RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)

Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VII. Die Markierung der Tataer Majolikagegen-stände und ihre mit Aufschriften versehenen Denkmäler

- 130 — gen Signatur könnten wir nur in einem Falle einen Zusammenhang suchen. Aber dann miiss­ten wir annehmen, das — umgekehrt — aus Holies und mit Holicser Bezeichnung fertige, weissglasierte Gefässe nach Tata gelangten und hier mit Rouener Dekoration übermalt wurden. Zu einer solchen Annahme finden wir aber we­nig Wahrscheinlichkeit, denn dies würde offen­bar Irreführung und Betrug bedeuten gegenüber jenem Vorbehalt der Herrschaft, dass Pram vor Abschluss des Vertrags Beweise seines Kön­nens und seiner hiesigen Ergebnisse zu geben hat. Das Scheitern der vorausgesetzten Absicht einer Irreführung (die Herstellung der Gefässe dürfte nämlich kaum gelungen sein, und so hätte man zur Bemäntelung des Misserfolgs nur aus Holies gebrachte Stücke hier bemalt und wieder gebrannt, was sehr bald herausgekommen wäre) und Prams 1769 erfolgte Flucht scheinen beinahe den Zusammenhang zwischen beiden Ereignis­sen zu bestätigen. Aber dann müsste auch noch nachgewiesen werden, dass Pram doch nach Holies zurückkehrte (wofür wir bisher keine Spur gefunden haben), denn im Jahr 1772 wurde die Signatur HP dort noch benützt. Einzelne wollten in der Marke HP ein dop­peltes P (PP) sehen. Hier kann es sich offen­bar nur um einen Irrtum handeln, der durch schlechtes Lesen entstanden sein dürfte. Wenn es auch eine solche Version geben sollte, so kann diese ohne Unverstand weder auf Tata noch auf den Namen Pasteiner bezogen wer­den. Auf Grund dieser doppelsignierten Gegen­stände, der engen Verknüpfungen zwischen Tata und Holies, oder auch nur der amphibienhaften Rolle Prams fühlen wir, dass wir in der Frage der häufigsten Holicser Markierung der wahr­scheinlichen Lösung etwas näher gekommen sind. Gleichfalls aus der Blütezeit der Fabrik begegnen wir auch der Bezeichnung durch ein kobaltblaues T. Sein Gebrauch wurde vermutlich bei der zweiten Gründung der Fabrik unter der Direktion Andreas Prams, bezw. Alexander Her­manns eingeführt. Zu dieser Zeit, aber auch nach Hermanns Tod war Paul Deutscher der einzige Maler des Betriebs. So dürften wir wohl kaum irren, wenn wir in ihm den Meister der mit ko­baltblauer Farbe bezeichneten Stücke sehen, um so eher, da wir auch in Holies auf derart bezeichneten Stücken fast haarklein übereinstim­mende Dekorationen und Malart finden. Von Deutscher wissen wir, dass er aus Holies kam und auch nach Holies zurückkehrte, als Radiel, der vorzüglichste Maler beider Fabriken, nach Tata berufen wurde. Es müsste sich nun fest­stellen lassen, ob die Holicser Gegenstände vor seiner Tätigkeit in Tata oder nach dieser ver­fertigt wurden ? Wenn Radiel in Tata eine Gruppe des schwarzen Buchstabens T vertritt, dann konnte Deutscher der eine Maler der mit kobaltblauer Farbe markierten Stücke sein. Zu Beginn führte auch Holies die Mar­kierung in kobaltblauer Farbe ein, und neben dem Blau ging es erst später zu verschiedenen Farben über, aber zu anderen Buchstabenmar­ken. Diese, gewöhnlich mit dickem Pinsel auf­gemalte Markierung in blauer Farbe übernahm auch Tata. Die Form des Buchstabens T gab im Anfang einen gedrungenen, am Ende ab­gerundeten Fleck, der etwas unbeholfen er­schien, aber dekorativ wirkte. Später ist die Gestalt des Buchstabens schon schmäler und feiner, sie nähert sich mehr der Dünnheit der schwarzen Markierung. Unter ihnen begegnen wir seltener auch solchen Markierungen, bei denen ein Punkt von gleicher Breite wie die Dicke des Buchstabens unter diesem oder zwi­schen seinen einzelnen Strichen angebracht wurde. Diese punktierte Markierung zerfloss in ganz ausnahmsweisen Fällen gelegentlich des Brennens etwas und der daneben angebrachte Punkt kam dem Strich des Buchstabens so nahe, das er mit seinem verwischten Fleck die Form eines Monogrammes T (T und F) zeigt. Aus diesem spielerischen Zufall dürfte die Auf­fassung entstanden sein, dass auch in Tata — unter Berufung auf Holicser Analogie (Holicser­Fabrik) — die Abkürzung für „Tataer Fab­rik" gebraucht worden wäre. Holies benützte jedoch diese Markierungsart erst um die Mitte der 1780-er Jahre, zur Zeit als die Steingutfab­rikation begonnen wurde, während die Tataer missverstandene Markierung mit dem blauen Buchstaben T und dem Punkte bis zu dem Jah­re 1778 dauerte, also so lange, wie die Tä­tigkeit Deutschers in Tata. Schon die zeitliche Verschiebung, die in dieser — angenommenen — Tataer Markierung zu Tage tritt, beweist, dass die auf das Muster „Holitscher Fabrik" begründete Annahme völlig verfehlt ist und dass Tata mit der Holicser Analogie nichts zu tun hat. Die andere kobaltblaue Markierung ohne Punkt dürfte Martin Metzingers Handzeichen ge­wesen sein, und obschon damals nicht Deut­scher, sondern Radiel, der Meister der schwar-

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