KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
V. Die allegorische Einzelbilderreihe
seine Taten knapp vor der Todesstunde auf die Todesgestalt übertragen. Die handelnden Personen der Szenen sind nicht mehr dieselben, wie bei Heine und Uhland. Auch in der Todesstunde sucht der Mensch sein Glück und will sein Leben behalten. Der Tod erfüllt die Wünsche der Menschen, aber auf eine ganz andere Weise, als sie es selbst hofften Die symbolische Deutung einer jeden Szene ist von der Deutung der vorangehenden Szene unabhängig. Die Handlungen einzelner Personen haben in erster Linie reale Bedeutung, können aber auch symbolisch gedeu tet werden. Die Tat eines Menschen im Leben ist gleichzeitig die Mordtat des Todes im Sterben. Jeder Mensch hat einen realen Wunsch, dessen Erfüllung der Mensch vom Leben hofft. Diesen Wunsch abererfülltderTod symbolisch. Das Kind spielt und pflückt Blumen (f.). Da naht plötzlich „ein schöner Geselle", das Kind glaubt, einen seiner Spielkameraden getroffen zu haben und spielt mit ihm. Er ist aber der Tod, spielt mit dem Kinde und während des Spieles führt er es in ein Land, wo es ewig ungestört spielen kann. Wer also mit dem Tod „spielt", der stirbt. Der Knabe (II.) spielt mit seinen Kameraden „Ritter und Räuber". Auf einmal naht der Tod. Der Knabe glaubt einem seiner „Gegner" zu begegnen. Er kämpft mit ihm und stirbt. Der Knabe kämpft aus Spiel, aber der Tod nimmt es ernst. Das Mädchen (III.) hat nachts an den Geliebten gedacht. Es kann nicht mehr einschlafen. Eine geheimnisvolle Kraft treibt die Verliebte aus dem Bett und zum Fenster. Da sieht sie auf der Strasse ihren „Geliebten". Er spielt Zither. Sein Lied ist aber kein Liebeslied, esistein Schlummerlied,dasden „ewigen Schlaf", bringt. Der „Geliebte* ist der Tod. (Von Loewe in Musik gesetzt). Der Student (IV.) zecht in einem Wirtshaus. Da kommt sein Freund und „Kamerad Brandfuchs" ins Gasthaus. Alle Anwesenden werden still und traurig. Umsonst will der Student sie ermuntern. Der „Kamerad" ist aber der Tod und das weiss der Student nicht. Tod: (setzt sich zu ihm und zecht mit ihm) ..Sechs Gläser vor! fürcht mich halt nicht!" Student : „Zwölf nach, vermaledeites Kalksgesicht !" Der Wanderer (V.) ist von jenem Gasthof, den er heute erreichen will, noch sehr weit. Der Tod führt ihn in das „Gasthaus", in dem alle Menschen Platz haben, — ins Grab. Ein Kranker (VI) hat einen Mord am Gewissen und glaubt im Tod, in dem Knochenmann, sein Opfer zu erblicken. Der Tod wirft ihm sein sündhaftes Leben vor und stürzt ihn in die Hölle. Kugler hat ausser Uhland und Heine noch einen interessanten Vorgänger. In dem Prosatotentanz „Herr von Rumpelmeier" 'von Karl Weisflog, der schon 1827 in Heils Abendzeitung in Dresden erschien, 1 macht der Erzähler mit dem Tod Bekanntschaft. Die Szenen sind nicht symbolisch, wie bei Kugler. Der Tod ist anfangs 1 Vgl. ..Phantasiestücke und Historien" Bd. IX. Dresden und Leipzig, Arnoldi 1839, gütig, mild, freundlich, wird aber immer unheimlicher. Schon bei Weisflog wandert der Tod durch die Welt, daher kann auch dieser Totentanz als ein Vorgänger des Bechstein'schen Totentanzes betrachtet werden. Er erscheint überall in der Stadt, wie bei Abraham ä St. Clara in Wien. Einen Greis, der an der Brücke sitzt, führt er in das Jenseits. „Herr Rumpelmeier" erscheint auch an einer Table d'höte und der Schwindsüchtige, mit dem er gütig lächelnd spricht, stirbt. In einem Garten spielt er mit zwei scharlachkranken Kindern, die im Fieberwahn der Krankenwärterin entsprungen sind und wirft ihnen Blumen in den Schoss. Satanisch grinsend spielt Herr Rumpelmeier in einer Spielhöhle mit einem wüsten Roué und der Erzähler sieht, wie der Tod den Spieler an den Haaren die Treppe hinunterschleppt — ein Pistolenschuss fällt .... Der Tod schmettert den Baron an einen Eckstein — und auf der Wache wird festgestellt, dass der Spieler einen Selbstmord begangen hat, obwohl der Erzähler den Herrn Rumpelmeier verklagt, dass dieser der Mörder sei. Der Tod erscheint auch auf einem Ball, wo er eine Tänzerin nach der anderen totwalzt. Endlich will Rumpelmeier auch die Braut und die Schwester des Erzählers zum Tanz locken, aber der Erzähler fordert ihn auf die Pistole. Auf dem Kirchhof, wo er mit Rumpelmeier das Duell ausfechten sollte, erklärt ihm dieser, dass er sein Lebensretter sei und verspricht, den Erzähler einmal in seiner Wohnung aufzusuchen. Am 26. Juli 1825 (also drei Jahre vor seinem Tode) liegt Weisflog in schwerer Krankheit. Da wird ihm der Herr Rumpelmeier gemeldet. Er will sich durchaus nicht abweisen lassen, trotzdem ihn Weisflog nicht empfangen will. Herr Rumpelmeier wartet im Vorzimmer auf die Antwort und brummt zum Zeitvertreib einen Gassenhauer vor sich hin und schlägt die Kastagnetten zum Liedchen. Nachdem der Diener meldet, dass Herr Weisflog den Herrn Rumpelmeier nicht empfangen kann, lacht dieser hell auf und meint, „es sei nur ein Spass gewesen, damit er bei dem Herrn nicht in gänzliches Vergessen gerate, er lasse sich schönstens empfehlen und behalte sich das Vergnügen auf ein anderes Mal vor ..." — Nur eine einzige Szene hat einen symbolischen Charakter : der Tod wirft den kranken Kindern Blumen in den Schoss. Die übrigen Szenen sind Everyman-Todestänze, die den Tod in einem realen Rahmen des zeitgenössischen Lebens auftreten lassen. Dieser Versuch der Realisierung ist hauptsächlich in der Szene des Spielers bemerkbar, wo der Spieler wirklich einen Selbstmord begeht, wo die Todesgestalt nur für den Erzähler sichtbar ist, aber für alle anderen Menschen überflüssig wird. Dass sich Herr Rumpelmeier gerade während der Krankheit des Erzählers zur „Audienz" meldet, erinnert an die lübische Sage von Goswin, die Traun bearbeitet hat. Dabei hat die Everyman-Todesgestalt schon etwas vom germanischen Toten geerbt.