KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

V. Die allegorische Einzelbilderreihe

das Tanzgewühl. Aus den Irrenhäusern werden die Wahnsinnigen freigelassen. Die Geschäfte werden demoliert. Uberall Rauchwolken und Ruinen. Auf dröhnenden Kraftwagen kommen die „Führer" des Tanzes, lauter zweifelhafte Existenzen. Aber der Tod besiegt auch sie mit seiner kreischenden Fiedel. Endlich bricht der Tag an . . . auf den Strassen fahren die Autos, der Tanz zieht weiter. Die Toten, die Leichna­me liegen im Kot und Schmutz. Auch der Tod hört auf zu spielen, legt den Bogen nieder und fährt mit seinen Henkersknechten am Lastauto vergnügt aus der Stadt . . . Der grossartige Ball ist zu Ende . . . Das Morgenrot wird von den Hähnen nicht begrüsst. Niemand erwacht mehr in dieser Stadt zu einem neuen Tag. Überall Ruinen Die Stadt, die Provinz, das Land — ist tot". Im Weltkrieg hat man grosse historische Ereignisse der Gegenwart meistens mit Motiven der Totensage dargestellt. (Fr. Wiegand : Toten­tanz 1914—18; E. Toller : Die Wandlung, usw.) Eine dem „wilden Jäger" ähnliche Sage wird von Mikszáth Kálmán in der Erzählung „Das schwarze Gespann" 1 benützt, um die heik­len Einzelheiten einer Dorfgeschichte vor dem Leser verheimlichen zu können. Es ist ein geist­reicher Kunstgriff, durch den der Dichter die wahre Geschichte in der Form einer Volkssage nur ahnen lässt. In dem Geburtsort des Dichters hat man viel über ein schwarzes Gespann gesprochen, das mit drei Pferden und einem finsteren Kut­scher (der seinen abgeschnittenen Kopf in sei­ner Hand hält und dessen Peitschenknall weit hörbar ist) wild durch den Nebel saust. Mit der Zeit verliert es sogar ein Rad, aber eine ge­spenstige Kraft lässt den Wagen doch nicht umfallen. Der Stuhlrichter, Rédeky, dessen grausame Taten weit bekannt waren, hat einen slowaki­schen Landsmann wegen einer naiven und scherzhaften Bemerkung verhaftet und zur To­desstrafe durch den Strang verurteilt. Die Toch­ter des Unglücklichen, Borka, fleht umsonst, denn ihr Vater kann keine Gnade finden. Sie will zum Grafen und Oberkommissär in Szé­csény appellieren. Sie wird von ihrem Vorha­ben auch durch den Spott Rédeky's nicht zurück­geschreckt. Rédeky teilt ihr lachend mit, dass bis sie aus dem weiten Dorf Szécsény wieder zurückkommt, das Urteil am Vater schon längst vollzogen ist. — Da verschwindet das Mädchen spurlos ; — hier knüpft sich die Sage an die Dorfgeschichte. — Nur die Sage weiss es, dass Borka auf dem Hof eines Heiducken von Ré­deky den düsteren Kutscher des schwarzen Ge­spannes kennengelernt hat, der sie blitzschnell nach Szécsény brachte, wo sie die Lossprechung ihres Vaters erbeten hat. Sie gelang noch früher in ihr kleines Dorf zurück, als der Stuhlrichter die Sitzung beendigen konnte. Als Rédeky die Schrift des Oberkommissärs übernommen hat, sah er auf seinem Hof den schwarzen Kutscher, der gerade ein viertes Pferd in seinen Wagen einspannte, das für den Stuhlrichter bestimmt war. Und den Stuhlrichter trifft der Schlag. — Mikszáth lässt es uns ahnen, dass diese Ge­schichte nur eine Sage sei, denn in Wahrheit war der Oberkommissär im Dorf bei der Frau eines seiner Heiducken und diesen seinen aben­teuerlichen, heimlichen Besuch hat Borka vom Vater der Frau erfahren, der zufällig ein Hei­duck von Rédeky war. V. Die allegorische Der eigentliche Begründer der allegorischen Einzelbilderreihe ist Franz Kugler mit seinen Totentanzszenen: „Szenen eines Todtentanzes" 3 Schon im Gedicht „Der schwarze Ritter" von Uhland (1815) werden Szenen aneinander ge­reiht, die einen symbolischen Charakter haben: der Tod als Ritter, als Tänzer verkleidet reicht den Sterbenden den Todestrunk. Auch in einem Gedicht von Heine 4 werden drei symbolische Szenen vereinigt. Das Mittel der Darstellung ist die Fiktion, der Traum, die Vision. Im Traum begegnet der Dichter einem schönen Mädchen, das in einer reinen Quelle ein Tuch wäscht. Es ist schön, aber fremd und abstossend. Es singt geheimnisvolle Lieder. Der Dichter fragt das Mädchen, warum es sich so eilt. Da erfährt er, dass 1 Kisebb elbeszélések. Kleinere Erzählungen. II. Bd. 1910. S. 1-27. 2 Tab. b. I. b. 3 Skizzenbuch. Berlin, 1830. S. 39 fi. 4 Buch der Lieder: Junge Leiden, Traumbilder. II. 1817-1821. Einzelbilderreihe 2 das Mädchen sein eigenes Leichentuch reinigt. Das Bild verschwindet und in einem nächsten Traumbilde spaziert der Dichter in einem Walde und hört die Axtschläge eines emsig arbeitenden Holzhackers. Er trifft wieder die Mädchengestalt. Sie arbeitet mit der Axt und will einen mäch­tigen Fichtenbaum fällen. Auf die bescheidene Frage des Dichters antwortet sie, dass ihm aus dem Holze des gefällten Baumes sein eigener Sarg zugeschnitten werde. In der dritten Szene gräbt das Mädchen eine tiefe Grube. Auf die Frage des Dichters erklärt es, dass dies sein eigenes Grab sei. Da öffnet sich die Erde und der Dichter fällt in eine tiefe Grube. Er wacht auf. — Die Szenen dieses Gedichtes sind nur die Auflösung derselben Grundidee. Die Perso­nen der Szenen sind immer dieselben. Kuglers Totentanz ist das erste Totentanz­werk, in dem die einzelnen Szenen zueinander in keinen Beziehungen stehen. Die Motive einer jeden Szene wollen den Seelenzustand des Ster­benden in der Todesstunde, seine Gedanken,

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