KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

17. „Na cht Schnellzug im Wald". 1 Der Schnellzug ist das Leben. Ein beliebtes Sym­bol des modernen Totentanzés. Der Tod fährt auf einem Schnellzug gern mit, da während der rasenden Fahrt der Bahn die Gefahr eines Un­glücks sehr nahe ist. Der Tod findet am vor­deren Teil der Lokomotive einen guten Platz und schläft ein. Die während der Fahrt des Zu­ges ständig drohene Gefahr in der auf der Lo­komotive schlafenden Todesgestalt zu personifi­zieren, ist ein gut gelungener Einfall, besser ge­sagt, Kunstgriff des Dichters: „schwehlt und loht die Lichtung. Vornher, erdenfahl und hager, Auf dem russbehangnen Lager Lehnt der Tod, vom Schlaf befangen Und der Thau netzt ihm die Wangen." 17. „Das Kinderfest" . 2 Der Tod, der ewi­ge Wanderer, kommt vom Schlachtfelde und will sich unterwegs ausrasten. Da sieht er ei­nige Kinder, die lustig tanzen, singen und spie­len. Diese Früchte sind für den Tod noch un­reif. Aber er fühlt das Bedürfnis, mit der lusti­gen Kinderschar zu spielen. Die Unschuld und Reinheit hat für ihn, für den alten Sünder, ei­nen besonderen Reiz. Auch er will in unsc' ul­diger Freude tanzen : Doch wer Tanzt mit ihm, der ewig einsam ist ? Also knixt er leicht vor seiner Sense, Fasst sie und, die Füsse zierlich setzend. Tanzt er selbstvergessen auf und nieder." Aus dem blutgierigen Tod wird hier ein gut­mütiger Mensch. 18. „Waldgang". 3 Auch hier erscheint der Tod nicht deswegen, damit er einen Menschen töten kann. Seine übrigens indifferente Gestalt personifiziert die immer drohende Todesgefahr Als der Dichter im Walde einen Spaziergang gemacht hat, ging an ihm ein ergrauter, hohläugi­ger Bannwart vorüber und hat ihn im Vorüber­gehen lauernd angegrinst. Der Dichter hat ihm nachgeschaut, aber er ist im Waldnebel plötz­lich verschwunden. 19. „Bergpredigt". 4 Wie im 17. und 18. Gedicht, so erscheint auch hier der Tod nur in einer indifferenten Form. Er hat keine mörderi­schen Absichten, aber er ist überall unsichtbar und unbemerkt anwesend und lacht, wenn die Menschen ahnungslos über ihn sprechen. Der Geistliche predigt eifrig über den Tod. Da tritt plötzlich unbemerkt ein grauer Wanderer in die Kirche und setzt sich gleich auf die Bank, die sich bei der Kirchentür befindet und wo sich meistens die Bettler ausruhen. Kaum hat aber der Geistliche folgende Worte der hl. Schrift apostrophiert : „Wo ist dein Stachel Tod ?" — ist 1 S. 63. 2 S. 67-68. 3 S. 71. 4 S. 75-76. schon der Wanderer zweideutig lächelnd auf­gestanden und hat die Kirche schnell verlassen. 20. „Das Schlummerlied", 6 Ein allegori­sches Bild aus das Sterben. Eine blonde Jung­frau sitzt träumerisch am Springbrunnen. Der Tod erscheint- und spielt ihr auf seiner dürren Flöte ein schwermütiges Schlummerlied vor. Sie schläft ein und schläft — ewig. Kuglerartiger Symbolismus. 21. „Und also in Ewigkeit..." 6 Der Dich­ter stieg einst auf einen Hügel hinauf und schaute in die Dämmerung hinein. Da sah er „In zartem Dämmerschein einen bleichen [Zug : „An dürrem Stabe schritt der Tod einher Und langsam hinter ihm die blassen [Scharen, Die er an diesem einz'gen Tag entrafft, Zahllos wie Ähren einer Sommerflur. Von immer neuen Reihen schwoll der Zug; Doch von den hunderttausend Sohlen bog Nicht eine mehr den schwächsten Halm, [wie ihn Der leise Hauch der Abendlüfte beugt." Dieses Schlussbild des Totentanzes von Frey, ein einheitliches, symbolisches Bild für das Le­ben und Sterben der gesamten Menscheit der ganzen Erde, ist schon aus dem Bechstein To­tentanz bekannt. Auch bei Bechstein ist die ganze Erde ein grosses Grab, das von den Gei­stern, von den Seelen der Verstorbenen ver­lassen wird. Während aber der Tod bei Bech­stein diese Wanderung der Seelen von der Er­de ins Weltall nur passiv betrachtet, wird er bei Frey der Führer der Geister, die, wie das „wütende Heer" der germanischen Totensage, geräuschlos über die Wiesen eilen und spur­los verschwinden. Nach der germanischen My­thologie wandern die Seelen der Toten in gros­sen Gruppen in die Überwelt und Helja oder eine Walküre ist ihr Anführer. Der Totentanz von Frey ist keine rein al­legorische Einzelbilderreihe, wie jene von Kug­ler. In den symbolischen Szenen tritt die moder­ne Todesgestalt, der germanische Tod auf. Das Bild vom Schnellzug und die Schlussszene sind ein Symbol des Lebens der Menschheit und können schon als ein Übergang zur allgemein menschlichen Totentanzauffassung betrachtet werden. Eine Einzelbilderreihe gemischter Art, wie jene von A. Frey, ist auch der lyrische Totentanz von Joseph Ponten: Augenlust.' Das erste Stück 8 ist eine lebhafte Schilde­rung des Weltschmerzes. Die Menschen suchen die Gräber ihrer Lieben auf und weinen, weil ihnen ihr eigenes Ende einfällt. Um die Unsterb­lichkeit „heulend" schmücken sie die Gräber 6 S. 79. 6 S. 83-84. ' Eine poetische Studie über das Erlebnis und ein Totentanzalphabet. Stuttgart und Leipzig. 1907. 8 A. Allerseelen (S. 109).

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