KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

„Ein Zettel hängt morgens unter dem Schild, das nicht mehr blinkt und gleisst, ein Todesknecht hat ihn mit Speichel [geklebt, drauf steht : Vorläufig verreist." Der Tod hat hier „Knechte", wie bei Bech­stein und Vörösmarty. Während alle anderen Menschen hoffnungslos sterben müssen und umsonst um die Unsterblichkeit „heulen", wird hier für den Namen Ponten weningstens soviel zugelassen, dass er „nur vorläufig" verreist sei, — ja, auch die heilige Eigenliebe kann religiöse Hoffnungen diktieren 1 Allegorie, Märchenwelt und Totensage ver­einigen sich im Gedichte ? Q. Die Quelle. Baum­feen ruhen sich an einer Waldquelle aus. Der klappernde Knochenmann überrascht sie. Seine Stirne trieft vom Schweiss. Die Mädchen flüch­ten sich und er ruft sie umsonst zurück. Da ba­det er seine Knochen im kühlen Wasser und dies Wasser bringt Seuche für Stadt und Land. Eine Szene der rein allegorischen Bilder-* reihe. Zugleich aber eine „Totensage". Die Todesironie der alten Totentänze er­wacht im Gedichte : 2 R. Der Retter. Ein Schiff nähert sich der Küste und kämpft mit den mächtigen Sturmwellen. Den Jubelruf der Ma­trosen, die schon das Land sehen, erstickt aber bald ein furchtbares Unglück. Das Schiff bricht plötzlich entzwei und die eine Hälfte des Schif­fes verschwindet in den Wellen. Vom anderen Wrack, das auch schon mit dem Untersinken droht, schwebt das Wasser die Schiffsleute nacheinander herab, während man am Land umsonst versucht sie zu retten. Da erscheint ein dürrer Geselle in Mantel und Hut, er lenkt den Kahn mit sicherer Hand durch die beben­den Wogen und rettet die unglücklichen Ma­trosen aus der Gefahr. Alle schauen vom Ufer grauenerfüllt dem mutigen Gesellen nach, aber seine Kräfte soll niemand bezweifeln, denn sein Kahn ist im grössten Sturm am sichersten, „er rudert lachend das Boot sogar bis in die ferne Ewigkeit . . ." Es ist ein allegorischer Everymantodestanz. Wirklich meisterhaft ist die Motivvariation im Gedichte : S. Der Schnellzug. 3 Der Schnell­zug von Ostende erreicht, aus einem Tunnel hervordonnernd, die Grenzstation. Gendarmen und Zollbeamte revidieren alles. Der Zug trabt weiter. Auf einmal gellen drei furchtbare Pfiffe und als der Heizer die Feuerungstür öffnet, da sieht er auf der Maschine zwei Skelette mit blutrot flatternden Mänteln, „wie im stolzen Triumph die Mäntel der Walküren". An der Grenze fiel niemandem ein, auch das Zugsper­sonal zu revidieren ? Die Gestalten der germanischen Totengei­ster (der Walküren) werden in ein modernes Milieu hineigestellt, zwar mit allegorischer Be­1 S. 154. 2 S. 157. 8 S. 151. deutung, aber ohne das allgemeine Leben zü symbolisieren. Die Skelette sind „die Gefahr", die den Schnellzug während der Fahrt unaus­gesetzt bedroht. Ein weiteres Gedicht : T. Der Tod 4 ist eine auf Totentanzmotive verzichtende Reflexion darüber, dass nicht nur der Mensch Sklave des Todes sei und der Tod der Tyrann des Men­schen, sondern dass auch der Tod dem mensch­lichen Befehl folgen müsse, wenn jemand das Leben durch einen Selbstmord von sich werfen will. Da der Tod zu einer unsicheren Zeit ein­tritt, wäre es viel schöner, wenn sich der Mensch auf den Tod vorbereiten könnte und dann sich selber in voller Lebenskraft, ohne Krankheiten, im Besitze seines vollen Bewusstseins das Leben nehme. — Im Gedicht „Das Opfer" wur­de gegen die Todesstrafe gepredigt. In diesem Gedicht Pontens wird der Selbstmord verherrlicht. Ein Problem der feigen Weltanschauung unseres Zeitalters. Ponten scheint in dem Spiel solcher dissonanten Töne seine Freude zu finden. .Wertlos ist das Stück : U. Das Unbekann­te, 5 Über dieses Gedicht, das überhaupt kein Totentanz ist, wäre eigentlich nichts zu bemer­ken. Es ist eine Flut der lächerlichen „Senti­mentalität", die der Dichter bevor so starken Willens meiden wollte. Allegorischen Sinn zeigt das Gedicht : V. Von. 6 Herr von Fichtenhausen ist sehr auf sei­ne Ahnen und auf seinen Adel eingebildet. Er liebt Pläsier und Jagd. Gerade jetzt zieht er auch auf die Jagd hinaus. Er steigt auf sein stolzes Ross und ein Treiber erhielt von ihm einen Peitschenschlag, da er die Steigbügel nicht halten wollte. „Es war ein knochiger, dürrer Gesell mit zerschlagener Nase und gänzlicher [Glatze. Er bestand nur aus Knochen und Fell [und er schwur : Hol' dich der Teufel bei dieser Hatze." Am Ende der Jagd bringt man samt der Beute auch den Herrn zerschmettert daher. Die Todesgestalt in einem allegorischem Verhältnisse : als Jäger, Treiber. Eine Szene aus dem Leben der von al­len Menschen verlassenen Armut ist : W. Der Weber. 1 Ein alter Weber denkt voll Kummer daran, dass das Linnen auf den bestimmten Termin nicht fertig wird. Während er still ar­beitet, tritt ein junger, freundlicher Mann zur niederigen Tür herein und sagt : „Mein Freund, Ihr habt genug getan". Der Alte nickt, dann schläft er ein. Der Fremde setzt sich zum Web­stuhl und webt das Linnen fertig, legt den Al­ten hinein und begrabt ihn im stillen Garten. „Nun ist ihm vor dem Termin nicht mehr bang". 4 S. 164. 6 S. 166. 6 S. 169. 7 S. 171.

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