Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)
4. Das Fundmaterial - 4.4. Keramik
hatte sie eine praktische Funktion; mit Hilfe der durchgezogenen Schnur ließ sich die Schale aufhängen, wenn sie nicht gebraucht wurde. Es gibt aber auch eine Schale ohne Öse (Abb. 69), ein Hinweis darauf, daß die Aufhängbarkeit keine grundsätzliche Forderung war. Darauf verweist aber auch, daß in mehreren Fällen statt einer echte Öse henkelartige Warzen, Pseudohenkel ausgebildet waren. Gut wird dies durch eine Schale veranschaulicht, deren Wand in symmetrischer Anordnung fünf kurze senkrechte Leisten und als sechstes eine warzenförmige Pseudoöse zieren (Taf. 15.15). Unseren Beobachtungen nach hatten die Halsschalen (-tassen) mit verengter Schulter höchsten ein (oder zwei nahe beieinander sitzende) Ösen. Darauf läßt sich aufgrund des folgenden schließen: Beim Messen des betreffenden Bogenwinkels vom Umfang (360°) von vier intakten Gefäßen und 102 Bruchstücken ergaben sich durchschnittlich 107,7°; demnach befinden sich auf den Bruchstücken durchschnittlich 30 % des Umfanges. Wenn also alle Schalen Ösen oder PseudoÖsen gehabt hätten, hätten im Prinzip bei 30 % der vermessenen Gefäße und Bruchstücke (bei 32 St.) solche gefunden werden müssen. Demgegenüber fand sich nur auf 28 St. eine Öse oder Pseudoöse, was belegt, daß es - wie gesagt auch henkellose Exemplare gab. Fast mit Sicherheit auszuschließen ist aber, daß an der Wand dieser Schalen einander gegenüber nicht zwei Ösen gesessen haben. Andererseits gab es mehrere Fälle, daß sich sogar zwei Ösen fanden (Taf. 40.7, Taf. 47.5, Taf. 48.1), aber immer dicht beieinander. Diese Fälle akzeptierten wir bei der obigen Statistik als einhenklige, da sie dieselbe Funktion - das Aufhängen - ausübten wie die alleinstehenden Ösen. Die Ösen können einfache sowohl mit waagerechter (Taf. 16.4, 6, Taf. 17.15) als auch mit senkrechter (Taf. 17.16, Taf. 46.7) Öffnung sein, es gibt aber auch eine größere Zahl von Scheibenösen, aber fast alle mit senkrechter Öffnung (Taf. 15.14, Taf. 17.14, 18). Zudem finden sich recht viele PseudoÖsen (Taf. 15.15, Taf. 18.1), aber nur ganz selten solche, die senkrechte Öffnungen imitieren (Taf. 17.17). Als Verzierung kommen auch Warzen auf den Schalen vor, meist vier bis fünf in gleichmäßiger Verteilung um den Bauch (Taf. 16.5, Taf. 18.2, 192 Jászladány Grab 18 (PATAY 1945, 6, 16, Taf. VI.6); PolgárBasatanya Grab 142-2 Tassen, die eine mit Scheibenhenkel, die andere mit Punktreihenverzierung (Pseudofurchenstich) (B.-KUTZIÁN 1963, 217 ff., Taf. 113.13-14.); Tiszavalk-Kenderföld Grab 43 (PATAY 1978a, 27, Taf. XIII.7); Fényeslitke Grab 17, 49 und 54 (PATAY 1969, 23, Taf. 36.1), eventuell zwei oder auch mehr nebeneinander (Taf. 18.9). Auf dem Schälchen, das eine Beilage in Grab B 8 war, sind sie ringförmig (Abb. 69). Viel häufiger sind aber Blasen, von denen sich ebenfalls mehrere in symmetrischer Verteilung um den Bauch finden (Taf. 15.14, Taf. 17.14, Taf. 18.3, 5, 7). In einem Fall finden sich Blasen und Warzen abwechselnd auf dem Bauch (Taf. 37.8). Die Oberfläche einer Schalenwand ist durch längliche, senkrechte Blasen wellenförmig geworden (Taf. 15.12). Häufig finden sich auf den Schalen kürzere oder längere senkrechte (Taf. 15.15, Taf. 18.6) oder schräge (Taf. 18.8, Taf. 354) Leisten. Letztere füllen z. B. in einem Fall den Zwischenraum der (Ösen und) Blasen aus (Taf. 15.14). Es gibt Schalen, deren Wand mit Kannelierung verziert ist, die sich über den ganzen Bauch erstrecken kann und nur durch Ösen (Taf. 17.18), Leisten (Taf. 18.6), Warzen (Taf. 18.12) oder Blasen (Taf. 18.3) unterbrochen wird oder abschnittsweise vorkommt (Taf. 15.13). In anderen Fällen sind auch die Warzen (Taf. 18.11) oder Blasen (Taf. 18.10) kanneliert. Auf einem Exemplar ist der Bauch dagegen abschnittsweise kanneliert; fünf Abschnitte aus je vier bis fünf Kanneluren und die Öse befinden sich in symmetrischer Verteilung auf dem Bauch (Taf. 16.6). Die Schalenoberfläche kann auch durch tiefere Gräben (Taf. 17.15), ja sogar durch von außen in die Wand eingedrückte Nute (Taf. 18.13) gegliedert werden. Ritzverzierung findet sich auf den Schalen ganz selten (z. B. mit Blasen kombiniert - Taf. 18.7), aber ganz einmalig ist, was den Bauch einer kleineren Tasse bedeckt (Taf. 16.7). Hals schalen (-tassen) mit verengter Schulter finden sich auch in Gräbern aus Periode B der Bodrogkeresztúr-Kultur, auch wenn ihre Form nicht völlig mit der der hier behandelten übereinstimmt. 192 Sie können vielleicht als die Vorläufer der hier behandelten betrachtet werden. Wulstrandtasse. Von diesem Typ konnte nur ein einziges Exemplar ergänzt (Taf. 16.8), jedoch weitere 63 Bruchstücke gesammelt werden. Ihr Körper entspricht allgemein zwei Dritteln einer Kugel, hat aber zum Boden hin Kegelform. Das auffällige Charakteristikum ist die starke Verdickung des Randes, der sich manchmal ganz ausstülpt (Taf. 18.18). An mehreren Bruchstücken befindet sich auch ein kleiner Henkel, 36, 38, Taf. HI.7, Taf. V1TI.5, Taf. LX.9); Szerencs Hajdúrét Grab 1-2 Tassen, beide mit Punktreihenverzierung O^seudofurchenstich) (PATAY 1956, 4 ff., Abb. 2). Diese Tassen haben - anders als die meisten der Halsschalen mit verengter Schulter der Hunyadi halom-Kultur - keinen ausladenden Rand.