KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

mit Blumen. Dadurch wollen sie aber nur die Sterblichkeit verschleiern, denn die Toten, die dort unten in der Erde liegen, sehen und rie­chen keine Blumen mehr. Diese Betrachtung des Friedhofes geht in eine Verherrlichung des Epikureismus über. Man soll sich in eine Schenke setzen, soll lachen und Wein trinken und die „sentimentalen" Schmerzen durch fröhliche Le­benslust verbannen. Torheit wäre es, sich we­gen des Unwandelbaren zu grämen. Der erhabene Ernst der Totentanzmotive wird hier durch verblüffend nichtssagende An­schauungen erniedrigt, weiche die Menschheit schon vor zweitausend Jahren überwunden hat. Hier ist kein Fortschritt, sondern ein Rückfall zu verzeichnen. Motivgeschichtlich sehr bemerkenswert ist das nächste Stück. 1 Früh morgens ruht der Dich­ter am Waldesrande. Da marschiert aus dem Walde ein Zug von kleinen Skeletten hervor, die kaum über das Wiesenkraut emporragen. „Sie trugen Schlapphütchen keck und frank/ und Mäntelchen, sorgsam gebügelt, / und kleine Sensen, in denen blitzblank / die Morgensonne sich spiegelt." Ohne Führer ziehen sie weiter lachend und scherzend, ihre kleinen Gerippen­gestalten — die vielleicht alle zusammen in einer Konservbüchse Platz hätten — krachen im wackeren Marsch. Sie ziehen talabwärts und ver­schwinden in einem Fabrikstor. Da leuchtet grell die Aufschrift am Fabriksdach auf : A. Schulze & Söhne, Pulverfabrik, Granaten- und Bomben­werke. Zeitgenössische Verhältnisse werden hier mit dem modernen Motiv der germanischen Toten verflochten. Die Erzeugung der Mordge­schösse geschieht duch die Mitwirkung der ger­manischen Totenskelette des „wütenden Hee­res", die aus ihrem Heim, aus dem finsteren Walde, scharenweise in die weite Welt hin­ausziehen, um überall zu töten und alles zu verheeren. Haben sie etwas vernichtet, da grin­sen sie hämisch. Es sind die germanischen „Todes-Tofen", die „Todes-Kinder". Ohne Totentanzmotive, bloss einen tragi­schen Fall aus dem Leben zweier Liebenden bietet das nächste Stück. 2 Zwei Liebende wa­ren Studenten in Paris an der hohen Sorbonne, eine Nowgorodin und ein Student aus Caras­sonne. Sie wohnten beim alten Cluny, aber das wilde Leben Hess sie die friedlich stille Liebe im Klostergarten nicht lange geniessen. Die Brü­der des Mädchens kämpften in weiter Ferne um die Freiheit des Vaterlandes. Das Heimweh lockte die Nowgorodin nach Russland zurück. Der treue Jüngling reist ihr nach. Er trifft sie in der mit Gefahr beladenen russischen Stadt. Er will sie voll Freude umarmen, aber sie stösst ihn entsetzt zurück und zeigt ihm ein gräss­liches Geschoss, das an ihrem weissen Busen mit mörderisch drohendem Schimmer hängt. Zu derselben Minute wird sie von der Polizei ver­1 B. Bomben. (S. 112). 2 C. Cluny (S. 114). haftet und vom Feldgericht zum Strang vertii­teilt. Der Jüngling muss ihrer Hinrichtung bein­wohnen und kehrt bebenden Herzens nach Pa­ris zurück. Es ist ein kurzes Liebesdrama der Gegen­wart. Da treten weder der Tod, noch irgendein Toter auf, doch ist auch dieses Gedicht ein „Totentanz", der sich auf die moderne Anschau­ung des „allgemeinen Totentanzbegriffes" stützt. In dem Gedichte D. Dies irae folgt eine unwahrscheinliche Mönchsgeschichte.'Der Predi­germönch, Pater Cölestin, der heute die Predigt halten müsste, ist krank. Als er aber den wü­tenden Prior sieht, der ihn zur Predigt zwingt, beherrscht er sich doch und steigt auf die Kanzel. Statt einer Bussrede hält er aber eine allzu weltliche Predigt : Der Tod ist nur dann schrecklich, wenn man das Leben in fröhlicher Lust vorher nicht ausgenützt hat. Der Prior, die Mönche und das Volk hören entsetzt zu. End­lich springt der Prior in „heiliger Wut" auf, be­steigt die Kanzel und tötet den Teufelsprediger mit einem Faustschlag. — Sie gruben ihn vor der Kirchhofspforte in ein gottverlassenes Grab. Dieses Gedicht verrät die nicht allzu un­eingenommene Denkungsart des Dichters, ist tendenziös eingestellt und hat weder mit den alten, noch mit den neuen Totentanzmotiven etwas zu tun. Der Dichter Hebt die unwahr­scheinlichsten und grellsten Widersprüche. Zur „einheitlich symbolisierenden Art" ge­hört : E. Eisenbahn, 4 Es ist eine kühle, stille Winternacht. Im harten Schnee erstarrt der stumme, finstere Wald. Nur ein Bächlein mur­melt leise unter dem Eise. Talabwärts führen Eisenbahngeleise und am Eisenbahndamm zeigt das grüne Licht des Blocksignals „frei". Aus der Ferne hört man schon das Donnern des Zuges. Unweit vom Signal hat jemand zwei Schienen aufgerissen, die Schrauben Hegen am Boden zerstreut umher. Und von Knochensohlen stei­gen Spuren ins Gebirge hinauf. Es war der Tod, der die Schienen aufhob. Rauh und realistisch klingt : F. Der Fau­lenzer, 6 Der Faulenzer Hegt gern in seinem Bette. Sein grösstes Vergnügen ist, sich in die wei­chen, duftigen Kissen hineinzugraben. Jedoch es fällt ihm jeden Abend ein, ob er am andern Morgen aufstehen werde. Er wurde dreissig Jahre alt ; da rühmte er sich stolz, dass er schon zehn­tausendmal fröhlich aus dem Bette stieg. Plötz­lich bricht eine Seuche aus, nur Katzen und schwache Leute sterben daran. Auch für den Faulenzer bringt sie Tod. Er wird in ein Bett gelegt : ohne Kissen und Bettwärme. Das Grund­wasser des Ackers tropft herein, der Holzwurm bohrt. ..Auch dieses Gedicht trägt Eigenschaften der Übergangsart. Die Schilderung des Schick­sals des Leibes ist aussichtslos und entbehrt ästhetische und weltanschauliche Grundlagen. 3 S. 117. 4 S. 122. 6 S. 123.

Next

/
Thumbnails
Contents