RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)

Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VII. Die Markierung der Tataer Majolikagegen-stände und ihre mit Aufschriften versehenen Denkmäler

- 128 — glaubwiirdige Tataer Markierung anzunehmen. Besonders die paar Jahre nach dem Tode der Witwe Schlögl (1820—1824) gaben Anlass zu manchen Missverständnissen in der Frage der Markierung. Die Literatur hatte nämlich für diese Zeit Pasteiner zum Eigentümer und Leiter der Fabrik gemacht, während doch deren Besitzer bis zur Schliessung der Fabrik nach glaubwür­digen Daten die Schlöglschen Erben gemeinsam waren, Leiter und Pächter aber der Soproner Keramiker Vincenz Stingl. Durch dieses Miss­verständnis entstand die irrtümliche und zugleich unbegründete Folgerung, dass der Betrieb mit seiner traditionellen, alten T Markierung gebro­chen und eine neue Markierung eingeführt hätte. Zur Rechtfertigung dieser irrtümlichen Annahme benützte man die Fayencegegenstände mit der Marke D. P. Abgesehen von den abweichen­den Stilmerkmalen derart signierter Gegenstände und von der unrichtigen Erklärung, wissen wir heute schon genau, dass diese Stücke aus der Gründung des Fürsten Dietrichstein, derFayence­und Steingutfabrik in Mährisch-Proskau (D. P.) stammen. 7 Ebenso war es ein Ergebnis lebhaf­ter Phantasie, dass man aus einer Variante der späteren Marke der Proskauer Fabrik den auf verlängerter Fusslinie stehenden Buchstaben P {<V) mit einer spielerischen Erklärung (Verknü­pfung des Buchstabens P mit einem umgekehr­ten T) in der Bedeutung Pasteiner-Tata nahm. Wie wir unten sehen werden, gab es Leute, die mit schlechtem Lesen auf einigen ausser­gewöhnlichen Stücken die Markierung mit dop­peltem P zu erkennen glaubten und aus dieser irrtümlichen Auslegung auf eine Wirksamkeit und Leitung Pasteiners schlössen. Als authentische Markierung können wir also nur die traditionelle Bezeichnung mit dem Buchstaben T annehmen ; wir können dieser mit zweierlei Färbung, in einer Gruppe blau ge­malter und einer anderen schwarz gemalter T­Buchstaben begegnen. Diese Unterschiede in der Färbung können jedoch mit der Person der Fabriksleiter nicht in Zusammenhang gebracht werden, denn man gebrauchte oft zur selben Zeit in gleicher Weise die Markierung sowohl in blauer als auch in schwarzer Farbe. Ebenso 7 Vergl. C. Schirek : Ueber einige Beziehungen der k. k. Majolika-Geschirrfabrik in Holitsch (1743—1827) zu den verwandten Fabriken Mährens. — Ueber Verbreitung und Absatz des Holitscher Majolika- und Steingutgeschirrs in Mähren. Mittheilungen des Mähr. Gewerbe-Museums. (1896.) S. 57, 105. können wir auch aus der verschiedenen Gestalt des Buchstabens T nicht auf eine strenge Ab­grenzung der verschiedenen Epochen des Be­triebs Schlüsse ziehen. Da die Farben- und Form­varianten der Markierung nie parallel liefen mit dem Wechsel der Fabrikleiter, d. h. mit der Zeitdauer ihrer Leitung, konnten diese nur die induviduellen Handzüge der Maler sein, die die Dekoration oder die Markierung besorgten. Die stilkritisch feststellbare spätere Gruppe des über­lieferten Materials lässt immerhin den Schluss zu, dass mit der Jahrhundertwende, ganz zu Anfang des XIX. Jahrhunderts die Markierung mit dem schwarzen Buchstaben aufhört und nur die blaue Farbe beibehalten wird. Auf den Denkmälern dieser späteren, Verfallspoche fehlt nämlich der schwarze Buchstaben T gänzlich. Dieser Ausfall lässt sich vielleicht am besten mit Radieis Erblindung erklären, denn wir ken­nen keinen anderen Grund ; dann müsste man aber offenbar ihn für den Maler der schwarz­markierten Gegenstände halten. Diese unsere Annahme wird scheinbar auch durch einen von ihm eigenhändig, mit Namen beglaubigten Ta­felaufsatz und eine Reihe mit diesem eng zu­sammenhängender Denkmäler bestätigt. Wenn wir so die äusserste Grenze der Markierung mit dem schwarzen Buchstaben T feststellen, ergibt sich aber die Frage, ob die so markierten Ge­genstände ausschliesslich Radiel als ihren Mei­ster bekennen ? Wir dürfen nicht ausser acht lassen, dass neben Radiel auch der früher an­gesiedelte Maler Martin Metzinger wirkte, ja kurze Zeit Emanuel Modet, ebenfalls ein Fa­yencemaler, die sicherlich eine abweichende Markierung gebrauchten. Denn nur so ist es zu verstehen, dass wir den übereinstimmenden De­korationen ein und derselben Form, bald mit schwarzer, bald mit blauer Markierung begeg­nen. Und wenn Radiel der einzige Schöpfer der mit dem schwarzen T markierten Gegenstände wäre, dann würde der Gebrauch dieser Markie­rung erst nach seinem Erscheinen im Jahre 1778 seinen Anfang nehmen. Nun kennen wir aber aus dem auf uns gebliebenen Material mit schwarzer Markierung auch solche Stücke, die schon zu viel früherer Zeit, noch vor der An­siedelung Radieis in Tata, hergestellt wurden. Wahrscheinlich gehören sie zu den allerersten Erzeugnissen, dafür spricht ihre schwerere Ba­rockform, die Dicke der Gefässwände, ferner die schwerfällige Zeichnung der auf Einflüsse von Rouen zurückzuführenden Motive. Das Muster

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