Taf. 42, 11, Taf. 50, 10. 554 JEREM 1981, 115. Abb. 7, 11 ; HOREDT 1960,482. 553 Fi.iNSKA.iA 1975, Taf. 11.

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