RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)
Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VII. Die Markierung der Tataer Majolikagegen-stände und ihre mit Aufschriften versehenen Denkmäler
- 129 — folgt übrigens ganz getreu Holicser Gegenständen mit ähnlicher Dekoration. Aber nicht nur die Rouener Dekoration in dunkelblauer Malerei finden wir auf ihnen, sondern zu unserer Verwunderung auch noch die Holicser Markierung HP. Hier stehen wir einem ausserordentlich interessanten Fall gegenüber, denn über die Echtheit der auf ihnen sichtbaren Holicser und Tataer Marken kann kein Zweifel bestehen. Leider stehen die verworrenen Buchstaben-Markierungen von Holies noch heute als ungelöstes Problem in der Geschichte der Fabrikation, und so sind wir bei der Enträtselung dieser charakteristischen Stücke, die eine Gemeinschaft zwischen Holies und Tata dokumentieren, nur auf Annahmen angewiesen. Eine annehmbare Erklärung haben wir in dieser Frage noch nicht bekommen. Soviel ist sicher, dass die fraglichen Stücke, die als Seltenheiten gelten können, in gleicher Weise Holies und Tata durchliefen, nur so konnte die Markierung der beiden Fabriken auf sie gelangen. Unserer Meinung nach dürften die Gefässe samt ihrer weissen Glasur in Tafa hergestellt worden sein, und damals erhielten sie ihre Marke T. von hier aber gelangten sie wohl nach Holies, wo sie in der Manier von Rouen bemalt und beglaubigt wurden. Warum und wie die Stücke nach Holies gelangten, darauf können vielleicht die erste oder die zweite Zeit der Geburtswehen der Tataer Fabrik und sonstige Umstände eine Antwort geben. Wir wissen, dass bei der Gründung, im Jahre 1758 Sebastian Pfeiffer mit seinen ein-zwei Leuten aus Holies nach Tata gekommen war und hier den Betrieb in Gang setzte. Wie schon erwähnt, befriedigte das Ergebnis den Gründer, Graf Josef Esterházy nicht und deshalb stellte er auch den Betrieb ein. Sebastian Pfeiffer kehrte nach seinem hiesigen Misserflog wieder nach Holies zurück, eben damals abar hat er wohl auch seine noch unverkauften, doch hier verfertigten weissglasierten Gefässe mit sich genommen, an ihre Bemalung kam dort in Holies die Reihe. Obschon sie die Marke von Tata trugen, erhielten diese Gefässe bei der Bemalung eine neuerliche Holicser Markierung. Auf die schon einmal mit dem Buchstaben T markierten Gegenstände konnte ganz ruhig neben diese Marke auch noch das Zeichen von Holies gemalt werden, denn die Tataer Signatur war noch kaum allgemein bekannt geworden, auch war die Anzahl der Gefässe unbedeutend und noch weniger konnte man an eine neuerliche Inbetriebsetzung der Tataer Fabrik denken. Der Anfangsbuchstaben der Namen von Holies und von Pfeiffer bestätigen scheinbar auch die Lösung dieser ziemlich häufigen Holicser Markierung. Und wir finden auch keine Einwendung in dem Umstand, dass Pfeiffer offiziell nicht als Maler, sondern als Modellverfertiger in der Fabrik fungierte, denn wir kennen recht zahlreiche weissglasierte Gefässe aus Holies, die ebenfalls diese häufig vorkommende Marke HP aufweisen. Einem unserer Annahme ähnlichen Beispiel begegnen wir später an den Herender Porzellanerzeugnissen. Moritz Fischer liess die in Herend hergestellten Porzeliangefässe in seiner in Tata errichteten Malerwerkstätte bemalen. Die Marken dieser Gegenstände zeigen also die nämliche Zweiheit wie die erwähnten Tataer Erzeugnisse aus dem XVIII. Jahrhundert. Wir finden nämlich dort neben der Herender Marke mit dem ungarischen Wappen auch die Tataer Bezeichnung, den Buchstaben T. Dieser Umstand bestärkt uns andererseits in unserer Ansicht, dass die Marken sich nur in den seltensten Fällen auf die Person und den Namen der Maler beziehen. Sehr viele Fabriken führten zum Beispiel die Signatur durch Buchstaben gar nicht ein, sondern benützten andere Zeichen zur Beglaubigung ihrer Erzeugnisse. Die Markierungen durch Buchstaben sind unserer Meinung nach Bezeichnungen des Namens der Ortschaft, wo die Fabrik steht, des Namens der Werkstatt, des Werkleiters, des Modelleurs oder des Fabriksinhabers (selbst wenn dieser nicht an den Betriebsarbeiten teilnahm), bei grösseren Fabriken etwa von Zeit zu Zeit festgesetzte Bezeichnungen für einen Zeitraum oder eine Warengruppe ohne alle persönliche Bezugnahme. Der Maler verknüpft sich, wenn auch anonym, nur durch die eigenen, individuellen Züge, die sich im Charakter des Buchstabens, in Malart und Farbe zeigen, mit den signierten Gegenständen. Nach dem Anfangsbuchstaben zu schliessen, könnten wir auch an den zweiten Leiter der Tataer Fabrik, an Andreas Pram denken, der ebenfalls aus Holies gekommen war und Tata nach einem Jahre wieder verliess. Wir müssen jedoch seinen Namen aus unserer Annahme ausschliessen, denn er war von hier nicht nach Holies, sondern nach einem uns bisher noch unbekannten fremden Orte gegangen. Zwischen dem Namen Prams und der obi-