RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)
Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VI. Die Gründung der Steingutfabrik Fischers (1824)
VI. DIE GRÜNDUNG DER STEINGUTFABRIK FISCHERS. (1824.) In Tata öffnete am 12. Juni 1824 eine neue keramische Fabrik ihre Pforten. Die Fabrik war eine Gründung der letzten Leute, die in der alten Majolikafabrik eine Rolle gespielt hatten. Der eine, Vincenz Stingl ist der eigentliche Leiter, der Fachmann, während der andere, Moses Aron Fischer der Eigentümer ist, der Geld für die Unternehmung gegeben hat. Noch am 17. April hat mit Genehmigung der Herrschaft „im Sinne von Punkt 28 des Wirtschaft-Protokolls der Tataer Jude Aron Fischer, Associé des Steingutfabrikanten Vincenz Stingl, um der Steingutfabrik besser auf die Beine zu helfen" das Tóvároser Haus der Witwe Anna Veigl in der alten Friedhofsgasse (heute Innere König Karl-Strasse) samt ihrem Weingarten und ihren Gärten für 4000 Gulden gekauft. Für den Abschluss des Vertrags gab es nur eine Bedingung. „Dieser Hauskauf wird dem jüdischen Bittsteller nur zu dem Zwecke gestattet, dass er in diesem eine Steingutfabrik aufstellen könne ... und sobald er einmal den Betrieb der Fabrik nicht fortsetzen wollte oder aber keine Möglichkeit dazu hätte, soll er verpflichtet sein, das Haus sofort zum Schätzungspreis einem anderen zu überlassen." 1 Am 6. Juli 1824 schloss A. M. Fischer mit der Herrschaft den Vertrag. ' Der die Werkstatt leitende Fachmann oder, wie das Protokoll sagt, der „Fabrikant" war also Stingl und nicht Fischer, wie das bisher verkündet wurde. Wir wünschen dies deshalb zu betonen, weil in einer Abhandlung über die Geschichte der Herender Porzellanfabrik deren Verfasser, sich auf die mündlichen Familientraditionen stützend, die Begabung. Fähigkeit und Bewandertheit des Verwandten von Moses Aron, des ebenfalls aus 1 Gr. Esterházysches Arch. Protoc. (Inv. Nr. 61.) Nr. 925. 2 Gr. Esterházysches Arch. Contract. (Inv. Nr. 794.) Tata stammenden Moritz Fischer in der Keramik, die sich schon in seinen Kinderjahren gezeigt hätte, hoch über das Wissen Stingls stellt, der „keine Fachbildung" hatte, obwohl derselbe Verfasser vorher festgestellt hat, dass auch dieser Moritz Fischer in Pápa nur Pächter der Steingutfabrik war, ebenso, wie sein Vetter in Tata. 8 Übrigens lässt sich die Behauptung der Verfasserin nicht beweisen, dass der Herender Moritz Fischer aus einer Tataer Töpferfamilie stammte. Denn laut der Daten des Tataer FideikommissArchivs beschäftigte sich sein Vater, Wolfgang Fischer mit Erlaubnis der Herrschaft mit der Lederhandel. Da Wolfgang Fischer nicht Mitglied der örtlichen Töpferzunft sein konnte, haben auch die Daten nicht nur über sein Töpferhandwerk, sondern auch über die noch im Kindesalter bei der Töpferscheibe zu Hause verfertigten Arbeiten und die in dieser sich offenbarenden Begabung seines Sohnes, des späteren Besitzers des Herender Fabrik, Moritz Fischer ihre Glaubwürdigkeit verloren. Diese jede Grundlage entbehrenden und völlig unannehmbaren Traditionen sind jedoch in dem Masse in das allgemeine Bewustsein übergangen, dass die Artikel und Studien, die gelegentlich des jetzigen Centenariums von Herend erschienen, in diesen Gerüchten eine ausgiebige Grundlage zu Benützung von Daten fanden, die der Wahrheit nicht entsprechen. Stingl war also nicht nur Arbeitsleiter der Tataer Fabrik, sondern er nahm, wenn auch in kleinerem Masse, mit seinem eigenen kleinen Vermögen ebenfalls an der gemeinsamen Unternehmung teil. Das Protokoll verweist klar darauf, dass „den Bittstellern, da sie bisher noch keinen Nutzen aus der Fabrik gezogen, sogar zu deren Vervollkommnung ihr eigenes Geld verwendet haben, für die Vergangenheit alles, 3 Ruzicska J.: A herendi porcellán. (1938.) S. 7-8. — Ruzicska J.; A magyar porcellén. (1939.) S. 18.