KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

lustrator ganz unerwartete Einfälle I Sehen wir zu, wie er den Gedanken „Omnes morimur" im Bilde zum Ausdruck bringt ! Der Tod sitzt an einer „Menschenorgel", deren einzelne Pfeifen­röhren durch Hüte und Standesabzeichen als Vertreter der verschiedenen Stände gekennzeich­net sind. In der ganzen Geschichte der künstle­rischen Entwicklung der Totentanzbilder steht dieses Bild ganz vereinzelt da ! Aber auch die Szene, wie der Tod die Soldaten aus der Stadt führt, wie er alle Lämmer scheert, die sich ihm aus einer Kirche nähern, und wie endlich die „göttliche Hand" mit dem Wetzstein die Sense des Todes schleift, damit der Skelett-Tod den Magier niedermähen kann, der durch seine ma­gischen Künste die Pestilenz in der Wienstadt verbreitet hat, alle diese Szenen zeigen trotz ih­rer häufigen Trivialität, oder besser gesagt, ihrer primitiven Darstellungsweise eine kommende Zeit voll Witz und guter Einfälle an. 1 Ganz herrlich und von imposanter Wir­kung ist der Symbolismus in den Szenen des Werkes „Sterben und Erben" von Abraham á Sta Clara. Schon das Triumphbild zeugt von einer Wucht der Darstellungskraft, welche erst später in den Totentänzen des XIX. Jahrhun­derts wiederkehrt. Wie es der Vorbericht des mir aus der Berliner Staatsbibliothek zugeschickten Exemplars bemerkt, sind die Kupferblätter des Buches die Arbeit eines Franziskaners. Der Text behandelt verschiedene Sterbeszenen, u. zw. mit den Geschehnissen der Passionsgeschichte Christi parallel. Das eigentliche Werk beginnt mit der „ersten Figur". Eine jede „Figur" stellt eigent­lich dieselbe, aber sehr abwechslungsreich ge­zeichnete Sterbeszene dar. Der Kranke oder der Sterbende sitzt oder liegt am Bette, an welchem ein Engel erscheint. Dieser Engel weist mit der Hand meist auf eine Szene der Leidensge­schichte des Heilands, welche auf einem ein­gerahmten Bilde hoch in der Luft zwischen Wolken schwebend und von Putten getragen erscheint. Aus dem Sterbezimmer fehlen auch die trauernden Verwandten und die „glückli­chen Erben" nicht. 2 Im ersten Teil des Werkes werden die Szenen des letzten Abendmahls auf die Szenen des Sterbens bezogen. Interessant ist das Titelblatt des zweiten Teiles, in welchem die Szenen nach dem Abendmahl bis zur Kreu­zigung folgen. Auf diesem Titelblatt wird der „Spiegel des guten Todes" dargestellt. Uber Em­blemen der Grabessymbolik erscheint die männ­liche Gestalt der Zeit, und Tod und Engel strei­ten um die Seele des Verstorbenen. Das Titel­blatt des dritten Teiles illustriert den Gedanken, dass der Heiland nur einmal für unsere Sün­den starb. Der bedrängten, an die Welt gefes­selten Menscheit eilen der Glaube, die Liehe und Hoffnung (alle drei als Weiber personifiziert) zu Hilfe. Im Hintergrund werden der Tod und der Teufel von Engeln vertrieben. Auf dem Titel­1 vgl. Tafel XIV. Fig. 1-5. 2 vgl. Taf. XV. Fig. 1—2 und dann weiter 3—6. blatte zum zweiten Teil steigt der Tod, ein wil­des Skelett, aus einem Grabmonumente, wie später auf den Bildern von A. Rethel. Noch origineller sind die Szenen der „To­tenkapelle" von Abraham á Sta Clara. Selbst das Titelblatt mutet uns schon fast wie ein Bild aus einer „historischen Einzelbilderreihe" an. Um das Porträtbild des Verfassers erscheinen symbolische Gestalten des Ruhms und der Ver­gänglichkeit und Nichtigkeit der Welt, sowie die Personifikationen der Tugenden und des Gebets ; sie verscheuchen den Tod. 8 Und nun folgt eine lange Reihe von verschiedensten und interessantesten „Totentanz-Szenen", in denen aber sehr häufig weder eine Todesgestalt auf­tritt, noch irgendwelche Andeutung des Tanz­motivs vorkommt ! Da haben wir gleich ein eklatantes Beispiel in der Sündenfall-Szene ! Sie bleibt auch hier der Eingang zum Totentanz, aber anstatt die Todesgestalt auftreten zu lassen, werden die Äpfel des verbotenen Baumes in der Form von Totenschädeln dargestellt. Wie auch bei dem Bilde des Gelehrten, so werden überall lateinische Zitate aus der hl. Schrift an­geführt und dann mit deutschen Versen erläu­lert. Die Kerze des Gelehrten löscht der Tod aus, wie der „Gevatter-Tod" im bekannten Märchen. Ja, dieses Werk liefert uns sogar die ersten Beweise für das Vorhandensein der „allge­mein menschlichen Totentanzauffassung" schon im Barockzeitalter ! Wie könnten dann sonst die symbolischen Gestalten des „Wasser-Todes", 4 des „Pest-Todes", 6 des „Feuer-Todes" 6 und des „Erdbeben-Todes"' in einem Totentanz Platz finden ? ! Und wie könnte sonst die Szene mit der aus einem Felsen hervorströmenden Quelle anders gedeutet werden, als dass hier schon das Bild der Natur selbst den Totentanz-Gedanken gebirt ! 8 Und wenn die „irdische Eitelkeit" als ein Pfau mit Totenkopf gezeichnet wird, so ist dabei fast garnichts mehr vom alten „Totentanz" zurückgeblieben. Ganz merkwürdig, wenn der Tod in der Gestalt eines Gärtners das Gesträuch im Hofgarten mit einer Gartenscheere schneidet und stutzt und wenn man dabei an die „Hof­leute" denken soll. 9 Die Verbindung der Todes­gestalt mit dem Kreislauf der Zeit, 1 0 der Tod, welcher auf einem Hirsch reitet. 1 1 der König, der vor einem offenen Sarge die Verwesung am Leichnam eines toten Königs betrachtet, 1 2 — alle diese Szenen, sowie auch das Bild des Tanz­paars 1 3 und der eleganten Hofdame, 1 4 sind da­gegen wieder echte Totentanzbilder nach altem 3 vgl Tafel XVI. Fig 1-7. 4 Taf. XVI. Fig. 4. 5 ebenda Fig. 5. 3 ebenda Fig. 15. 7 ebenda Fig. 16. 8 vgl. Tafel XVIII. Fig. 17. 9 Taf. XVI. Fig. 6. 1 0 Fig. 7. 1 1 Fig. 19. 1 2 Fig. 21. 1 3 Fig. 8. 1 4 Fig. 14.

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