KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes
ist der Pförtner der „Ruhe", nur er selbst findet keine Ruhe ( Kardinal). 10. Im glühroten Schoss der Vulkane kaut der Tod vor sich hin und das Lavameer vernichtet die ganze Gegend. Durch die Wolken fliegt dann der bleiche Tod ins deutsche Reich und als eine Zofe der Kaiserin verkleidet verkündet er ihr das nahe Ende. Ihre Liebesbriefe sind in falsche Hände geraten und deswegen wird sie ihr Leben wegen der Eifersucht ihres Gemahls unter dem Henkerbeil enden. Der Tod stellt sich auf das Hochgericht und hält dem versammelten Volk eine Rede. Der Tod ist hier auch ein Scharfrichter, wie Luzifer in den Miltiades- und Danton-Szenen. 11. Die Königin. Diese Szene wurde schon besprochen-. Sie war scheinbar das Vorbild Moellers. 12. Der Bischof. 13. Der Kurfürst. Der „König Tod" hat viele Diener: den Hass, die Rache, den Zorn, die Wut, den Neid, die Missgunst, die Wollust. Das sind lauter böse Geister, die wir „die Kinder des Todes" nennen. 14. Der Tod tötet den Abt und eilt als ein Narr verkleidet ins Irrenhaus. In seinem Narrenlied kommt die teuflische Todesmacht zum Ausdruck. 15. Der Priorin bringt der Tod die „neue Märe", dass ihr Bruder, der Abt, gestorben sei. Sie wirft sich in die Flut des Stromes. 16. Dem Grafen erscheint der Tod in der Gestalt des toten Bruders, den der Graf selbst ermordet hat. Die Leiche bedeckt der Wind mit Sand, wie die Pyramide des Pharao bei Madách. 17. Den Domherrn erwürgt der Tod. Er ist als ein Jäger des Domherrn verkleidet. 18. Der Richter liess sich vom Reichen, der das Kind des Armen erschlagen hat, bezahlen. Der Arme erblickt den Tod. Er zerbricht den Richterstab des Richters und ermordet den Richter ebenso, wie den Reichen. 19. Der Anwalt. Hier tritt der Tod als der König der Unterwelt auf. In einem eingestürzten Bergwerk, dessen kaum gebaute Stollen er umgestürzt hat, blickt er in die graueste Vorzeit zurück, als er noch die grossen Riesentiere vernichtet hat. Sein Thron ist ein Mammutknochenberg, um ihn versteinerte Palmen : „Da kam's ihm vor. als hab er schon einmal Umwandeln müssen in dem Jammerthal, Und habe sich gewiegt in Flamm' und Fluth, Und habe schlummernd tausend Jahr geruht . . . Dann träumt' ihn, dass er längst gestorben wär'... Und wandle nur noch als Gespenst umher, Und in den Riesenthieren rund um sich Sah er sein fürchterliches Ich . . ." 20. Nachdem der Tod den Ratsherrn niedergeworfen hat, ruht er sich auf einer kleinen Insel bei Afrika aus. Das Gedicht kann sich nur auf Napoleon beziehen, der 17 Jahre vor der Erscheinung des Bechslein-Totentanzes auf der Insel Elba in Gefangenschaft schmachtete. Ein schon vergangenes historisches Ereignis wird hier als Zukunft dargestellt. 29. Der Tod fliegt nach Ägypten. Er besucht die Mumien. Er kennt sie gut. Oross war ihr Ruhm und auch ihr Fall. Wohin ist alles verschwunden ? Halb verwehte Pyramiden sind nunmehr die stummen Zeugender vergangenen Grösse. Auf dem Leviathan reitend fliegt der Tod über das Meer und erblickt eine Galeere, in der eine Sklavenschaar an ihre Ruder geschmiedet mit einer Knotengeissel zur Arbeit gezwungen wird. Das ist ein jammervolles Bild der entmenschten Menschheit. — Es ist besoncters interessant, dass dieses Bild mit der Pharao Szene der „Tragödie des Menschen" verwandt ist Auch dort werden die Pyramiden im Wüstensand verweht, auch dort erscheint die Mumie des Pharao und auch dort wird das furchtbare Leben der Sklaven dargestellt. „Fern, wo die hohen Pyramiden ragen, Der Wanderer, der flügelschnelle, stand. Und wandelt einsam an des Nilus Strand, Und sass auf Sykomorasarkophagen. Es war so still am trüben, trägen Nil, So freudenlos die