KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VIII. Die historische Einzelbilderreihe im Well-krieg

Stücke. Am Rand des Grabens aber sitzt der Kritiker des Allg. Deut. Bier- und Intelligenz­blattes dumm in sich hinein brummend. Es ist der Herr Dr. Skatmann-Kannegiesser : „Nich' mal hier hat man sein' Ruh ". . . . sagt er verdrossen. Damit wäre die Reihe der Totentänze in der Form der „historischen Einzelbilderreihe" abgeschlossen. Einzelne Werke, welche zwar von einem Text begleitet, zum Zwecke bildli­cher Darstellung die Totentanzmotive so ähnlich gestalten, wie es nach Holbein auch Bechstein tat, sollen im abschliessenden Kapitel über die künstlerische Gestaltung der Todesbilder ein­gehender besprochen werden. Dies gilt beson­ders vom Totentanz von J. R. Schellenberg, A. Rethel, C. Merkel und J. G. Flegel, sowie von Fr. Pocci, F. Barth, Tobias Weiss, Otto Wir­sching und A. Kubin. Einiges wurde ja auch schon über diese berichtet. VIII. Die historische Einz Die Schrecken des Weltkrieges sind häufig die Quelle der „modernen" Kunst und Dich­tung, in welcher zwei Richtungen zur Geltung kommen : Entweder wirft sich der Mensch in das Wirklichkeitsmeer, dessen Wogen im Welt­kriege immer höher stiegen und den Menschen auch in der Nachkriegszeit und infolge der un­gerechten Friedensverträge seitdem mit neuen Kriegsverheerungen zu ersticken drohen, oder man flüchtet sich vor der blutigen Wirklich­keit und Todesnähe, welche die brüllenden Ra­chen der Kanonen der Welt verkünden, in das Reich der indifferentesten Symbole. Deswegen wurde die Totentanzidee wäh­rend des Weltkrieges und in der Nachkriegszeit zur Mode. „Der Weltkrieg ist ein Totentanz" : das ist der Grundgedanke der meisten Vergäng­lichkeitsdarstellungen. Die Ereignisse des Welt­krieges erzählt der Dichter als seine eigenen Erlebnisse und nennt sie „Totentanz". Auch der „Totentanz des Weltkriegs" ist also eine histo­rische Einzelbilderreihe. Nur drei grosse Totentänze des Weltkriegs sollen hier untersucht werden : von C. Fr. Wie­gelnd, von Jul. Sauer und von Melchior Grossek. „Dichtungen von Carl Friedrich Wieg and. Mit elf graph. Kunstbeilagen von Hans Witzig. Totentanz. 1914—18." 2 Diese Sammlung von Totentanzgedichten von Wiegand besteht aus 37 Szenen. Eine ganz besondere Bedeutung hat das 31. und 33. Gedicht. Der Tod ist im 31. Gedichte 3 der Anführer der toten Soldaten, die nach seinem Befehl in das Jenseits marschieren sollen. Der Dichter liegt schon wochenlang im Krankenhause, wo er die Gastfreundschaft des „dürren Herberg­vaters, Hein", des Todes, geniesst. Im Fieber­traum hört er die dumpfen Schritte der mar­schierenden Soldaten. „Hein, was ist's? Wer pocht ? Wer lockt ? Wer ruft ?" — fragt er den Tod. Dieser führt ihn zum Fenster und zeigt auf die Strasse : „Schau hinunter ! — Meine Bataillone". Da sieht er, wie zehnmal hundert blasse Divisionen auf das Kommando des To­des vorübermarschieren. Der Tod ist ihr General, ihm gebührt der Parademarsch : 1 Tab. B. I. a. 3 + II. ab. 5. s Zürich. 1919. 8 31. „Die Ehrenlegion". bilderreihe im Weltkrieg 1 „Uber dem Leben, über dem Grab, Waltet der Tod mit seinem Stab ! Richtung, meine Truppen 1 Schwenkt ein in Vierergruppen, Im Abstand einen Schritt ! Vorwärts 1 Paradetritt 1" Skelette, Beine, Knochen Führt an der Marschall Hein. Schon sieben volle Wochen Marschiert's in Viererreih'n 1 Schwarzer Husar und Tambour Takt Rücken die Köpfe empor exakt. Ohne Kopf, der Matador, Hebt noch steil das Schwert empor . . . Und der alte General Trägt das Genick noch hart wie Stahl . . . Leutnant, Garde, Infantrie Schienken, fleischlos noch das Knie ..." Ein ähnliches Motiv befindet sich im 33. Gedichte : „Was gäbt ihr drum ..." Der Tod reitet durch einen Soldatenfriedhof. Die toten Soldaten steigen aus ihren Gräbern und folgen ihrem General. Diese Szenen haben in Bezug auf das Drama von Ernst Toller eine aussergewöhnliche Bedeutung. Interessant und neuartig sind die Illustra­tionen des Wiegand-Totentanzes. Am Tage der Kriegserklärung ist der Tod mit einer lodernden Fackel der Anführer der demonstrierenden Menge (1). Der Tod, ein gefährlicher Demagog, schwarz gekleidet, mit grossen weissen Manschetten, hetzt das Volk auf die Schlachtfelder (2.; vgl. mit den Rethel-Bildern); zu seinen Füssen sind zwei Schädel hinter das Geländer gesteckt. Der Tod, in Kentaurgestalt, jagt mit einer grossen Fahne über die Schlachtfelder und stösst mit einem hinteren Fuss das Kreuz um. In den Ma­surischen Sümpfen liegt ein ungeheurer Schä­del, in dessen offenen Mund die unabsehbarste Menge von russischen Kriegern hineingetrieben wird. Am Schlachtfelde erscheint der Tod auf einem Esel reitend und reicht den Verwunde­ten und Sterbenden den Todestrunk. Der Tod sitzt in einem Kirchhof auf einem Grabstein. Er hat sich eine mittelalterliche Panzerkleidung an­gelegt und hält mit teuflischer Blutgier ein Men-

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