KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Opfern Umschau hält, der in seinem schwarzen Talargewand und mit einem finsteren Schlapp­hut und auch mit der unverbleiblichen Sense beschwert an die Türen klopft und in verlasse­nen Gässchen nachts zu jenen Fenstern em­porlauscht, wo der leise Dämmerschein einer noch brennenden Lampe verrät, dass dort je­mand infolge einer unbekannten Ursache bis spät in die Nacht zu wachen gezwungen ist. 1 Von den Volkssagen, die als Mittel zur „allgemein menschlichen Deutung eines Einzel­bildes" in Totentanzmanier verwendet wurden, sind die Sage vom „Tanz in den Tod", dann die Volkssage vom nächtlichen Tanze der Toten im Kirchhof, denen der Tod auf einer Fiedel oder Flö­te zum Tanze aufspielt, weiter die Sage vom Wil­den Jäger, vom „toten Bräutigam" und vom „Raub des Leichenluchs" von besonderer Bedeutung. Auf der Tafel LXV bringe ich eine Reihe von der­artigen Darstellungen. Die Sage vom „Tanz in den Tod", in welcher eine Dirne von einem dämoni­schen Geist in den Tanz gelockt wird, schildert Max Slevogt, 2 der Bewunderer Böcklins, ein an­mutig phantasiereicher Kriegsmaler und Buchil­lustrator. Er verlegt aber das Sujet in eine moderne Umgebung, auf den Tanzboden einer Theater­bühne. Auf einer ungarischen Darstellung aus dem Weltkriege, spielt der Tod auf seiner Geige einer tanzenden Menge auf, in welcher die Sol­daten der verschiedensten Nationen mit jungen Mädchen auf die Töne der Zaubermusik des Todes solange tanzen müssen, bis sie zugrunde gehen. Der Krieg ist also hier durch den „Tanz in den Tod" symbolisiert worden. Derselbe „Flö­tenspieler-Tod" dient auch als ein charakteristi­sches Mittel der politischen Satire (bei Adolf Hengeler). E. Roeber illustriert die bekannte Totentanz-Ballade Goethes über das geraubte Leichentuch und ganz merkwürdig ist es, dass D. Chodowiecki auf seinem Bilde vom „toten Bräutigam" fast garnichts von den alten Toten­motiven verwendet. Dadurch freilich über­schritt er die Grenzen der Sagendarstellung und machte aus dieser einfachen „Illustration", viel­leicht auch unbewusst, ein allgemein mensch­lich deutbares Bild. Honoré Daumier, 3 der im­pressionistische Vorkämpfer gegen alles Klein­bürgerliche, macht aus dem Flötenspieler-Tod eine lyrische Gestalt, welche mit dem „nächt­lichen Tanz" der in den germanischen Volks­sagen mit so grosser Vorliebe geschilderten To­tengeister schon fast nichts mehr zu tun hat Franz Stuck 4 dagegen hat noch auf seinem Bilde „Die wilde Jagd" die ganze Einrichtung der Volks­sage unberührt gelassen, obwohl er in der Ge­stalt des wilden Jägers auch an die apokalyp­tischen Reiter gedacht hat, in deren Mtskedie Totengeister des nächtlichen Gespensterzuges zu einer „Weltplage" umgedeutet und umge­formt wurden. 1 Tafel LX1V. Fig. 5-7. 2 1868-1932. 3 1810-1879. 4 1863-1928. In den Kreis der modernen Holzschnitt­kunst führt uns das Bildchen von Franz Bor­dás, 5 Es stellt die Szene eines ungarischen Dra­mas dar. Das betreffende Drama, Die Schwarze Maria (Fekete Mária) des höchst tallentvollen, jungen ungarischen Dramatikers, A. Karl Be­czeli, wurde auf der Freilichtbühne zu Szeged 1937 mit sehr grossem Erfolge aufgeführt. Es ist ein poetisch sehr wertvolles Mysterienspiel in sieben Bildern und behandelt eine in Szeged bekannte alte Legende von dem wundertätigen Marienbilde der schönen Franziskanerkirche in der „Unteren Stadt" von Szeged. Das Marien­bild geht zur Zeit der Türkenbelagerung plötz­lich verloren und der mit kernigem Realismus und sehr charakteristisch gezeichnete junge Bursch, András, zieht auf die Suche nach dem Bilde aus. Ein vom Standpunkte der symboli­stischen Poesie sehr interessante Reihe von „Sta­tionen" durchwandernd gelangt dieser Bursche in einen verlassenen Friedhof, wo er zur Mitter­nachtszeit einen alten Totengräber antrifft, der ihn auf den bald beginnenden nächtlichen Tanz der Toten aufmerksam macht. Dieser Totengrä­ber singt übrigens eine in kaum einige Zei­len zusammengedrängte kleine ungarische Ballade von einem verliebten Burschen, der schliesslich in die Tiefe des Grabes stürzt. Diese kleine, wahrlich sehr poetische Ballade erhielt vom hochbegabten Komponisten des Mysterien­spieles, des bekannten Musikdirektors von Sze­ged, Prof. Kolman Antos, eine sehr liebliche Melodie, welche mir der Komponist selber ge­legentlich eines Besuches zeigte. Er schrieb auch zu dem darauffolgenden „Totentanz" der Geister eine sehr interessant klingende, meister­haft instrumentierte Begleitmusik, welche durch die in einen 4A Takt verborgene 3U Taktein­teilung eine merkwürdig hinkend charakterisier­te Tanzmusik ertönen lässt. Diese „Totentanz­Musik" von Prof. K. Antos weicht demzufolge von der bisher bekannten Stilart der „Toten­tänze" von Saint Saéns und Franz Liszt be­trächtlich ab. Nachdem der Totengräber einen ungarisch-volkstümlichen „Zauberspruch" her­sagt, erscheinen aus den Gräbern die Toten. Unter ihnen ist ein Totengespenst zugleich auch „der Tod" selber. Die übrigen Geister, welche sämtlich als Skelette erscheinen, werden so ähn­lich charakterisiert, wie die Toten der „Wilden Jagd". Sie singen übrigens ein verstechnisch sehr gewandtes und inhaltlich aus den interes­santesten ungarischen Volksmotiven dieser Art entwickeltes, auch auf der Bühne furchterregen­des Totentanzlied. Bevor sie aber den Burschen und den Totengräber ergreifen könnten, erschei­nen die ersten Strahlen der Morgendämmerung und der wilde Tanz der Toten verstummt, die Geister verschwinden. Auch die Tafeln LXVI-LXVII führen uns in das künstlerische Geheimnis verschiedenster moderner Totentanz-Zeichner ein, die zur all­6 Tafel LXV. Fig. 8.

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