Gegend, menschenleer ; . Im Uferschilf lag manches Krokodill, Und sonnte sich, und späht' nach Raub umhet. Der Pilger dachte längstvergangner Zeit, An Memphis Pracht, an Möris Einsamkeit ; Als noch in Thiergestaltung, wunderbar, Osiris Sonnengottheit heilig war. Als noch das Isisbild in Sais stand. Und sich der Memnonssäule Klang entwand. Wohin das alles ? Ach. verwischt, verweht, Wie Farbenzauber von dem Blumenbeet, Wenn sich die Gottheit hinter Wolken birgt. Und rauher Herbst die Sonnenkinder würgt. Dahin, dahin I — Der Wandrer schlich sich sacht Zu Mumien in der Pyramiden Nacht. „Euch kenn' ich alle I" sprach er still für sich : „Ich hab' ein treu Gedächtniss —" und entwich, Und blieb in ewigen Ruinen stehn, Von Tempeln, wie die Welt nur einmal sie gesehn. Und trat zu Sphinxgebilden . . ." 30. Der Tod besucht auch den Nordpol. Die Welt des ewigen Eises hat er lieb. Auch diese Welt ist seine Arbeit. Dieses Gedicht erinnert an die Eskimo-Szene von Madách. 31. Die Toten, welche im Meer ertrunken sind, huldigen vor ihrem Herrn, vor dem König Tod. Diese Szene wurde in Bezug auf die Ballade von Johann Arany : Hídavatás (Brückenweihe) besprochen. Am Ende dieser Szene beschreibt Bechstein die Entstehung der Religionskriege durch die Hetze des Todes. Der Tod kümmert sich um keine Religion (?) und betrachtet mit teuflischem Hohngelächter, wie die Menschen das Heiligste in den Dienst seiner niedrigsten Zwecke stellen. Der „Iota"-Krieg der Tankred-Szene der „ Tragödie des Menschen" ist ebenfalls die List eines bösen Geistes, Luzifers. 32. Den Edelmann, der den Bauernstand mit den Füssen tritt, tötet der Tod als ein Bauer verkleidet. Die Revolutionsstimmung, welche bei Rethel und in der Danton-Szene bei Madách wiederkehrt, wird bei Bechstein durch den Tod verkörperlicht, bei Madách aber durch Luzifer 33. Der „Greis" ist bei Bechstein ein weltberühmter Sänger und Dichter. Als Bechsteins Totentanz erschien, lebte Goethe noch und in diesem Gedichte wird der künftige Tod des grossen Dichters vorausgesagt. Sein Ruhm siegt aber über Tod und Vergänglichkeit. 34. Die tiraut. 35. Den Fürsten tötet der Tod samt seiner Frau. Der Fürst und die Fürstin sind die personifizierte Zeit und das Leben. Der Tod, ihr uneheliches Kind, ist stets zugegen, wenn sie sich küssen, wie das Gerippe in der Tankred-Szene bei Madach. Die Liebe besiegt den Tod. 44. Diese Szene ist für uns, die wir „Die Tragödie des Menschen" für einen Totentanz halten, die allerwichtigste Szene des Bechstein-Totentanzes. Der Tod will seinen Kampf gegen Gott aufgeben, er möchte die Erde verlassen und fliegt in den weiten Weltenraum hinaus. Er kann aber diese kleine Erde nicht verlassen, er muss ihrer Anziehungskraft folgen und zurückkehren : „Auf Flügeln dunkeln Nachtgewölkes strebte Der Schattengenius, ein bleiches Meteor, Vordem die Furcht erschrak, zum Firmament empor..." Wir können uns noch erinnern, dass Luzifer am Ende der XIII. Szene der Tragödie des Menschen den erstarrten Adam von sich stösst und Adam, wie ein neuer Planet im Weltenraum weiterkreisen soll. Verfolgen wir weiter die Darstellung Bechsteins : „Und sah herab (der Tod), wo grau verhüllt der [Erdball schwebte. Es war, als wenn ein grosser Leichenzug Still feierlich durch Aetherräume walle Die Erd' ein dunkler Sarg, verhüllt vom Wolkentuch, Die Sterne Fackelträger alle, Der Mond gleich vor dem Sarg, als bleicheTodtenfrau, Fühllos und kalt, und ewig schweigend, Sich zu dem Grab — der Zeit — hinunter neigend, Versteinert das Gesicht — die Lockenweiss und grau. Hat Madách den Totentanz Bechsteins gekannt, so muss man bekennen, dass das Arbeitszimmer eines grossen Dichters wahrlich einer Hexenküche ähnlich ist.