KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Schnitt. Wenn der Tod den Blasbalg des Du­delsackes mit seinem Pfeile durchlöchert, 1 wenn er, — in der Gestalt des „wilden Jägers" — den Jäger selbst mit dem Pfeile trifft, wenn er den Bauern mit dem reifen Kornschnitt ver­gleicht, so können wir wieder der Tatsache nicht widersprechen, dass es sich in diesem Werke sicherlich um einen alten Totentanz handelt ! Symbolismus ist eine barocke Eigenart dieser Totentanzszenen und der Blinde, den der Hei­land heilt, wird zum Symbol der durch die Pracht des irdichen Lebens geblendeten Mensch­heit 2 und der Alte, den der Tod aus dem Ker­ker befreit, wird zum Symbol der menschlichen Seele und der Kerker bedeutet den Körper. 3 Uraltes Motiv vereinigt mit diesen originellen Einfällen das Bild von der „himmlischen Waa­ge", wo Infel und Kardinalhut auf der einen Waagschale mit dem Stundenglas und der Sense des Todes auf der anderen Waagschale kein Gleichgewicht halten können. Während sich in den Totentanzwerken Abraham ä Sta Claras Symbolismus und Reali­sierungsbestrebung miteinander paaren, steht die Realisierung im Stuttgarter und Erfurter Totentanz im Vordergrund. 4 In beiden Toten­tanzreihen sind die Standesvertreter meist Porträt­bilder und haben mit der zeitgenössischen Ge schichte, mit den Lebensverhältnissen ihrer ei­genen Gegenwart die engste Verbindung. In beiden Totentänzen fesselt uns schon der Ro­kokostil, ja etwas Biedermeierliches. Mit spiele­rischer Anmut wird uns das Kleinliche des ir­dischen Treibens im Rahmen von Genrebildern aus dem Leben der zeitgenössischen Stände geschildert. Dann erschien erst der wahre, grosse Künstler auf dem Gebiete des Totentanzes 1 Der erste überhaupt seit Holbein 1 Er hiess Da­niel Nikolaus Chodowiecki. 6 Wenn er auch für grössere Kompositionen kein Vermögen besass, so hatte er doch immer seine Freude daran, ein ..Seelenmaler" zu sein, das Kleinbürger­liche humorvoll und mit Witz zu charakterisie­ren. Und wenn er auch hie und da in den ge­1 Fig. 9. 2 Fig. 11. 3 Fig. 12. 4 vgl. Taiel XIX-XX1. 6 geb. 1726 in Danzig und gest. 1802 in Berlin ; vgl. die beiden Tafeln XXII und XXIII ; die Bilder entnahm ich einem sehr seltenen Exemplar, das mir i. J. 1939 die Königsberger Bibliothek auf das Ansuchen der Direktion der Staatsbibliothek zu Berlin zur Verfügung stellte, so dass ich die Originalausgabe an der Szegediner Univer­sitätsbibliothek trotz der unsicheren Zeiten ungestört be­nützen konnte. Bei dieser Gelegenheit sende ich meine wahrlich tief empfundene Dankbarkeit an die Direktion zu Königsberg mit der Bitte, es zur Kenntnis zu nehmen, welche Freude mir diese zuvorkommene Grosszügigkeit in der Unterstützung meiner Forschungsarbeit bereitete, und welche Bewunderung und Anerkennung ich jenen zolle, die es mit dem Bewusstsein, eine Kulturmission zu erfül­len, gewagt haben, trotz der dazwischengekommenen Un­ruhen. einem Ausländer die Vollendung seiner Arbeit in unerschütterlich ruhiger Zuversicht und immer verlässlicher Hilfeleistung zu ermöglichen ! spreizten, theatralischen, pathetischen Bewegun­gen noch immer ein barocker Künstler blieb, so war er dafür wieder ein ganz origineller Rea­list, dem es am Herzen lag, alles am lebendi­gen Objekt gegenständlich zu beobachten. Schon als Emailmaler verstand er es in seiner Jugend, Familiengruppen, häusliche Szenen zu zeichnen und nach längeren Versuchen in der Crayon­manier, in Aquatinta, in der Schabkunst, sind für die Entwicklung seiner Kunst seine Verbin­dungen mit den Verlegern Berliner, Gothaer und Göttinger Taschenkalender von entscheidender Wirkung gewesen. Und wenn er sich auch dem Modegeschmack häufig anpasste, so wen­dete er sich auch wieder gern gegen Modetor­heiten. Schon ununterbrochen in Berlin ansäs­sig veröffentlicht er nicht nur die Illustrationen zu Minna v. Barnhelm, zu Lavaters „Physio­gnomie", sondern erlangt einen Weltruhm durch jene 12 Totentanzszenen, die er noch 1791 ra­dierte und 1792 in einem Frankfurter Kalender veröffentlichte. Seine sorgfältige Technik, die schlichte Detailarbeit in der Atzung, das höchst reine Verfahren in Strich- und Punktiermanier fei­ern im Totentanz ihre grösste Blüte. Das kleine Bändchen, welches mir vorlag, hatte vorne ein Exlibris von Dr. Otto Schultz, mit einem skizziert angedeuteten Totentanz: „Hie hebt sich an desTo­des Tanz, / Der hat gut Acht auf seine Schanz". Am Titelblatt des Kalenders erscheinen oben links ein Engel mit Sichel und Garbe und oben rechts wieder ein Engel mit Blumenkorb, die Leiden und Freuden des irdischen Lebens per­sonifizierend. Links unten eine Bacchus-Gestalt, die den Saft der Weintrauben in einem Kelch auffängt. Weiter rechts unten erscheint ein männliches Haupt mit einem Feuerkessel. Die vier Gestalten vertreten eigentlich die „vier Jahreszeiten." 6 Einleitend enthält das Bändchen Blätter mit zeitgenössischen Modetrachten, eben­falls ein Werk von Chodowiecki. Bei einem je­den Monat steht dann ein Totentanzbild in Kupferstich und die Seiten I —VIII bringen dazu die „Erklärung der 12 Monathskupfer". In der Beschreibung halte ich mich gelegentlich auch an diesen erläuternden Text des Kalenders, denn er zeigt uns in seiner Rokokoart die wei­teren Aussichten der Totentanzentwicklung. Der Tod, dessen Waffenträger die Herrschsucht und der Geiz sind, schleicht auf dem Bilde des Kö­nigs von rückwärts herbei und auf einen Schlag wird der Monarch selbst dem geringsten seiner Untertanen gleich. Es erscheinen eigentlich zwei Skelettgestalten und besonders das Skelett, wel­ches den König mit dem eigenen Zepter soe­ben erschlägt, wird ganz phantastisch-märchen­haft gezeichnet. Wirklich rührend, wie der Tod die Mutter davonträgt. Er wagt es nicht, der schönen Frau ins Gesicht zu sehen, er fürchtet sich vor dem Augenglanz des Lebens und es tut ihm leid, dass er die Kleinen erschrecken * Unterschrift der Bilder : D. Chodowiecki del. / F. L. Neubauer Sculp, an Francfort.

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