KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

V. Die allegorische Einzelbilderreihe

Das Motiv des „Zu-Tode-Tanzens" ist auch ein Totenmotiv. Auch der Name bedeutet ein teuf­lisches Wesen, das alle Menschen „überrum­pelt", obwohl ,,-meier" auch mit dem „Holz­meier" des Everyman-Todestanzes..identisch ist. Weisflogs Totentanz bedeutet den Übergang zur symbolischen Einzelbilderreihe Kuglers und zum germanischen „Wanderer"-Tod Bechsteins. Die bedeutendste moderne allegorische Ein­zelbilderreihe ist das symbolische Drama von Mechtild Lichnowsky : Ein Spiel vom Tod. 1 Im Vorspiel treten Brüderchen Tod und Brüderchen Schlaf auf. Im ersten Bild ist der Tod der Doktor Deprofundis. Im zweiten Bild ist der Tod ein Gelehrter, der in seinem Studierzimmer arbeitet. Er ist der Erbfeind der Mütter. Zu ihm kommt ein Künstler und „das Mädchen", beide haben schon manches über ihn gehört und beide bewun­dern den grossen Meister der Kunst und Liebe. Auf dem Gartenfest spielt der Tod einer Tänzerin zum Tanz auf (Tod mit Triangel). Dann erscheint er aber im eleganten Gesellschaftsanzug von der Jugend begleitet. Er stellt sich dem Königs­sohn vor. Als Spezialist für Geburtshilfe und Nekrose hat er mit dem Leibarzt des Königs Auseinandersetzungen. Der Hausherr ruft den Tod, da die Jugend mit ihm spielen will. Er spielt aber nicht mit Karten. Der Königssohn fordert den Tod auf, seinen richtigen Namen zu sagen. „Wer bist du ?" Der Tod beruhigt ihn, dass er sein Wesen bald erkennen werde. Der Schlemmer kommt, nimmt den Tod beim Arm und fällt sogleich tot zu Boden. Der Königssohn erkennt ihn erst jetzt. Das vierte Bild spielt wieder im Studierzimmer des Todes. Der Kö­nigssohn liegt krank auf dem Lager und bekennt dem Tod seine Liebe zum „Mädchen", das aber leider die Braut des Todes ist. Der Tod gibt seine Braut frei Das Mädchen soll den Königssohn pflegen. Aber auch „der Maler", der Künstler liebt das Mädchen. Der Künstler will das Porträt des Mädchens malen, sieht aber bald ein. dass ihre Schönheit unerreichbar ist. Das Mädchen erkennt im Tod ihren ver­storbenen Geliebten und verliebt sich in den Tod. Mädchen und Tod wohnen in einem Hause. Der Tod erkennt in dem Künstler sein Brüder­chen Schlaf. Die Dame X ist die „Frau Welt", sie ist die Feindin des „Mädchens", der Seele. Das Mädchen will ihren vermeintlichen verstor­benen Geliebten, den Tod, umarmen, aber die­ser muss der Geliebten aus dem Wege gehen, da sie ja durch seinen Kuss sterben würde. Sie umarmt ihn aber doch und sinkt tot nieder. Im Nachspiel trauert der Tod am Grabe des Mädchens ; das Grab liegt in seinem Reiche, in einer „unwirklichen" Landschaft. An den Gräbern und an dem Tod fährt die Dame X, die Welt, mit einer heiteren Gesellschaft vor­über und kümmert sich nicht um den „Geist", den Tod. Drei Musikanten spielen Drehorgel, Geige, Bass. Müde Menschen ziehen vorüber, 1 Neun Bilder für Marionetten. Leipzig, Wolff. 1915. Lasttragende, Liebende, Kinder usw. „Hier hat die Dame Welt den Sieg erstritten. Sie und die andern gleiten, blind für den [Tod, davon . . . Du, Mädchen, lerntest lieben den armen [Meister Tod, Du sahst, dass er ein Wandrer, sahst seine [alte Not" sagt der Tod. Er ist also „der Wanderer", der verstorbene „Geliebte" des Mädchens ; also „der germanische Tote" Bechsteins. Trotzdem kön­nen wir das Werk zu den allegorischen Einzel­bilderreihen rechnen, da der Tod in einem sym­bolischen Rahmen auftritt. Im Jahre 1939 erhielt ich vom bekannten Dichter und Schriftsteller, Heinrich Eckmann, den ich gelegentlich seines Besuches in Szeged kennengelernt habe und nun zu meinen geehr­testen Freunden rechnen darf, das- Manuskript seines sehr interessanten niederdeutschen To­tentanzes, der am Totensonntag des Jahres 1938 in Kiel uraufgeführt wurde. Den Text be­kam ich aus der Heimat des Dichters, Hohen­westedt i. Holstein, und es gereicht mir zur be­sonderen Freude, dass ich bei dieser Gelegen­heit auch dieses Stückchen besprechen darf. Der Titel : „De Lebenswegg, een nedderdütschen Dodendanz" verrät uns schon, dass es sich hier um ein einziges, symbolisches Bild handelt. Das „einheitlich symbolisierende Bild" des „Lebens­weges" würde es also wünschen, dass das Stück unter den Belegen einer späteren Dich­tungsart des Totentanzes erwähnt werde. Nun aber treten uns in symbolischen Verhältnissen die einzelnen Standesvertreter entgegen, sodass sich aus dem „einheitlich symbolisierenden Bil­de" eine wahre „Einzelbilderreihe" symboli­scher Wertung entwickelt. Die kernige Sprache des Stückes, der altertümlich und nordisch-ernst anmutende Stil des künstlerischen Aufbaus ver­einigt mit einer entsprechenden Begleitmusik ver­fehlte seine Wirkung auf die Zuschauer sicher­lich nicht. Im Walddickicht lauert der Alte Mann, indem er nach beiden Seiten des Weges spähend auf seinen heimkehrenden Sohn wartet Dieser Waldweg ist aber der „Lebensweg", auf ihm zieht die geplagte Menschheit an dem Al­ten Mann vorüber. „De ole Mann" hat den festen und unerschütterlichen Glauben, dass er solange nicht sterben wird, bis er seinen Sohn nicht wiedersieht. Dieser soll bald aus der Fremde heimkehren. Er soll das Leben vom Alten über­nehmen und fortsetzen, er soll den Faden des Lebens, das der Alte nunmehr bald lassen muss, weiterspinnen, er soll auf die grosse Frage die Antwort geben, denn das Alter lebt in der Ju­gend weiter, das Leben ist ewig. Mit diesen Gedanken steht der Alte auf seiner Warte, als sich ihm „Fründ Hein", der Tod beigesellt. Er kommt „von ungefähr" daher und scheint sich vom Alten nicht mehr trennen zu wollen. In dem Alten und dem Freund Hein stehen Leben und Tod einander gegenüber. Aber die

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