Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)
4. Das Fundmaterial - 4.4. Keramik
(Taf. 23.9) oder starker (Taf. 23.6) konkav gebogen, manchmal aber auch konvex (Taf. 23.10). Am unteren Rand kann auch eine Leiste umlaufen (Taf. 23.11). Es gibt noch eine seltene, ganz außergewöhnliche Fußform der Hohlfußgefäße, die durch flachere oder tiefere senkrechte Nute bzw. Falten paßförmig gestaltet ist (Taf. 23.12). Leider fanden sich nur Bruchstücke, aufgrund derer man beim ersten Anblick auch meinen könnte, daß es sich um Becher handelte; dem widerspricht aber, daß ihre innere Oberfläche nicht geglättet ist. Außerdem ist an einem Bruchstück am oberen Fußteil (dem einstigen Gefaßhals) die Spur eines abgebrochenen - vermutlich mit einer Scheibe versehenen - Henkels zu erkennen, 219 was ausdrücklich auf ein Hohlfußgefäß hinweist (s. weiter unten). 220 Sehr typisch für die Hohlfußgefäße von Tiszalúc ist, daß an ihrem Hals, also an der Verbindung von oberem Gefaßteil und Fuß, einander gegenüber zwei Henkel oder Henkel imitierende bzw. ersetzende Warzen (Pseudohenkel) sitzen. Von den in dieser Hinsicht auszuwertenden 99 Bruchstücken hatten 72 einen Henkel oder Pseudohenkel, und 27 waren henkellos. Von denen mit Henkel (Pseudohenkel) war dieser bei 22 Stück abgebrochen, so daß sich nicht feststellen ließ, von welcher Art er war. Von den weiteren 50 Stück hatten 18 einen echten Henkel und 30 einen Pseudohenkel, und bei zwei Exemplaren hatte nur ein Henkel eine Öffnung, während die Öffnung des anderen schon vor dem Brennen verstopft worden war (Taf. 24.1). Ebenfalls typisch für die Tiszalúcer Keramik ist, daß sich gegenüber 14 einfachen Henkeln (Taf. 24.1) auch sechs Scheibenhenkel fanden (Taf. 23.7), wogegen bei den Pseudohenkeln 24 St. einfach (Taf. 23.5) und acht mit Scheibe versehen waren (Taf. 24.2). 221 Die Henkel sitzen nicht immer einander genau gegenüber (sind also häufig asymmetrisch angebracht), was sich wahrscheinlich auf die Unachtsamkeit des Töpfers zurückführen läßt (Taf. 23.7, Taf. 24.1). Ursprünglich hatten die Henkel wohl praktischen Zwecken gedient; weil aber die Pseudohenkel so häufig sind, ist anzunehmen, daß diese den Bewohnern der Tiszalúcer Siedlung nicht mehr bewußt waren und sie die Hohlfußgefäße nur noch aus Tradition mit Henkeln versahen. Ein anderes Charakteristikum der Tiszalúcer Hohlfußgefäße ist eine am Hals umlaufende Leiste, die aber von den Henkeln unterbrochen wird. In dieser Hinsicht konnten 100 Bruchstücke ausgewertet werden. Auf 77 Exemplaren gab es keine Leiste (Taf. 23.5). In zwei Fällen war die Leiste glatt, 222 20 hatten Finger- oder Fingernageleindrücke (Taf. 23.7) bzw. waren gekerbt (Taf. 24.2). Auf einem Halsbruchstück sitzt an der Stelle der Leiste eine Reihe grober Warzen (Taf. 24.3). Einige Fußbruchstücke sind auch mit Warzen verziert. Diese können senkrecht angeordnet sein, z. B. ursprünglich je drei in vier Reihen (Taf. 23.11) oder in sechs Reihen mindestens je drei (Taf. 24.5), aber es gibt auch unsystematisch angeordnete (Taf. 24.4). Es finden sich auch am Fuße Warzen imitierende, von innen herausgedrückte Blasen (Taf. 24.6) - ebenfalls eine Charakteristik der Keramik aus der Hunyadi halomKultur. Selbst in der größten Wölbung des Schalenteils der Gefäße finden sich Warzen (Taf. 23.1) oder Blasen (Taf. 23.2). Ein Fußbruchstück ist mit halbmondförmigen Leisten verziert (Taf. 35.9). Es gab auch Hohlfußgefäße mit durchbrochenem Schalenboden. In ihnen konnte sich also keine Flüssigkeit oder weiches Material befunden haben. Eventuell dienten sie dazu, daß aus einer feuchten Masse in der Schale die Feuchtigkeit abtropfen konnte. Nur von drei solchen Gefäßen liegen Bruchstücke vor (Taf. 24.10). 223 Die Ausführung der Hohlfußgefäße ist unterschiedlich. Es gibt sorgfältig gearbeitete mit glatter Oberfläche (Taf. 23.1, 3), andere dagegen sind ganz grob (Taf. 23.5, Taf. 24.3). Diese Gefäße waren schon aufgrund ihrer gegliederten Form sehr beschädigungsanfällig. Es fanden sich eine ganze Reihe von zerbrochenen Exemplaren, deren Fußteil völlig fehlt, die Bruchstelle aber - in fast allen Fällen am Hals - mehr oder weniger glatt abgenutzt ist. 224 Wenn also der Fußteil beschädigt war, schnitt man ihn ab und verwendete den intakt gebliebenen Oberteil weiter. Hier sei erwähnt, daß es auch ein ganz niedriges Ringfußgefäß-Bruchstück gibt. Der Gefäßteil ist abgebrochen, ist also nicht zu beschreiben. Festzustellen war nur, daß sein Boden völlig eben war (Taf. 24.7). Doch kann dieser Gegenstand auch nicht zu den Hohlfußgefäßen gerechnet werden. Inv.-Nr. 86.12.272 Außer den obigen ist auch von zwei weiteren, ähnlich mit Nuten versehenen Bruchstücken anzunehmen, daß sie von Hohlfüßen stammten (Inv.-Nr. 77.9.299, 82.2.153). Die Stücke Inv.-Nr. 85.4.465 und 85.4.475 bezogen wir bei den echten wie bei den Pseudohenkeln mit ein. Inv.-Nr. 86.12.916 und 86.30.295 Siehe noch Inv.-Nr. 92.1.787 und 86.12.784 Beispielsweise Inv.-Nr. 85.4.503