RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)

Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VI. Die Gründung der Steingutfabrik Fischers (1824)

-122­Was sie noch an Restanzen haben, relaxiert wird und für die Zukunft ab 1. Januar 1824 die von ihnen angebotenen zwei Goldstücke in na­tura acceptiert so lange als ihre Fabrik sich nicht auf besseren Füssen stellt und sie in der Lage sein werden, entsprechendere Zahlungen zu leisten." 4 Der Betrieb wurde mit grossen Hoffnungen und in raschem Tempo in Gang gebracht. Doch schon nach einigen. Monaten zeigten sich Hin­dernisse, und zwar recht schwierige Verwick­lungen. Nämlich „der Tataer Jude Aron Fischer beklagt sich gegen den Fabrikanten von engli­schem Steingut Vincenz Stingl als seinen Teil­haber, dass er bei der Herstellung und dem Brennen der Gefässe sowie auch beim Bau der neuen Brennöfen, durch seinen Mangel an Fach­wissen ihm, der ungeheure Summen im Unter­nehmen liegen habe, schreckliche Schäden ver­ursache, wie er denn auch im neuen Brennofen zweimal das ganze Brennen verdorben habe, dagegen habe ein von Pápa gekommener an­derer Meister, Anton Vindschigl (Windschügel) nach einer Veränderung der Brennöfen voll­kommen gute Gefässe vorgewiesen ; er bitte also, dass er sich von Vincenz Stingl, der ge­gen ihn hadere und ihn jetzt schon mit Willen zugrunderichten wolle, ja ihn sogar öffentlich durch Gewalttätigkeit in seinen Arbeiten beein­trächtige, befreien dürfe und ihm auch bis da­hin Schutz gegen denselben gewährt werde. 5 Die Anklage ist nicht zu verstehen, denn nach einer früheren Feststellung „berechtigen ihre bisher vorgezeigten Erzeugnisse zu grossen Hoff­nungen" und Stingl beschäftigte sich damals in Tata schon das fünfte Jahr mit Steingutfabrika­tion. 6 Die beiden Firmainhaber entzweiten sich also, und als der Zwist noch grösser werde, berief Fischer aus der Steingutfabrik Matthias Winters in Pápa den sehr geschickten Kerami­ker Anton Windschügel, den Sohn von Karl August Windschügel, der mit seiner Familie aus Holies nach Pápa gekommen war und sich dort niedergelassen hatte. Stingl trug jedoch gegenüber dieser Klage seine Gegenklage vor, „dass Aron Fischer die Punkte des Kontrakts nicht einhalte, seine eigenen bisherigen Bemü­4 Gr. Esterházysches Arch. Protoc. (Inv. Nr. 61.) Nr. 688. 5 Gr. Esterházysches Arch. Protoc. (Inv. Nr. 61.) Nr. 5213. 6 Gr. Esterházysches Arch. Protoc. (Inv. Nr. 61.) Nr. 924. hungen und sein eingelegtes Geld ableugnet) wolle, ja sogar ohne seine Verständigung und sein Wissen ihn und seinen Bruder ohne alles aus dem Hause verdrängen wolle, indem er einen anderen Direktor hierher bringe." Die Herrschaft wies die prozessierenden Parteien an den Fiskal mit dem Auftrag „er solle Vin­cenz Stingl Gewalttätigkeiten unter Androhung von Arreststrafe verbieten." 7 Die Erfolge von Windschügels neuerem Brennverfahren machten die Lage und das Ver­bleiben des unglücklichen Stingl jetzt schon un­haltbar. Nach Verlust seines in die gemeinsa­men Unternehmungen gesteckten kleinen Ver­mögens schied er noch vor der Erledigung sei­nes hoffnungslos scheinenden Prozesses von Tata und siedelte sich in Pápa an. Nach dem Ausscheiden des drohenden Firmenteilhabers konnte Fischer sein Unternehmen in der fried­licheren Atmosphäre des allgemeinen Auf­schwungs und der Industrialisierung weiter fort­führen. Windschügel machte er zum Leiter, dieser war aber nicht mehr sein Teilhaber, son­dern sein bezahlter Angestellter. Fischer verstand ebenso wenig von der Steingutfabrikation wie sein Vetter Moritz Fischer, der Eigentümer der Herender Fabrik, von der Porzellanfabrikation. Am Betriebsleben der Fabrik nahm er nicht teil, sondern überliess deren Leitung Fachleuten. In seiner Hand blieb der geschäftliche Teil, die ad­ministrative Führungdes Industrie-Unternehmens, das einträglich zu werden versprach. Der Ruhm der alten Fabrik hatte das Glück Fischers begrün­det und damit hatte er auch gerechnet. Der Zau­ber der Tataer Gefässe war noch nicht erloschen, und um irgendwie über die Schwierigkeiten des Anfangs hinwegzukommen, experimentierte er mit den bewährten Formen der alten Majolikafab­rik und bemühte sich, diese nachzumachen. Na­türlich blieben diese weit hinter den ganz ausge­zeichneten Erzeugnissen der eingegangenen Fab­rik zurück. Wahrscheinlich waren mehrere neue Leute in die Fabrik gekommen, denn aus der Reihe der an sich schon nicht sehr zahlreichen Angestellten, die noch aus Stingls Zeit dort ge­blieben waren, hatten sich viele entfernt. Aber die neu Aufgenommenen bewährten sich nicht immer, und deshalb war die Produktion im An­fang nicht befriedigend. Die Anstellung Wind­schügels brachte später dennoch die erwarte­ten Ergebnisse und die Summe der verschie­7 Gr. Esterházysches Arch. Protoc. (Inv. Nr. 61.) Nr. 5213. (AO 1824 6. XI.)

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