KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

irdische Leben symbolisiert, so zeigt uns auch mancher Künstler, wie solche Naturvorgänge auch allein, rein an sich betrachtet, zum Sym­bol oder Beispiel der Gesamtheit des dies­seitigen Daseins werden können. Nicht der Tod, sondern nur der weisse, unförmliche, der Todesgestalt ähnliche Nebel verdeckt vor dem Schlittschuhläufer den Riss am Eise. Nicht die Erscheinung des Todes, sondern die kalle, unerschütterliche Eiswelt der Bergriesen des Hochgebirges vermag in uns die Vergäng­lichkeits-Stimmung der alten „Totentänze" wach­zurufen. Das Kind würde auch dann nach dem immergrünen Kranz langen, wenn ihn nicht der im Baume hockende Tod hätte fallen lassen. Aber so wird diese Handlung des Kindes zum universell deutbaren „Totentanzbilde" der mo­dernen Totentanzkunst. Das Bild folgt übrigens genau den Motiven eines Gedichtes von Paul Heyse. Und wie sich der Tod in den vier Jah­reszeiten benimmt, das hat uns Beckerath mit einer wirklich knappen und lapidaren Ausdrucks­weise versinnbildlicht : Auch in den Frühlings­blumen liebt der Tod, sein stilles Nachmittags­schläfchen zu halten, im Sommer glänzt sein Skelett am schwarzen Himmel der schwülen Sommernacht in der Gestalt eines mächtigen Blitzschlages, im Herbst pflanzt er in der Ge­stalt eines die Pfeife gemütlich rauchenden Gärt­ners die Gewächse und Blumen für den Kirch­hof und im Winter ist die Schneedecke sein königlicher Hermelinmantel. Diese Bilder von Hans Beckerath illustrie­ren übrigens, den sehr vornehmen und interes­sant-lyrischen niederdeutschen Totentanz von Hans Much. 1 Hier wird die Gestalt des Todes in ganz einfache lyrische Rahmen versetzt, die dann für das ganze irdische Leben bezeichnend sind. Im Frühling singt sich der Tod selbst in den Traum. Als Fiedelmann stimmt er in der kalten Frühlingsluft ein Stückchen an, aber er erweckt damit die kleinen Blümchen, sodass er die Fiedel am Ende doch aus der Hand legt. Mit dem intimen Leben der verschiedenen Ge­wächse, Bäume und Blumen steht hier der Tod in einem sehr engen Zusammenhang und die Blumen und Pflanzen vertreten mit den für sie charakteristischen Eigenschaften die menschli­chen Stände. Der Tod bringt den Aprilschnee, er schickt die „strengen Herren", die drei Eis­männer auf die Welt, und doch ist er auch trotzdem der Schöpfer alles Wachstums. Im Sommergewitter ist der Tod der Blitz und Don­ner, und wenn der Eichenbaum auch nicht ster­ben will, trotzdem er schon genug gelebt hat, so ruft ihm der Tod doch entgegen : „Hüt starwst du in Swögen. Still ! — Ick bün de Herr 1" — und wirft ihn mit seinem Blitz nieder. Dann ist aber auch der lange Sommerregen sein Werk und er steht im Regen, als würde eine ganze Ehrenkompanie an ihm vorüberziehen. Der 1 En nedderdüütschen Doodendanz von Hans Much. Mit Biller von Willy von Beckerath. 1919. Richard Her­mes Verlag, Hamburg. „alte Vater Tod" ergötzt sich auch an der Sorri­merschwüle, er schlichtet auch den Slreit der Mohnblume mit einem anderen Blumengesellen, er ruht unter einer Rosenhecke und guckt wie eine Katze nach den Vögeln hervor, er hat seine Freude an der Ernte und auch an den Mühlen, denn er denkt an seine Ernte und an seine Mühlen, die alle langsam, aber si­cher alles zermalmen. Im Herbst pflanzt er ei­nen schwachen Machandelbaum auf die Heide und freut sich seines Gärtneramtes. Er geht durch das stille Holz, wenn im Herbstwinde die Blätter von den Bäumen wehen, der Früh­reif ist sein Werk und wenn das Wetter hie und da ein bisschen wärmer ist, so kommt das da­von her, dass sich der alte „Vadding Dood" ver­schlief. Die Winterwelt ist sein eigenstes König­reich. Da geht er in seinem königlichen Her­melin durch die Welt und hält am warmen Herd seine Ermahnungen an die Menschen und an alle Lebewesen. Aber nicht nur die Natur und die Eigen­schaften der Jahreszeiten können die Symbo­lik der „allgemein menschlich deutbaren To­tentanzart" mit wertvollen Beiträgen bereichern, auch mit der Hilfe der verschiedensten Volks­märchen und -Sagen können die Darsteller von modernen Totentanzbildern die universelle Deut­barkeit der geschilderten Todes- und Totenmo­tive erreichen. Eines der beliebtesten Motive ist das bekannte Lafontaine-Märchen vom Holz­hacker und Tod. 2 Wenn wir die „Holzhacker­Bilder" von Jean Francois Millet, 3 dem berühm­ten Graphiker und Meister des Stimmungszau­bers der weiten Felder, 4 dann von Leon Lher­mitted dem scharfen Beobachter und dramatisch wirkungsvollen Darsteller der schlichten Bauern­szenen'' und endlich von Alphonse Legros und Ödön Kacziány 7 miteinander vergleichen, so muss uns auffallen, wie diese Märchenszene von den verschiedensten Künstlern fast nach denselben Prinzipien auf das gesamte irdi­sche Leben bezogen wurde. Der Holzfäller wird zum „Menschen" überhaupt, den der Tod in­mitten seines kleinlichen Wesens überrascht und ihm nicht nur seine finstere Seite, ja im Gegenteil seinen kernechten Humor zeigt und füh­len lässt. Der hochbegabte Schöpfer von hu­morvollen Lebensbildern, Ödön Kacziány, des­sen Kunst sich besonders im Kreise der phan­tastischen Visionen wohlfühlt und auch wohl bewehrt, führt uns auf einer Reihe von Einzel­darstellungen den „Mors Imperator", „Mors Eques" vor, diese eigenartige Form des bei Bechstein mit so grosser Vorliebe geschilderten „germanischen Wanderer-Todes," der mil seiner Sense auf einem düsteren Pferde trottend die Landstrassen und Felder entlang nach neuen 2 vgl. Tafel LX1V. Fig. 1-4. 3 1814-1875. 4 Tafel LX1V. Fig. 1. 3 1844-1925. 6 Tafel LXIV. Fig. 2; Tod und der Holzfäller 1893, Amiens. Mus. 7 geb. 1852.

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