Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)
2. Die Siedlung - 2.1. Umzäunung
Abb. 6 Pfostenspuren im Längsschnitt des Umzäunungsgrabens im Segment 398 deten 10-12 cm darüber, während das untere Ende von dreien durch eine Fuchsröhre vernichtet worden war. Bei der Freilegung der grauen Streifen erwiesen sie sich in voller Länge als von kreisförmigem Querschnitt (Abb. 7). Auch sie stellten Spuren von Pfosten dar. In der SO-Ecke der Siedlung wurde in Segment 297 auch der Umzäunungsgraben ausgehoben. Hier Abb. 7 Freigelegte Pfostenspuren im Längsschnitt des Umzäunungsgrabens in Segment 398 Die Entfernung zwischen den dunklen Streifen betrug 18 cm. Da der Schnitt aber die Spur der Pfosten nicht in der Mittellinie traf, war deren Durchmesser größer als 15 cm und ihre Entfernung kleiner als 18 cm. Durchmesser 13,21 und 18 bzw. 20,22, 18 und 18 sowie 21, 18, 12 und 12 cm, Entfernung zwischen ihnen 10 und 26 sowie 18, 10 und 20 bzw. 8, 22 und 12 cm. Im Segment 408 kamen neun Pfosten (von Mittelpunkt zu Mittelpunkt) auf einen 2,35 m langen Abschnitt, im Segment 398 fünf Pfosten auf 1,65 m, im Segment 390 je vier auf 1,15 m bzw. 0,90 m, im Segment 397 drei auf 0,70 m und betrug seine Tiefe (gemessen von der heutigen Oberfläche) 130-135 cm. Etwa in der Mittellinie zeichneten sich in der Sohle dunkle Flecken ab, 20-25 cm entfernt voneinander (gemessen von Mittelpunkt zu Mittelpunkt). In der O-Wand des Segmentes, die der Graben im spitzen Winkel schnitt, reichten im Profil in der den Graben ausfüllenden gemischtfarbigen Erde zwei 15 cm breite dunkle Streifen bis zur Grabensohle, einer war sogar etwas in sie eingetieft. Hier hatte man also das Ende der Umzäunungspfosten etwas in die Grabensohle eingeschlagen. 41 Schließlich waren auf der S-Seite in Segment 396 und 397 (bei Grabung in 100 cm Tiefe, gemessen von der heutigen Oberfläche) an drei Stellen im Graben die Spuren von drei bzw. je vier Pfosten zu erkennen. 42 Zur Höhe der Umzäunung über der Oberfläche gibt es zwar keine Angaben, aber ohne Zweifel muß sie die Menschengröße weit überschritten haben, also mindestens 2,5-3 m hoch gewesen sein. Und da der Graben 1-1,5 m tief war, mußten die Pfosten mindestens 3,5—4 m lang bemessen gewesen sein. Berücksichtigt man, daß aufgrund der Angaben der vier erwähnten Abschnitte in einem 10 m langen Umzäunungsabschnitt 30-31 Pfosten gestanden haben werden, 43 wurden also für die 382 m lange Umzäunung etwa 1100-1200 Pfosten gebraucht. Das aber bedeutet bei 20 cm dicken Pfosten 44 eine Menge von annähernd 120-150 Festmetern Massivholz. Das Schlagen dieser riesigen Holzmenge mit Stein- und Kupferwerkzeug, das Entästen und der maßgerechte Zuschnitt der Stämme und dann ihr Transport durch Menschen beanspruchten derartige - für uns unabschätzbare Arbeit, die die nicht für die Existenzerhaltung der Gemeinschaft nötige Arbeitskraft auf fast unabsehbare Zeit absorbierte. Unserer Beurteilung nach beanspruchte das Ausheben des Umzäunungsgrabens weniger Arbeit. Wenn man die durchschnittliche Größe des Querschnittes des ca. 380 m langen 45 Grabens mit ca. 0,45 m 2 annimmt, 46 dann bedeutete das etwa die Bewegung von 170 m 3 Erde, was in einer Gemeinschaft mit etwa 20-25 arbeitsfähigen Männern 47 - wenn man pro Perschheßlich im Segment 297 befand sich die Mitte der beiden Pfosten in 30 cm Entfernung voneinander. 44 Die beobachteten 27 Pfostenspuren haben einen durchschnitthchen Durchmesser von 18,5 cm. 45 Von den ca. 382 m der Umzäunung müssen mindestens 2 m für die Tore gerechnet werden. 46 Siehe Fn. 36 47 Da in der Siedlung gleichzeitig maximal 26 Häuser gestanden haben können (s. Seite 48) und bei primitiven Völkern ähnlicher Kulturstufe auf ein Haus durchschnittlich 5-6 Personen kommen können (s. Seite 127), rechneten wir pro Haus mit einer Person.