KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

Aus diesem „ewigen Schlaf" gibt es kein Er­wachen. Eine kriegerische Szene bietet das Gedicht: G. Der Goldene Berg. 1 Die Schlacht bei Port Arthur. Der Hauptmann der Burg lässt bei stiller und finsterer Nacht das Gebiet um die Burg unterminieren. Am Morgen zieht der Feind ge­gen die Festung und — ein stolzes Regiment steht schon auf dem unterminierten Bend. Oben drückt der Hauptmann den Knopf der elektri­schen Leitung und — — — — Port Arthur ist doch gefallen. Im Sinne des allgemeinen Totentanzbe­griffes wird hier eine Szene der Geschichte ge­schildert, ohne den Tod oder irgendeinen Toten auftreten zu lassen. Die Kriegsgefahr wird im Gedichte H. Hongkong 2 empfunden. Das Postschiff „Hong­kong" fährt am Gelben Meer von Nagasaki nach Tsingtau. Zeit : nach dem russisch-japanischen Kriege. Die Seeminen schwimmen unter der Meeresfläche frei umher; das Schiff kann in jeder Minute in die Luft gesprengt werden. Für dieses Gedicht ist die Beschreibung der durch die Nähe des drohenden Todes verursachten Todesfurcht der Mannschaft typisch. Auch im nächsten Gedichte finden wir keine „Totentanzmotive" : J. Jesus. 2 Es wird eine Stelle aus Luk. 23. zitiert. Die Beschreibung des Todes Christi als eines geschichtlichen Er­eignisses ist ein Totentanz in modernstem Sinne. Ganz merkwürdig und motivgeschichtlich sehr bemerkenswert ist das Gedicht : K. Kanone. 4 Der Dichter erzählt, dass er noch als Kind in den Ausstellungspark zu Brüssel geführt wurde. Man blieb vor einer mächtigen Kanone stehen. Er bat seine Vettern, ihn zur schrecklichen Mündung der Kanone zu heben. Aus Spass hat man aber seinen Kopf in die Mündung des Rohrs gesteckt. Um ihn zu erschrecken, sagten die Verwandten, sie wollten die Kanone jetzt abfeuern. Er wollte seinen Kopf schnell befreien, blieb aber stecken. Er beschreibt, mit welchem Todesgrauen er die gewundenen Läufe der Ka­none betrachtet hat, bis man ihn endlich be­freien konnte. Was in diesem Gedicht erzählt wird, ist eine alltägliche Begebenheit und die Personen sind in keiner Todesgefahr. Es ist die Toten­tanzauffassung der neuesten Richtung. Das Gedicht : L. Lawine 6 führt uns wieder in die herrliche Bergwelt. Ein liebliches Dorf liegt im schneebedeckten Tal. Das Leben zieht sich behaglich in die Häuser zurück. Nur die Kinder spielen am Wiesengraben. Sie spielen auch Lawine und rollen sich die Wiese her­unter. Der Wanderer-Tod schaut ihnen grinsend zu und lacht so schneidend auf, dass die Kin­der plötzlich stumm werden und furchtsam nach 1 S. 125. 2 S. 130. 8 S. 133. 4 S. 134. 5 S. 136, Hause gehen. Da steigt der Wanderer auf die schneeweissen Berge hinauf. Die Leute im Dorf rufen dem scheinbar irrsinnigen umsonst zu, sie mahnen ihn mit Horn und Rakete zurück­zukehren, es nützt nichts, denn er klettert im­mer weiter im Schnee, bis er endlich in einer Spalte verschwindet. Eine Rettungskolonne mu­tigster Männer klettert ihm nach. Sie sind schon weit oben in der grossartigen Schneewelt und hören schon das furchtbar kreischende Geläch­ter des seltsamen oder irrsinnigen „Bergsteigers". Sie sehen ihn schon. Er liegt im Schnee und rollt abwärts. Mächtige Schneemassen sammeln sich um ihn. Er verwandelt sich langsam in eine grosse Schneekugel, die zu einer schreck­lichen Lawine angewachsen das ganze Dorf zertrümmert. Wir können darauf verzichten. Beweise dafür anzuführen, dass diese Todesgestalt mit dem Bechstein'schen germanischen Tod iden­tisch sei. Die Ähnlichkeit des Gedichtes mit dem des Totentanzes von A. Frey, Nr. 10. Die Dohle, beweist ausdrücklich, dass auch das Totentanz­alphabet von Ponten eine Einzelbilderreihe ge­mischter Art ist. Ein werkwürdiges Gedichtlein ist : M. Ma­gnifikat. 6 Es ist ein Preislied auf die Lebenslüste, die weder Gott, noch ein ewiges Leben vor­aussetzen. Sehr humorvoll gestaltet sich das Gedicht : N. Napoleon. 7 Ein ebenso primitives Visionsge­dicht, wie jene von H. Sachs. Der Dichter schläft in einer kühlen Ecke des Pariser Invalidendoms ein ; erwacht aber erst gegen Mitternacht. Er kann nicht hinaus, erst am Morgen öffnet man wieder die Kirche. Da muss er freilich unbe­dingt eine Vision haben. Die unruhigen Geister der Verstorbenen des französischen Kaiserhau­ses schieben einen grossen, roten Sarg, den Sarg Napoleons aus der Gruft, denn sie können diesen Eindringling unten nicht brauchen, da er auch in der Unterwelt die Strategie nicht lassen kann und jeden Toten belästigt. Das ist eine Szene der germanischen To­tensage. Das Gedicht : 0. Das Opfer, 8 ist eine To­tentanzszene mit der „allgemeinen Totentanz­auffassung". Auf geschickte und rührende Weise werden die Gedanken eines Verurteilten, den man schon zum Galgen führt, beschrieben. Wie er die Schritte zählt, dann die Minuten, die Se­kunden, wie er vom Leben Abschied nimmt. An sich selber denkt der Dichter im näch­sten Stücke : P. — —• — (Ponten). 9 Im Jahre X, im Orte Z, in der Strasse Y, wird einmal an einer Tür, an einem blankgeputzten Schild der Name Ponten stehen. Dieser Ponten wird hier mit seiner schönen Frau glücklich leben. Eine Nacht wird dann plötzlich ein grosser Sturm ausbrechen und : 8 S. 140. 7 S. 142. 8 S. 146. 9 S. 150.

Next

/
Thumbnails
Contents