Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.4. Keramik

ferzeit, als bei den Gefaßformen die Traditionen der frühen Kupferzeit noch lebendig waren. 202 Dieses Ge­fäß ist gegenüber denen von Tiszalúc sehr gedrungen, sein Mundrand hat keine Bögen, sondern ist nur geschwungen, und es hat keine scharfen Wandkanten. Einige Exemplare dieses Typs wurden auch in jüngeren Gräberfeldern der Bodrogkeresztúr-Kultur gefunden. Sie haben allerdings schon dieselbe Form wie die aus Tiszalúc kennengelernten; sie sind schlank und ihr Mundrand hat kräftige Bögen. Zwei Exemp­lare sind aus Paszab bekannt, eines aus Sándor Mol­nárs Garten, aus einem zerstörten Grab, 203 das andere aus Grab 3 des Gräberfeldes von Zádó. 204 Die Wand­kanten des letzteren bilden bereits Leisten mit Fin­gereindrücken. Ebenfalls mehrere Bruchstücke fanden sich bei der Ausgrabung der Siedlung Tarnabod. 205 In den Gräberfeldern der Bodrogkeresztúr-Kultur findet man jedoch auch oft die umgekehrt kegel­stumpfförmige Variante dieses Gefäßtyps, so etwa in Tiszakeszi Grab 21, 206 Paszab-Zádó Grab l 207 und Tiszavalk-Kenderföld in einem zerstörten Grab. 208 In allen drei Fällen stammen sie aus dem späten, also Abschnitt B der Kultur. 209 Bekannt ist der Gefäßtyp auch aus Tiszadorogma 210 und Novajidrány, ebenfalls aus einem Grab. 211 Während sich an den Fundorten der Bodrogke­resztúr-Kultur die umgekehrten pyramidenstumpfför­migen Kelche nur vereinzelt finden, sind sie in der Hunyadi halom-Kultur ein häufig vorkommender, ja fast der charakteristischste Gefäßtyp. 212 Wir kennen ihn nicht nur von Tiszalúc, sondern von fast allen Siedlungen, so von Hódmezővásárhely-Hunyadi ha­lom selbst, 213 von Tiszavalk-Tetes, 214 Tiszavalk-Ken­derföld, 215 Pecica-§anhil mare (Pécska-Nagysánc, Große Schanze) 216 und Tiszafüred-Ásotthalom, 217 dort sogar in der auch in Tiszalúc häufigen zwei­geteilten, also Zwillingsform. Zudem gibt es ihn auch im Gräberfeld von áebastovce (Grab 33). 218 4.4.1.1.9. Hohlfußgefäß Zwar konnte von 375 Bruchstücken festgestellt werden, daß sie von Hohlfußgefäßen stammen, doch konnte kein einziges Exemplar in voller Gänze res­tauriert werden, so daß die ursprüngliche Gestalt nicht authentisch bestimmt, sondern nur erschlossen werden kann. Am schwierigsten ist die Rekonstruktion des oberen Teiles der Gefäße. Die Zahl von Bruchstücken, von denen mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit feststellbar war, daß sie zu einem Hohlfuß gehörten, ist relativ gering. Diese Gefäßkörper setzen im allge­meinen ziemlich flach am Fuß an (Taf. 23.7), was darauf schließen läßt, daß es sich um Schalen han­delte. Aufgrund von Bruchstücken, die ein größeres Stück vom Gefäßkörper beinhalteten, hatte ein Teil der Gefäße eine verengte Schulter und auf ihr einen niedrigen Hals mit schwach ausladendem Rand (Taf. 23.1-3). Der Mund-Dm dieser Schalen konnte um 23-25 cm betragen haben. Es gab auch Hohlfußschalen mit stark profilierter Schulter und weit ausladendem Rand, wie sich aus einem kleineren Bruchstück mit 18 cm Rand-Dm folgern läßt (Taf. 23.4). Die Gefäßfüße sind - wenngleich auch sie aus­nahmslos zerbrochen oder nur in Bruchstücken erhal­ten blieben - leichter zu rekonstruieren. Sie sind niedrig (H zwischen 8 und 11 cm), nicht durchbro­chen, allgemein kegelförmig, ziemlich gedrungen, ihr unterer Dm erreicht das Anderthalbfache oder auch Doppelte der Höhe (Taf. 23.5), und sie sind nur selten steiler (Taf. 23.7-8). Die Fußwand ist häufig schwach 202 203 204 205 206 207 208 PATAY 1976a, 234 KALICZ 1960,9,11 ff., 19, Taf. 1.1 PATAY 1961, 68, Taf. XXVI. 11 KALICZ 1966, 5,14,18, Abb. 4.16-19,21-23 PATAY 1957, 35, Taf. IV.3; PATAY 1975, Taf. 15.6 PATAY 1950, 112, Taf. XXXI.2. Bei der Publizierung er­kannte der Autor den Typ des verstümmelten Gefäßes nicht, sondern erwähnte es bedingt als Milchtopf. PATAY 1979, 34, Abb. 54 209 Im Gräberfeld Tiszakeszi gab es auch die für den frühesten, also den Übergangsabschnitt der Bodrogkeresztúr-Kultur typische Keramik. Aber diese Gefäße stammen aus­nahmslos aus Grab 1-6 des im April 1936 von Ferenc Tompa freigelegten und unkartierten Gräberfeldteils. In den im September 1936 freigelegten und kartierten Gräbern 8—24 gab es sie nicht mehr, und im Grab 21 benachbarten Grab 22 lag ein im ausgesprochenen Abschnitt-B-Stil verziertes Gefäß (PATAY 1957, 36, Taf. IV. 1). Das Gräber­feld muß also aus zwei sich unterscheidenden, nicht zeit­gleichen Teilen bestanden haben, deren Verhältais zueinan­der wir nicht kennen. 210 HELLEBRANDT 1985,23, Abb. 6 211 Grabung von Magdolna Hellebrandt. Ottó Herman-Mu­seum, Miskolc 212 Eines darf jedoch nicht übersehen werden: Der Grund dafür, daß im bekannten Fundmaterial beider Kulturen die­ser Gefaßtyp mit stark unterschiedlichem Anteil vorkommt, kann darin liegen, daß wir das Material der Hunyadi halom­Kultur aus Siedlungen, das der Bodrogkeresztúr-Kultur je­doch fast ausschließlich aus Gräberfeldern kennen. Möglicherweise gehörte dort dieser Typ nicht zu den vom Beslattungsritus verlangten Gefaßformen, war aber in den Siedlungen doch in Gebrauch (s. Tarnabod). TÖRÖK 1935, 154, 157, Taf. XXLX.12; B.-KUTZIAN 1969, 34, Abb. 3.1a-b 213 214 215 216 217 218 PATAY 1979, 34, 53, Abb. 15-16 B.-KUTZIAN 1969, Abb. 9.11 ROSKA 1942, Abb. 273.1 KALICZ 1980a, 45, Abb. 2.10 SISKA 1972, Abb. 33, Taf. VHI.4

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