Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)
Der Fundstoff - Denkmäler der skythischen Tierstilkunst
von Ciumbrud zum Vorschein gekommen. 533 Parallelen sind im Steppengebiet aus frühskythischen Gräbern bekannt. 534 In der Bestattung am Fundort Sträseni der skythischen Gruppe in Moldau kam der Spiegel mit Rippenzier zusammen mit zwei-, dreiflügeligen Tüllenpfeilspitzen auf dem Tüllenteil mit Dorn zum Vorschein. 535 Die oben erwähnten Gräber in Siebenbürgen, in der Moldau können in die zweite Hälfte des 7. Jh. v. Chr. datiert werden. Beinahe aus der gleichen Zeit können die drei Bronzespiegelplatten gestammt haben, 536 an denen ursprünglich je ein Griff montiert worden sind. In der Großen Ungarischen Tiefebene kam bis heute kein den siebenbürgischen Funden ähnlicher Spiegel vom frühen Steppen-Typ zum Vorschein. Obwohl Mihály Párducz in dem in Gyoma freigelegten Hügelgrab mit einem goldenen Dolchgriff, mit Gewandbesätzen vergesellschaftet silberne Rundscheibenfragmente gefunden hat, 537 sind aber diese Fragmente so klein, dass ihre Funktion nicht festgestellt werden kann. Der Grabfund von Gyoma ist in die präskythischen Periode der Tiefebene, ins 8. Jh. v. Chr. Zu datieren. Aus derselben Zeit ist auch ein bronzener Depotfund bekannt, in dem sich auch dem Spiegel ähnliche Gegenstände befinden. Diese sind flache Bronzescheiben, an deren Rückseite je eine kleine Ringöse befindet. 538 Diese Bronzescheiben ähneln den Bronzespiegeln, welche die Steppennomaden im 8.-7. Jh. v. Chr. von Innerasien bis zum nordpontischen Gebiet in den Gräbern untergebracht haben. 539 Im Fundgut von Biharugra gibt es zwar zum Pferdegeschirr, zur Bewaffnung östlichen Typs gehörende Gegenstände, aber trotz der Ähnlichkeit kann man mit aller Sicherheit nicht behaupten, dass auch diese Rundscheiben solche Spiegel gewesen sind. Die mit Tierfiguren verzierten Spiegel der Tiefebene wurden von T.M. Kuznecova zu Klasse Typ 1-3 gezählt. 540 Das Kennzeichen der ersten Variante ist die Panterfigur am Griffende. Der Teil unter der Spiegelscheibe ist unverziert. Fundorte: Szécsény (Taf. 178, 4, Piliny: Taf. 171, 25, Siebenbürgen: Makkfalva [Ghindiri]). 541 Zur zweiten Variante gehören diejenigen Exemplare, bei denen oben am senkrecht kannelierten Griff, unter der Spiegelscheibe eine liegende Hirschfigur, am Ende des Griffs eine Panterfigur zu sehen sind. Fundorte im Karpatenbecken: Muhi - Kocsmadomb (Taf. 35, 9), Siebenbürgen: Pókafalva (Päuca), Oláhzsákod (Jacu). 542 Zu einer von diesen zwei Varianten gehören die Fragmente von Spiegelgriffen mit panterförmigem Griffende (Umgebung von Debrecen: Taf. 17, 3, Miskolc - Dudujka: Taf. 159, 1). Die Spiegel mit Widderkopf am Griffende bilden die dritte Variantengruppe. Der bei der Spiegelscheibe befindliche Griffteil ist entweder unverziert (Tápiószele Grab 462: Taf. 87, 12, Hejöszalonta: Griff: Taf. 22, 1, Siebenbürgen: Torda [Turda],) 543 oder mit einer liegenden Hirschfigur verziert (Fejérd Válaszút [Rascruci]) 544 Panter- oder widderkopfförmig kann das abgebrochene, fehlende Griffende des in Kisgyör gefundenen Spiegels. Der an der Spiegelscheibe befestigte Teil des kannelierten Griffes ist unverziert (Taf. 162, 1). Am oberen Teil eines in Szerencs gefundenen, aber von einem unbekannten ungarischen Fundort stammenden kannelierten Spiegelgriffes befindet sich eine liegende Hirschfigur (Taf. 177, 4). Auch bei diesen Exemplaren fehlt das Griffende, welches panter- oder widderkopfförmig gewesen sein konnte. Jeder Bronzespiegel mit unversehrter Tierfigur wurde gegossen, die Spiegelscheibe hat eine Randleiste. Der in Miskolc am Sajó-Ufer gefundene Spiegelgriff ist ein einmaliges Exemplar. Der untere Teil ist trapezförmig. Da sogar aus dem Steppegebiet kein derartiger Spiegelgriff bekannt ist, muss es das Produkt einer örtlichen Werkstatt gewesen sein. Mit diesem Stück zusammen gelangten eine Bronzenadel mit geripptem Kopf und eine dreiflügelige bronzene Pfeilspitze ins Museum von Miskolc (Taf. 159, 2). Vermutlich waren diese Gegenstände Grabfunde. Von den Spiegelfunden des Karpatenbeckens machte Mihály Párducz in den Jahren 1958 und 1960 zusammenfassende Auswertungen. 545 In seinem letzten, 1973 veröffentlichten Aufsatz konnte er für die Datierung der Spiegel nur den Aufsatz von V.M. Skudova über den Spicgelfund im archaischen Gräberfeld von Olbia zu Grunde nehmen, wonach sich die Zentren der Herstellung der Bronzespiegel mit Griff in der zweiten Hälfte des 6 und am Anfang des 5. Jh. v. Chr. im Territorium von Ungarn und von 533 534 535 536 537 538 FERENCZI 1965, 86. Abb. 6. ] KUZNECOVA 2002, 210. LEVITKI 1986, 183. Abb. 2. Aiud, Ciumbrud, Grab 2: VASILIEV 1980, Taf. 24, 1-2. PÁRDUCZ 1958, 59. GALLUS/HORVÁTH 1939, Taf. 18, 1-2. 13; KEMENCZEI 2005, Taf. 15, 55-56. CLENOVA 1967, 84. 540 541 54 2 543 544 545 KUZNECOVA 1987, 40, KUZNECOVA 2002, 217. TÉGLÁS 1913, 319. Abb. 1; VASILIEV 1980, Taf. 24-25. TÉGLÁS 1913, 320. Abb. 2-3, VASILIEV 1980, Taf. 24, 5, Taf. 25,1. VASILIEV 1980, Taf. 24, 4, Taf. 25, 2. TÉGLÁS 1913, 322. Abb. 4. PÁRDUCZ 1958, 59; Ders. 1960, 523.